Netzwelt

Handyspiel "Emoji Blitz"

Ausgenutzte Fanliebe

Hunderte Figuren aus Disneyfilmen und eine Prise "Star Wars": Dem Handyspiel "Emoji Blitz" hat das schon fünf Millionen Downloads im Play Store eingebracht. Unser Autor ärgert sich über teure In-App-Käufe.

Disney Emoji

Screenshot von "Emoji Blitz"

Von
Mittwoch, 15.11.2017   13:01 Uhr

Dieser Text ist Teil einer Reihe namens "Die App-Falle": Hierbei bitten (um nicht zu sagen: zwingen) Netzwelt-Redakteure ihre Kollegen, seltsame Spiele oder Programme auszuprobieren, die gerade in den App-Charts auftauchen - unabhängig davon, ob wir glauben, dass die Software etwas taugt.

"Emoji Blitz" von Disney wirkt zunächst nicht wie ein schlechtes Handyspiel und genau das ist das Problem. Zugegeben, beim ersten Ausprobieren konnte ich meinen Kollegen Sebastian, der mir die App für diese Rubrik empfohlen hatte, nicht verstehen. "Was hast du denn?", fragte ich. "Das Spiel ist doch gar nicht so schlecht." Mir sollte noch bewusst werden, warum er ausgerechnet diese App ausgewählt hatte.

Disney Emoji

Bis zu 700 Emojis kann ich sammeln.

Das Prinzip von "Emoji Blitz" habe ich schnell verstanden. Ich kenne es von Spielen wie "Candy Crush" oder "Bejeweled". Ich muss Motive verschieben, in diesem Fall die Köpfe bekannter Disney-Charaktere wie Simba, Arielle oder Donald Duck, bis mindestens drei passende beieinander sind. Bekomme ich mehr zusammen, ist die Punkteausbeute höher. Besondere Gegenstände, die auf dem Spielfeld erscheinen, sorgen für weitere Boni.

Vor dem ersten Spiel darf ich mir einen Emoji aussuchen. Jeder Disney-Charakter hat dabei unterschiedliche Fähigkeiten. Aus der kleinen Auswahl, die mir gegeben wird, entscheide ich mich für Mickey. Mit seiner Spezialfähigkeit kann ich Extrapunkte sammeln.

99,99 Euro für virtuelle Diamanten

So richtig zufrieden bin ich nach kurzer Zeit mit Mickey aber nicht mehr und hätte lieber einen anderen Disney-Charakter. Genau jetzt öffnet sich die Falle: Weitere Emojis freizuschalten ist nämlich mit enormem Aufwand verbunden. Für die Freischaltung eines weiteren Emojis habe ich etwas mehr als eine Stunde gebraucht. Den Aufwand verkürzen kann ich nur gegen echtes Geld.

Bis zu 99,99 Euro kann ich bei "Emoji Blitz" auf einen Schlag für rote Diamanten ausgeben. Mit den Diamanten kann ich mir Gold besorgen, mit dem ich mir wiederum Truhen kaufen kann. Diese brauche ich, um möglichst schnell neue Emojis freizuschalten. Für 11,49 Euro bekomme ich gerade so viele Diamanten, um mir eine Goldkiste zu kaufen, die besonders gute Emojis verspricht.

Strenggenommen hat es wenig Sinn, dass es überhaupt so viele virtuelle Währungen gibt - Diamanten, Gold und Truhen. Letztlich führt es nur dazu, dass ich nicht genau einschätzen kann, wie viel Geld ich für ein neues Emoji überhaupt ausgeben soll.

Mit der Extraportion "Star Wars"

Nicht nur für das Spiel schalte ich die bekannten Gesichter aus dem Disney-Universum frei. Die App bietet mir auch an, Disney-Emojis über meine Messenger-Dienste zu verschicken - dafür muss ich der App aber Zugriff auf meine Tastatur gewähren. So etwas sollte man aber lieber nur Anwendern erlauben, denen man wirklich vertraut. Sicherheitsexperten haben schon häufig vor Tastatur-Apps von Drittanbietern gewarnt, die möglicherweise eingetippte Passwörter an fremde Server weiterleiten können.

