Leben und Lernen

Hilfe von der WG-Therapeutin

"Mein Mitbewohner macht Urlaub in der Wohnung"

Sarahs Mitbewohner ist arbeitslos und hängt den ganzen Tag in der Wohnung herum - ebenso wie seine Freundin. Sarah ist total genervt. Was kann sie tun?

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Mann auf der Couch (Symbolbild)

Aufgezeichnet von
Freitag, 03.08.2018   10:46 Uhr

Sarah* schreibt:

Liebe Frau Stiehler,

mein Mitbewohner und ich kennen uns schon seit sechs Jahren. Wir kommen aus dem gleichen Dorf. Seit knapp einem Jahr wohnen wir zusammen in einer WG in Berlin. Wir haben uns bislang immer super verstanden, hatten noch nie Streit und konnten alles immer gut regeln.

Seit einigen Wochen hat er zum ersten Mal seit Jahren eine Freundin, die er durch mich kennengelernt hat. Ich habe sie auf der Arbeit, in einem Zentrum für Drogenabhängige, getroffen, wo sie eine Therapie gemacht hat. Nachdem ich gekündigt hatte, haben wir uns angefreundet und nun ist sie mit meinem Mitbewohner zusammen. Eigentlich fühlt sie sich in ihrer eigenen WG, einer Einrichtung für ehemalige Drogenabhängige, auch wohl, aber leider verbringt sie fast die gesamte Woche bei uns.

Du hast WG-Kummer?

Mein Mitbewohner arbeitet seit Monaten nicht mehr und macht seitdem Urlaub in der Wohnung. Auch seine Freundin ist arbeitslos und so verbringen die beiden den gesamten Tag damit, es sich gutgehen zu lassen. Mich stört es sehr, dass sie im Grunde bei uns wohnt und immer mehr ihrer Sachen zu uns bringt. Sie macht nur Unordnung, meint aber, dass sie viel im Haushalt mithelfe.

Ich arbeite Vollzeit und muss nach der Arbeit die Wohnung putzen, weil ich mehr Wert auf Sauberkeit und Ordnung lege als die anderen. Mit meinem Mitbewohner würde ich gerne reden, aber ich habe Angst, dass er dann nicht mehr mit mir spricht und sich eine eigene Wohnung sucht. Dann kann ich meine Miete aber nicht mehr zahlen. Was soll ich tun?

*Name geändert

Zur Person

Sabine Stiehler antwortet:

Liebe Sarah,

auch, wenn Sie Angst haben, dass Ihr Mitbewohner auszieht: Sie müssen mit ihm über die Situation in der WG reden. Überlegen Sie sich, wie belastbar Sie sind, was Sie aushalten können. Machen Sie ihm klar, wie sehr Sie sich durch seine Freundin eingeengt fühlen.

Schlagen Sie dann klare Regeln vor. Sagen Sie Ihrem Mitbewohner, wie oft die Freundin aus Ihrer Sicht in der WG übernachten könnte. Sie müssen auch aushandeln, wie sauber die Wohnung sein soll.

Stellen Sie im Gespräch keine offenen Fragen, fragen Sie also nicht danach, ob Ihr Mitbewohner generell mehr für Ordnung sorgen kann, sondern, ob er einmal in der Woche das Bad sauber machen kann.

Sie haben geschrieben, dass Ihr Mitbewohner und dessen Freundin arbeitslos sind und es sich in der WG gutgehen lassen. Hier können Sie ihm keine Vorschriften machen. Sie können ihm nicht sagen, dass er sich eine Arbeit suchen soll - ihn höchstens fragen, warum er nicht arbeiten geht.

