Netzwelt

CES-Neuheiten von Lenovo

Diese VR-Brille braucht weder PC noch Smartphone

Nach HTC hat auch Lenovo auf der Tech-Messe CES eine neue Virtual-Reality-Brille vorgestellt. Die Mirage Solo ist kabellos und wird ohne weitere Hardware benutzt - ein sinnvoller Ansatz.

SPIEGEL ONLINE

Neuheiten aus Lenovos CES-Pressekonferenz

Aus Las Vegas berichtet
Mittwoch, 10.01.2018   19:35 Uhr

Eine Brille, die ganz ohne Anschluss an ein Smartphone oder einen Computer funktioniert: Damit will Lenovo im zweiten Quartal 2018 den Einstieg in die virtuelle Realität (VR) erleichtern. Auf der CES, wo am Montag schon HTC eine überarbeitete Vive-Brille präsentierte, hat das Unternehmen aus China die Mirage Solo vorgestellt. Mit diesem Headset versucht Lenovo, die Stärken zweier Brillenarten zu vereinen.

Die Mirage Solo soll einerseits kabellos und damit mobil sein, im Stil bereits erhältlicher VR-Brillen, in die ein Smartphone gesteckt wird. Anderseits bietet das Headset auch sogenanntes Positional Tracking, eine Bewegungserfassung, die bislang teureren, nicht mobilen VR-Systemen wie der Vive und der Oculus Rift vorbehalten ist.

Positional Tracking führt dazu, dass die Brille nicht nur erkennt, wohin der Träger seinen Kopf dreht. Das Headset bemerkt auch, ob der Spieler den Kopf nach vorn neigt oder sich bückt. In einer Mirage-Solo-Demo namens "Blade Runner: Revelations" konnte ich mich zum Beispiel hinknien, um den Boden der Science-Fiction-Welt aus der Nähe zu inspizieren. Möglich wäre es aber auch, virtuellen Projektilen auszuweichen.

SPIEGEL ONLINE

Der Autor beim Testen der Brille

Die Bewegungserkennung hat jedoch Grenzen. Lehnte ich mich zu weit in die Nähe einer anderen Spielfigur, wurde das Bild unscharf und eine Warnung erschien: Ich sollte zurück auf meine ursprüngliche Spielposition.

Praktisch könne man ungefähr einen großen Schritt in jede Richtung machen, erklärte mir später ein Mitarbeiter. Auch gut zu wissen: Vor Hindernissen auf dem Boden oder vor Wänden warnt die Mirage Solo beim Tragen nicht, man zieht sie daher am besten direkt in einer sicheren Umgebung mit genügend Freiraum auf.

Kein direkter Rift- oder Vive-Konkurrent

Technisch werden die Erlebnisse für die Mirage Solo mit den Apps für High-End-Brillen wie die Oculus Rift wohl nicht ganz mithalten können. Die Lenovo-Brille nutzt Googles Daydream-Technologie, Käufer werden daher vor allem Apps nutzen können, die auf Handybrillen wie Googles Daydream View zugeschnitten sind.

Games für die Mirage Solo können allein schon deshalb nicht allzu komplex ausfallen, weil sie nur mit Bewegungen und einem kleinem, von der Daydream View bereits bekannten Handcontroller gesteuert werden. Bedenken sollte man auch: Bisherige Daydream-View-Spiele werden das Positional Tracking nicht unbedingt unterstützen, da sie womöglich noch ohne Aussicht auf diese Funktion entwickelt wurden.

Spannend wird, wie sich die Mirage Solo gegen einen bereits angekündigten, direkten Konkurrenten schlägt: Oculus will demnächst die Oculus Go auf den Markt bringen, eine ebenfalls autarke Brille, jedoch ohne Positional Tracking. Die Oculus Go soll circa 200 Dollar kosten, der Preis der Mirage Solo ist noch unbekannt.

Oculus

Oculus Go

Rund 2,5 Stunden Akkulaufzeit

Durch ihre Unabhängigkeit von Smartphones umgehen sowohl die Go, als auch die Mirage Solo eines der größten Probleme von Mobil-VR-Brillen: die schnelle Erhitzung und Entladung der Mobiltelefone. Die Solo soll Lenovo zufolge keine Temperaturprobleme haben, ihr Akku soll 2,5 Stunden durchhalten - das wäre mit der Nintendo Switch vergleichbar.

Ergänzend zur Solo bringt Lenovo auch noch die sogenannte Mirage Camera auf den Markt. Sie bietet WiFi- sowie LTE-Empfang und zwei 180-Grad-Frontkameras, mit denen man Fotos, Videos und Livestreams für VR-Brillen oder auch YouTube produzieren kann. Videos lassen sich auf dem 16 GB großen integrierten Speicher sichern, ebenso auf einer MicroSD, die später direkt in die Mirage Solo eingeschoben werden kann.

180-Grad-Videos als nächstes großes Ding

Die 180-Grad-Aufnahmen der Mirage Camera inszeniert Lenovo als kommenden Mainstream-Standard für VR-Videos. Vielen Menschen falle es durch den klaren Fokus in eine Richtung leichter, solche Videos zu machen, heißt es. Praktisch ist das Format - auch wenn Lenovo diese Assoziation wohl missfällt - unter anderem von Erotikvideos für VR-Brillen bekannt.

Fotostrecke

Sex-Apps für VR-Brillen: Pixeliges Vergnügen

Auch bei diesen wird oft nur in eine Richtung gefilmt, da sich das Geschehen in der Regel vor dem Zuschauer abspielt. Zudem hilft das Format den Filmenden, selbst nicht im Bild aufzutauchen, was bei 360-Grad-Aufnahmen schnell passiert.

Insgesamt machte Lenovos Mirage Solo einen guten ersten Eindruck: Vor allem für Reisen könnte sie samt Kamera attraktiv sein, zumal das Headset ordentlich sitzt, selbst mit normaler Brille darunter. Leider hat Lenovo keinen Kopfhörer integriert. Vermutlich schließt man daher letztlich doch noch zumindest ein Kopfhörerkabel an die Brille an.

Was Lenovo noch vorstellte

Die VR-Brille und die Kamera waren nicht die einzigen beiden Neuheiten auf der Lenovo-Pressekonferenz. Das Unternehmen kündigte auch noch einen vernetzten Bildschirm an, auf dem der Google Assistant läuft.

Sie interessieren sich für noch mehr CES-Gadgets? In dieser Fotostrecke stellen wir 18 Neuheiten der Messe vor:

insgesamt 2 Beiträge
bloub 11.01.2018
1.
der artikel vergisst leider zu erklären, wo das dargestellte bild denn nun her kommt.
der artikel vergisst leider zu erklären, wo das dargestellte bild denn nun her kommt.
gerd0210 12.01.2018
2.
Das Bild entsteht digital im Kopf.
Zitat von bloubder artikel vergisst leider zu erklären, wo das dargestellte bild denn nun her kommt.
Das Bild entsteht digital im Kopf.

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

TOP