Netzwelt

Seltsame Neuheiten von der CES

Welches Gadget ist das dämlichste?

Finger ins Ohr, Mama ruft an: Auf der CES werden auch allerlei Gadgets vorgestellt, die wenig durchdacht scheinen. Hier können Sie abstimmen, welche von sechs Neuheiten Sie am wenigsten beeindruckt.

Spiegel Online

Vorführung der "Fingertip Communication"

Aus Las Vegas berichten und
Samstag, 13.01.2018   15:39 Uhr

"Whoa", steht auf vielen Plakaten, die in Las Vegas für die Gadget-Messe CES werben. Darauf zu sehen sind mal Frauen, mal Männer, deren vor Staunen offener Mund jeweils den Buchstaben "o" ersetzt. Die neueste Technik, die vier Tage lang auf der CES präsentiert wird, fasziniert jeden, lautet die Botschaft der Plakate.

Auch wir haben beim Stöbern in den Messehallen oder bei Gesprächen mit Ausstellern manchmal gestaunt - jedoch nicht immer, weil uns ein Gadget beeindruckt hat. Oft überraschte es uns auch, was für unausgereifte oder seltsame Produkte einige Firmen als nächsten großen Trend inszenierten. Wir entdeckten Gadgets, bei denen wir weniger "Whoa" dachten, sondern eher "Boah, ist das deren Ernst?"

Im Folgenden stellen wir sechs Gadgets vor, die uns - diplomatisch formuliert - weniger überzeugt haben als viele andere auf der Messe. Zum Schluss können Sie abstimmen, welches der Produkte Sie für das dämlichste halten.

1. Miliboos "World's First Smart Couch"

SPIEGEL ONLINE

Ein 3000-Dollar-Sofa, das mehr sein soll als nur eine Sitzgelegenheit: Auf der linken Armlehne lassen sich Geräte drahtlos laden, rechts ist ein Android-Tablet verbaut, über das sich etwa das Smart Home und die Extra-Funktionen des Sofas steuern lassen. Auch soll man so bequem vom Sofa aus twittern oder Netflix bedienen können.

Das Sofa selbst leuchtet auf Wunsch in vier Farben, angeblich mehr oder weniger passend zum Sound des Films, den man auf dem Fernseher schaut. Der Ton dazu kommt derweil direkt aus dem Sofa, es hat eingebaute Lautsprecher und einen Subwoofer. Und es bietet ein "Bass Shaker System", vibriert also mit.

Miliboo inszeniert sein Produkt als "erstes smartes Sofa der Welt" - praktisch wirkt es aber wie ein kaum durchdachter Schnellschuss. Sollte ein Sofa nicht vor allem bequem sein statt vernetzt, leuchtend und vibrierend? Was spricht dafür, den Ton in nicht allzu guter Qualität über das Möbelstück abzuspielen? Wieso ist das Tablet fest in die Armlehne verbaut, so dass man diese nicht mal vernünftig nutzen kann? Und wer bitte twittert ungelenk über den Tablet-Touchscreen in der Lehne, wenn er ein Smartphone hat?

2. Das Chili-Pad

SPIEGEL ONLINE

Haben Sie davon nicht auch schon lange geträumt? Ein Kopfkissen, das Sie mit Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin teilen können, ohne dass Sie sich dabei über die Temperatur streiten müssen? Mit dem amerikanischen Chili Pad soll das gehen.

Das elektrisch beheizte Kissen kann - wie die Klimaanlage moderner Autos - für jeden der beiden Schlafenden nach dessen Vorliebe eingestellt werden. So hat man die Wahl, ob man heiß träumen oder cool bleiben will. Man muss nur aufpassen, dass man beim Schlafen nicht aus Versehen auf die falsche Kissenseite rollt.

3. Sngl Smart Strap

Spiegel Online

Das Sngl Smart Strap, ein 250 Dollar teures Armband für Uhren und Smartwatches, will nicht weniger, als das Telefonieren revolutionieren. Geht ein Anruf ein, wird der Ton über Bluetooth vom Smartphone ans Band übertragen, von dort gelangt er durch Vibrationen direkt ins Ohr, unter einer Bedingung: Man muss sich den Zeigefinger ins Ohr stecken. Antworten kann man dem Anrufer über ein kleines Mikrofon, das im Armband verbaut ist.

Die Technik des Smart Strap überrascht, wirklich praktisch ist das Konzept aber nicht: Längere Telefonate etwa sind mit Bluetooth-Headsets viel komfortabler. Dazu kommt die seltsame Geste: Will man wirklich mit einem Finger im Ohr durch die Stadt laufen? Das ungewöhnliche Konzept erhöhe die Privatsphäre, werben die Macher noch. Sie scheinen aber zu vergessen, dass die eigenen Antworten weiter zu hören sind. So ist das Smart Strap maximal etwas für Leute, die wie Geheimagenten aus Filmen wortlos umherlaufen und Befehle empfangen wollen.

4. Das "smarte" Schwert

SPIEGEL ONLINE

Irgendwie muss auf der CES offenbar alles "smart" und "connected" sein, so auch dieses Plastikschwert. Das Elucidator genannte Gadget wurde einem Schwert aus dem erfolgreichen Anime "Sword Art Online" nachempfunden und soll die Spielwelt in die Realität übertragen - sagt zumindest die Presseagentur des Herstellers.

Bei der Vorführung auf der CES wirkte es eher profan. Wie ein Plastikschwert eben, das bei jedem Hieb Geräusche macht, im Stile eines brummenden Spielzeugautos oder eines sprechenden Teddybären.

