Netzwelt

Neue Richtlinien

Apple verbietet Apps das Mining von Kryptowährungen

Manche Apps nutzen die Rechenleistung der Computer und Smartphones, auf denen sie laufen, um heimlich Kryptowährungen zu erzeugen. Mit einem neuen Regelwerk will Apple diese Praxis jetzt unterbinden.

App Store (Screenshot)

Dienstag, 12.06.2018   14:44 Uhr

Kryptowährungen wie Bitcoin werden durch komplizierte mathematische Berechnungen auf Computern erzeugt. Der Aufwand dafür ist beträchtlich, mit einem einfachen PC kommt man nicht weit. Wer im großen Stil Kryptogeld erzeugen will, braucht entweder Zugang zu einem Rechenzentrum oder die Hilfe vieler kleiner Computer.

Manche Krypto-Schürfer verstecken deshalb in Webseiten oder Apps Programmcode, mit dem sie die Leistung fremder Rechner nutzen können, um ihr digitales Vermögen zu vermehren. Der Anwender weiß davon meist nichts, merkt nur, dass andere Apps langsamer laufen, das Smartphone heiß wird oder die PC-Lüfter ständig laufen.

Mit neuen Nutzungsbedingungen für seinen App Store hat Apple dem Ressourcenklau nun zumindest auf Apple-Geräten einen Riegel vorgeschoben. Das Techblog "Apple Insider" hat die neuen Passagen in den Bewertungsrichtlinien aufgespürt, die anlässlich der Entwicklerkonferenz WWDC 2018 aktualisiert wurden.

Darin heißt es, dass Apps und darin angezeigte Werbung keine unabhängigen Hintergrundprozesse, wie das Schürfen nach Kryptowährungen, durchführen dürfen. Apple verbietet damit auch Apps, mit denen Nutzer bewusst digitales Geld auf Apple-Geräten erstellen wollen. Das Mining in der Cloud ist dagegen gestattet.

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In den Bewertungsrichtlinien, nach denen Apple entscheidet, ob eine App in den Store aufgenommen wird oder nicht, heißt es zudem, eine App solle so gestaltet sein, dass sie nicht die Batterie leert, starke Hitze generiert oder unnötig die Ressourcen des Endgeräts belastet.

Apps für Digitalwährungen dürfen darüber hinaus keine Bezahlung für das Erledigen von Aufgaben anbieten. Dazu zählt Apple das Herunterladen anderer Apps sowie die Ermutigung anderer Nutzer zum Herunterladen oder das Posten in sozialen Netzwerken. Zuvor hatte Apple in den Apps das legale Schürfen von Kryptowährungen erlaubt.

Starbucks-WLAN gekapert

Immer wieder kommt es vor, dass Besucher von Websites oder Nutzer öffentlicher WLANs ohne ihr Wissen ihre Rechenkapazität zum Schürfen von Kryptowährungen zur Verfügung stellen. So haben Kunden einer Starbucks-Filiale in Argentinien mit ihren Geräten die Digitalwährung Monero geschürft. Gleiches passierte Besuchern der Streaming-Website Showtime Anytime. Wer den entsprechenden Programmcode eingeschleust hat, ist unklar.

Es gibt Anbieter wie Coinhive oder JSEcoin, die entsprechende Tools verkaufen, mit denen Webmaster ihren Internetauftritt ohne großen technischen Aufwand zum Schürfen von Digitalwährungen nutzen können. Die Betreiber verdienen dann statt mit Werbung an der Rechenkapazität der Besucher.

brt

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