Netzwelt

Huawei und ZTE

Viele Vorwürfe, null Beweise

Seit Jahren warnen vor allem die USA vor Elektronik von Huawei und ZTE. Belege dafür, dass die chinesischen Hersteller den Westen ausspionieren, wurden jedoch nie veröffentlicht.

Foto: AP
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Donnerstag, 06.12.2018   14:21 Uhr

Den chinesischen Herstellern Huawei und ZTE könne "nicht getraut werden", behaupteten US-Abgeordnete bereits im Oktober 2012. Gerüchte über Hintertüren für Chinas Geheimdienste, insbesondere in Huaweis Netzwerktechnik, kursierten damals schon seit Jahren. Das derzeitige Vorgehen der USA und ihrer Verbündeten gegen das Unternehmen hat also eine lange Vorgeschichte.

Die Verhaftung von Huawei-Finanzchefin Meng Wanzhou in Kanada ist der vorläufige Höhepunkt des Konflikts, in dem sich Wirtschafts- und Sicherheitspolitik vermischen.

Ein Rückblick: Allein in den vergangenen Monaten

Beweise für heimlich installierte Überwachungstechnik in chinesischen Produkten hat allerdings nie jemand veröffentlicht. Das Vorgehen, insbesondere der US-Regierung, könnte also in weiten Teilen auch rein wirtschaftspolitisch motiviert sein: Huawei ist einer der wichtigsten Netzwerkausrüster der Welt und ein direkter Konkurrent von im selben Bereich tätigen US-Unternehmen wie Cisco.

In Deutschland hält sich das Misstrauen in Grenzen

Die Netzwerkbetreiber in Deutschland stehen jedoch weiter zu Huawei. Die Telekom teilte im November auf SPIEGEL-Anfrage mit, man verwende die Ausrüstung mehrerer Hersteller, darunter Ericsson, Nokia, Cisco sowie Huawei, und werde es sich "nur schwer leisten können, leistungsstarke Zulieferer auszuschließen". Sämtliche Teile würden "vor Einsatz im Rahmen eines Privacy and Security Assessment intensiv geprüft und deren Verhalten (z.B. Datenströme, Datenverarbeitung etc.) im laufenden Betrieb analysiert".

Außerdem weist das Unternehmen darauf hin, dass auch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), das Wirtschaftsministerium und der Verfassungsschutz "keine belastbaren Hinweise auf sicherheitskritische Eigenschaften von Komponenten einzelner Zulieferer" hätten.

Telefónica Deutschland beantwortete entsprechende Nachfragen ganz ähnlich. Und BSI-Präsident Arne Schönbohm freute sich im November über die Eröffnung von Huaweis Security Innovation Lab in Bonn, "das einen weiteren und tieferen technischen Austausch zwischen Huawei und dem BSI ermöglicht."

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Misstrauen gibt es aber durchaus, unter Vertretern des Bundesinnenministeriums ebenso wie unter Bundestagsabgeordneten wie dem Grünen-Netzpolitiker Konstantin von Notz. Der hat kürzlich von einem zumindest "potenziell bestehenden Gefährdungspotenzial" gesprochen, das die Bundesregierung "komplett" ausblende. Folgen hatte das für Huawei bisher nicht.

Nur eine einzige Hintertür in Huawei-Netzwerkroutern wurde bislang gefunden, sie wurde vor rund zehn Jahren eingesetzt. Ihr Codename lautete Headwater. Entwickelt und benutzt wurde sie vom US-Geheimdienst NSA, der damit den kompletten Datenverkehr eines Routers überwachen konnte. Headwater, das geht aus den Snowden-Dokumenten hervor, war aber nur ein Teil des groß angelegten Hackingangriffs der USA auf Huawei, in dessen Zuge das chinesische Unternehmen bis in die Führungsspitze ausspioniert wurde.

insgesamt 60 Beiträge
sven2016 06.12.2018
1. Passt
NSA und andere Sicherheitsdienste spionieren bekannterweise schon lange auch im Wirtschaftssektor, nicht nur wie immer vorgegeben wegen Terrorismusabwehr, sondern zum Nutzen des US-Unternehmen. Wenn konkrete [...]
NSA und andere Sicherheitsdienste spionieren bekannterweise schon lange auch im Wirtschaftssektor, nicht nur wie immer vorgegeben wegen Terrorismusabwehr, sondern zum Nutzen des US-Unternehmen. Wenn konkrete Hardwareschnittstellen bekannt sind, sollte das sofort veröffentlicht werden. Andernfalls sieht es wirklich so aus, dass die nationalistische Politik zu Lügen im Unternehmensbereich greift, um ausländische Unternehmen in Verdacht zu bringen. Trump geht vermutlich bis an die Grenze eines echten Krieges, um seine Verschwörungstheorien auszuleben. Er und seine willigen Helfer gehören dringend hinter Gitter oder in geschlossene Einrichtungen.
mur45 06.12.2018
2. Ahc wirklich ....
und wer Garantiert das die USA uns Europäer insbesondere Deutscheland nicht ausspioniert das Sie ja zumal auch die Kanzlerin ausspioniert haben.
und wer Garantiert das die USA uns Europäer insbesondere Deutscheland nicht ausspioniert das Sie ja zumal auch die Kanzlerin ausspioniert haben.
tiropites 06.12.2018
3. Diktatur & Doppelmoral
Die USA wirft etwas anderen vor, kann es nicht beweisen und macht es selber, egal ob Krieg oder wie hier Wirtschaftskrieg und Spionage. Aufdrängen, untersagen, verbieten, etc. sind mechanismen eines Regimes. USA: Ich, Ich, Ich!
Die USA wirft etwas anderen vor, kann es nicht beweisen und macht es selber, egal ob Krieg oder wie hier Wirtschaftskrieg und Spionage. Aufdrängen, untersagen, verbieten, etc. sind mechanismen eines Regimes. USA: Ich, Ich, Ich!
HCG 06.12.2018
4. Schon möglich....
...das Chinesiche Firmen (so wie auch vermutlich Apple) massenhaft Menschen ausspionieren. Das ist wohl der wahre Grund der Verhaftung, um an solche Infos ranzukommen. Das mit dem Handelsembargo Iran etc sind sicherlich [...]
...das Chinesiche Firmen (so wie auch vermutlich Apple) massenhaft Menschen ausspionieren. Das ist wohl der wahre Grund der Verhaftung, um an solche Infos ranzukommen. Das mit dem Handelsembargo Iran etc sind sicherlich vorgeschobene Gründe...
Proggy 06.12.2018
5. US-Apfel first!
Es geht wahrscheinlich eher darum, einen US-Hersteller von Smartphones, vor dem Niedergang zu bewahren und einen internationalen Mitbewerber zu schwächen.
Es geht wahrscheinlich eher darum, einen US-Hersteller von Smartphones, vor dem Niedergang zu bewahren und einen internationalen Mitbewerber zu schwächen.

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