5. Die Augmented-Reality-Zahnbürste Magik

Spiegel Online

"Du putzt Zähne? Nimm dein Handy mit!" Solche Elternsprüche wollen die Macher von Magik zum Alltag machen. Das Start-up bietet seine Kinder-Handzahnbürste im Paket mit einer Spiele-App an. Die suggeriert dem Nutzer, seine Zähne wären voller kleiner Monster, die sich durch gezieltes Putzen bestimmter Stellen besiegen lassen. Beim Putzen sieht er sich auf dem Handydisplay mitunter mit einem Haifisch auf dem Kopf, im Stile von Snapchat-Masken. Die Handykamera soll derweil erkennen, ob gerade ungefähr die richtige Stelle gesäubert wird.

Das Putzen mit der App ist ganz schöner Aufwand: Das Smartphone muss mit ins Bad, die App und das entsprechende Programm müssen aufgerufen werden. Dazu muss die optimale Selfie-Position gefunden und dann mehrere Minuten gehalten werden. Außerdem muss man aufpassen, dass das Smartphone nicht nass oder gar mit Zahnpasta verschmiert wird. Sonst lernt man am Ende mehr über kaputte Telefone als übers Zähneputzen.

6. Smarter trinken

SPIEGEL ONLINE

Die chinesische Firma SGUAI scheint Kindern kein eigenes Durstgefühl zuzutrauen. Stattdessen will sie Kids mit einer "smarten" (natürlich, was auch sonst) Trinkflasche dazu animieren, ausreichend zu trinken.

Dazu wurde in die Thermopulle ein Mini-Bildschirm eingebaut, auf dem man einem virtuellen Haustier beim Wachsen zusehen kann. Es wird größer, je mehr man trinkt. Bei nur 300 Millilitern Kapazität ist das Erlebnis freilich schnell vorbei.

Vote

CES 2018

Welches der hier vorgestellten sechs Gadgets halten Sie für das dämlichste?

insgesamt 6 Beiträge
jupiter_jones 13.01.2018
1. Spiessiger bericht
Klar einige erfindungen sind nur als witz gedacht. Bei dem einen oder anderem aber koennte sich eine anwendung vielleicht doch noch finden. Sich ueber die dinge lustig zu machen, laesst den bericht irgendwie spiessig und ein wenig [...]
Klar einige erfindungen sind nur als witz gedacht. Bei dem einen oder anderem aber koennte sich eine anwendung vielleicht doch noch finden. Sich ueber die dinge lustig zu machen, laesst den bericht irgendwie spiessig und ein wenig ueberheblich wirken. Vielleicht ist man im bereich digitaltechnik deswegen so uninnovativ in deutschland.
unky 13.01.2018
2. Es fehlt für die Abstimmung noch eine Option
Nämlich: Ich finde alle Anwendungen überflüssig und dämlich! Es ist schon beängstigend, wie die Branche Menschen immer abhängiger von elektronischen Kinkerlitzchen machen will.
Nämlich: Ich finde alle Anwendungen überflüssig und dämlich! Es ist schon beängstigend, wie die Branche Menschen immer abhängiger von elektronischen Kinkerlitzchen machen will.
5b- 13.01.2018
3. Preis
Wie dämlich etwas ist, dass man kaufen kann, wird auch von dem Preis bestimmt. Die Couch ist mit Abstand das dämlichste, da es keinerlei Eigenschaften aufweist, die neu oder sinnvoll kombiniert sind. Man kann einfach ein [...]
Wie dämlich etwas ist, dass man kaufen kann, wird auch von dem Preis bestimmt. Die Couch ist mit Abstand das dämlichste, da es keinerlei Eigenschaften aufweist, die neu oder sinnvoll kombiniert sind. Man kann einfach ein bequemes Sofa kaufen, ein Tablet, eine Musikanlage, ein Qi Ladepad und farbige LED. Dann kann man alles zusammen oder auch getrennt nutzen.
Wolf im Wolfspelz 13.01.2018
4. Die Zahnputzapp...
...lässt sich doch sicher auch auf andere Tätigkeiten im Bad übertragen: Rasieren als mörderische Jungle-Rodung. Duschen als Ritt die Niagara Fälle runter. Und was mir für die Schüssel alles einfällt... Schnell zum [...]
...lässt sich doch sicher auch auf andere Tätigkeiten im Bad übertragen: Rasieren als mörderische Jungle-Rodung. Duschen als Ritt die Niagara Fälle runter. Und was mir für die Schüssel alles einfällt... Schnell zum Patentamt wetzen!
enoch_root 14.01.2018
5. Naja...
Eine smarte Couch für 3000$? Viele Menschen in Deutschland kaufen sich lieber für 10000€ plus x eine Designer Couch die gar nichts kann, außer vermeintlich gut auszusehen und schon gar nicht bequem ist. Zahnputz-Apps gibt es [...]
Eine smarte Couch für 3000$? Viele Menschen in Deutschland kaufen sich lieber für 10000€ plus x eine Designer Couch die gar nichts kann, außer vermeintlich gut auszusehen und schon gar nicht bequem ist. Zahnputz-Apps gibt es schon lange, AG mag hier neu sein, aber für Kinder kann es ganz nützlich sein, um das Zähneputzen zu lernen (darauf zielen andere Apps ebenfalls ab). Und, mal ehrlich, ich denke selbst der Autor nimmt täglich sein Smartphone sowieso mit ins Bad. Da kleben ganz andere Sachen dran als Zahnpasta, nur vielleicht nicht so offensichtlich. Zuletzt: Ja, machen Kindern kann man das Durstgefühl absprechen. 90% der Erwachsenen trinken zu wenig im Alltag und Kindern geht es da nicht anders - im Gegenteil.

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

TOP