Seit Kurzem gehören auch Figuren aus der Jediwelt zur Emoji-Palette. Passend zum Kinostart des neuen Star-Wars-Films bewirbt Disney die App mit dem einfallsreichen Zusatz "Disney Emoji Blitz mit Star Wars".

Disney Emoji

Bis zu 99,99 darf ich für Juwelen ausgeben.

Wer nicht zahlt, muss sich langweilen

Das Spiel ist technisch solide und nicht schlecht genug, um treue Fans von der Emoji-Jagd abzuschrecken. Das erfolgreiche Konzept von "Bejeweled" oder "Candy Crush" wurde übernommen und vereinfacht. Wenn ich einmal nicht weiter weiß, bekomme ich ziemlich schnell Hinweise, wo Emojis sind, die ich für eine Kombination verschieben kann. Für kurze Zeit macht es Spaß, aber eine dauerhafte Herausforderung bietet das Spiel nicht.

Also schiebe ich lieblos die Emoijs herum und hoffe darauf, endlich neue Charaktere freizuschalten. Dabei bin ich mir ziemlich sicher: Ohne Darth Vader, Donald Duck und die weiteren bekannten Figuren würde sich keiner für das Spiel interessieren. Es wirkt so, als wäre zuerst die Idee der Emoji-Tastatur da gewesen, um sie anschließend in einem Spiel zu verpacken, mit dem sich viel Geld verdienen lässt.

Disney setzt dabei offenbar auf treue Fans, die ihre Charaktere lieben - und hofft, dass sie nicht Stunden und Tage in das wenig abwechslungsreiche Spiel investieren wollen, sondern sich lieber mit ihrem Taschengeld rote Diamanten kaufen. Dagobert Duck, der so gerne in seinem Geld schwimmt, würde das sicher gefallen.

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Tipps aus der Netzwelt: Diese Apps für iOS und Android empfehlen wir
insgesamt 2 Beiträge
derpif 15.11.2017
1.
Das "Spiel" hat mich beim lesen des Artikels bereits so9 gelangweilt, ich verstehe nicht wie man sich die Zeit mit derartz anspruchlosen Mist vertreiben kann, geschweige denn auch nur einen Pfennig für so ein Prinzip [...]
Das "Spiel" hat mich beim lesen des Artikels bereits so9 gelangweilt, ich verstehe nicht wie man sich die Zeit mit derartz anspruchlosen Mist vertreiben kann, geschweige denn auch nur einen Pfennig für so ein Prinzip bezahlt. Da gebe ich schon eher Geld für ein traditionelles Spiel aus, meinetwegen auch für ein Computerspiel, dafür bekommt man wenigstens eine Herausforderung. Das was hier beschrieben wird verdient den Namen Spiel überhaupt nicht. Muss man sowas wirklich testen um zu erkennen wie schlecht es ist Spon, oder Netzwelt, oder wer auch immer? Es würde mich nicht wundern, wenn solche Apps nicht nur keinen Anspruch besitzen, sondern zu einer totalen Verkümmerung des Hirns führen. Primaten werden in Instituten bei der Fütterung schon sehr viel anspruchsvoller beschäftigt.
P.Josph 15.11.2017
2. Wer nicht zahlt, muss sich langweilen
Also unabhängig davon ob das Spiel gut oder schlecht ist, finde ich es sehr amüsant, dass der Autor es nicht schafft dieses Geschäftsmodell im Mobile Gaming Bereich beim Namen zu nennen. So etwas nennt man PayToWin, und die [...]
Also unabhängig davon ob das Spiel gut oder schlecht ist, finde ich es sehr amüsant, dass der Autor es nicht schafft dieses Geschäftsmodell im Mobile Gaming Bereich beim Namen zu nennen. So etwas nennt man PayToWin, und die extremere Form heißt PayToPlay. Und eigentlich ALLE sogenannten FreeToPlay Spiele besitzen In-App-Käufe oder Micro Transactions.

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