Wenn Sie den Zustand nicht mehr aushalten, müssen Sie Ihren Mitbewohner entweder gehen lassen und sich einen anderen Mitbewohner suchen. Mit diesem könnten Sie sich vor dem Einzug auf Regeln verständigen, was Besuche und Sauberkeit anbelangt - aber auch, wie in der WG Entscheidungen getroffen werden. Oder Sie müssen selbst ausziehen.

insgesamt 21 Beiträge
Cascara LF 03.08.2018
1.
Was glauben die Leute denn zu erfahren, wenn sie sich mit so einer Ausgangslage an jemand wendet, um sich Rat zu holen? Selbstverständlich wird der erste Rat zu sein, das Thema anzusprechen. Warum trauen sich Leute nicht mal [...]
Was glauben die Leute denn zu erfahren, wenn sie sich mit so einer Ausgangslage an jemand wendet, um sich Rat zu holen? Selbstverständlich wird der erste Rat zu sein, das Thema anzusprechen. Warum trauen sich Leute nicht mal klar Position zu beziehen und anderen Leuten diese mitzuteilen. Das muss j anicht radikal und aggressiv sein, das kann man offen, ehrlich und auch in einem sanften Ton sagen. Aber gesagt werden muss es. Glauben die Leute, alles würde sich in Wohlgefallen auflösen bis sie endlich mal zu der Einsicht kommen, etwas zu tun? Jedesmal die gleiche Leier hier. WG-Probleme vor sich her schieben, den Mund schön geschlossen halten und nicht weiterwissen. Was ist so schwer daran, mal das Gespräch mit den Leuten zu suchen? Ach ja, diesen "Ratschlag" hier "Sagen Sie Ihrem Mitbewohner, wie oft die Freundin aus Ihrer Sicht in der WG übernachten könnte", sollte sic besser nicht befolgen, der wird unweigerlich zur Frontenverhärtung und Abstand führen. Wo käme man denn auch hin, wenn ein WG-Mitbewohner mir vorschreiben will, wie oft meine Freundin bei mir übernachtet? So weit kommts noch.
Cascara LF 03.08.2018
2. ...noch was...
Ein wenig Verlustangst oder Besitzanspruch kommt aber auch zum durchscheinen: "...wir kennen uns seit sechs Jahen...wir kommen aus den gleichen dorf...wir hatten noch nie Streit..." und "...die er durch mich [...]
Ein wenig Verlustangst oder Besitzanspruch kommt aber auch zum durchscheinen: "...wir kennen uns seit sechs Jahen...wir kommen aus den gleichen dorf...wir hatten noch nie Streit..." und "...die er durch mich kennengelernt hat..." Wir, wir, wir, und mich. Da hört man doch im Subtext die gefühlte Zurückstufung. Also: => eigene Nase!
ralle58 03.08.2018
3. Braucht man
für solche Ratschläge wirklich eine Therapeutin? Ich denke, ein wenig gesunder Menschenverstand reicht hier.
für solche Ratschläge wirklich eine Therapeutin? Ich denke, ein wenig gesunder Menschenverstand reicht hier.
supernicky_reloaded 03.08.2018
4. Das hat doch noch Glück :)
In meiner Studenten-WG damals haben, wenn ich nach Feierabend vom Hiwi-Job nach Hause kam, bereits bis zu 20 Leute herumgelungert, die geistig auch regelmäßig im Urlaub waren :). Spaß hat das nicht gemacht, aber dann zieht man [...]
In meiner Studenten-WG damals haben, wenn ich nach Feierabend vom Hiwi-Job nach Hause kam, bereits bis zu 20 Leute herumgelungert, die geistig auch regelmäßig im Urlaub waren :). Spaß hat das nicht gemacht, aber dann zieht man halt aus.
nadja_romanowa 03.08.2018
5.
Darf ich Dich auch beraten? Entweder suchst Du Dir einen Job, mit dem Du Geld verdienst und Deine Miete allein zahlen kannst. Oder Du suchst Dir eine kleinere Wohnung, die Du für Dich alleine hast. Oder Du suchst Dir einen neue [...]
Darf ich Dich auch beraten? Entweder suchst Du Dir einen Job, mit dem Du Geld verdienst und Deine Miete allein zahlen kannst. Oder Du suchst Dir eine kleinere Wohnung, die Du für Dich alleine hast. Oder Du suchst Dir einen neue WG. Oder Du suchst Dir in einer anderen Stadt was. Oder Du haust Deinen Mitbewohner raus und suchst Dir einen neuen. Und bitte, nicht falsch verstehen. Das meine ich alles ernst. Ich mache mich nicht lustig. Aber wenn Du feststellst, dass ein Pferd tot ist, dann steige ab und reite es nicht mehr weiter.
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