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Meizu Zero

Dieses Smartphone macht dicht

Der chinesische Hersteller Meizu treibt den Verzicht auf physische Bedienelemente auf die Spitze. Das neue Modell hat nahezu keine Öffnungen und keinen einzigen Schalter.

Meizu

Meizu Zero auf Ladestation

Donnerstag, 24.01.2019   16:40 Uhr

Bei Handyherstellern regiert seit Jahren der Hang zum Verzicht. Apple machte Anfang, als das Unternehmen begann, in seinen iPhones die Kopfhörerbuchse wegzulassen. Mittlerweile sind zumindest bei vielen Geräten auch Dinge wie die Home-Taste eingespart worden. Meizu geht noch einen Schritt weiter: In einem Video und mit einer Pressemitteilung hat das Unternehmen ein Smartphone namens Zero angekündigt, das gar keine Knöpfe, Schalter oder Öffnungen mehr haben soll - zumindest beinahe. Zumindest für die Mikrofone dürfte es noch ein paar winzige Löcher geben.

Zumindest aber gibt es keinen Home-Button, keinen Lautstärkeregler und auch keinen Knopf zum Stummschalten. Auch Lautsprecher sind am Zero nicht zu erkennen. Nicht einmal eine Schublade für eine Sim-Karte ist vorgesehen.

Letztere zu ersetzen, ist mittlerweile vergleichsweise einfach geworden: Statt einer Sim aus Plastik verwendet das Zero eine eSim, wie sie beispielsweise in Apples aktuellen iPhones eingebaut ist. Der Vorteil dieser Technik: Sie basiert auf Software. Die sonst auf einer Plastik-Sim gespeicherten Daten werden per Software auf das Handy übertragen. Will man den Provider wechseln, etwa, weil man im Urlaubsland einen lokalen Tarif nutzen will, tut man das einfach per App. Oder indem man den Provider in den Einstellungen des Geräts wechselt.

Die Einschalttaste und die Lautstärkeregler werden durch Sensorflächen im Gehäuse ersetzt, wie man sie von einigen HTC- und Google-Smartphones kennt. Auf herkömmliche Lautsprecher kann Meizu verzichten, weil beim Zero der Bildschirm als Klangerzeuger verwendet wird. Sony nutzt eine ähnliche Technik bei seinen Highend-Fernsehern.

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Meizu Zero mit Ladegerät

Das Aufladen des Akkus erfolgt kabellos, was an sich keine große Neuheit ist. Beeindruckend ist allerdings die Schnellladetechnik, die Meizu hierfür einsetzt. Super mCharge nennt die Firma ihre Erfindung, die auf leicht modifizierten Lithium-Ionen-Akkus basiert, die gegenüber anderen Handys höheren Belastungen beim Aufladen gewachsen sind.

Das ist nötig, weil Meizus kabellose Ladestation den Strom mit einer Leistung von 18 Watt in den Akku überträgt. Zum Vergleich: Samsung lädt seine Smartphones mit 9 Watt auf, Apple mit 7,5 Watt.

Fotostrecke

Meizu Super mCharge: Handy mit Turbolader

Zur Identifizierung des Nutzers kann einerseits eine oberhalb des Bildschirms eingebaute Kamera oder ein in den Bildschirm integrierter Fingerabdrucksensor genutzt werden. Ungewöhnlich ist die Wahl der Gehäusematerials: Statt des in der Branche weit verbreiteten Aluminiums nutzt Meizu in diesem Fall Keramik, ein Material, das unter anderem sehr kratzfest sein kann.

Mit weiteren Details zum Zero hält sich Meizu zurück. Der Bildschirm soll eine Diagonale von 5,9 Zoll haben und auf Amoled-Technik basieren, das ganze Gerät nach dem IP68-Standard wasserdicht sein. Die Auflösung der Frontkamera wird mit 20 Megapixeln angegeben, das Kameraduo auf der Rückseite hat 12 und 20 Megapixel.

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Die Rückseite des Meizu Zero

Im Gegensatz zur ansonsten ausgesprochen modernen Ausstattung wirkt der Snapdragon-845-Prozessor, von dem es offenbar angetrieben werden soll, beinahe etwas angestaubt. Zwar steckt er derzeit in allen Android-Smartphones der Oberklasse, doch sein Nachfolger, der bereits für 5G vorbereitetet Snapdragon 855, wird bald sein Debut geben.

Denn Ende Februar findet in Barcelona der Mobile World Congress statt, die wichtigste Mobilfunkmesse des Jahres, auf der viele neue Smartphones präsentiert werden. Meizu dürfte die Gelegenheit nutzen, um das Zero dort vor Fachleuten aus der ganzen Welt zu präsentieren. So wie die Firma 2017 in Barcelona erstmals ihre Schnelladetechnologie vorgeführt hat.

Ob dann auch ein Preis für das Zero genannt wird, ist unklar, für deutsche Interessenten aber auch zweitrangig. Während Meizu in seinem Heimatland schon lange eigene Läden betreibt, halten sich die Bemühungen der Firma, in Deutschland Fuß zu fassen, in engen Grenzen.

mak

insgesamt 8 Beiträge
barlog 24.01.2019
1.
An welchem Smartphone gibt es denn "einen Knopf zum Stummschalten"?
An welchem Smartphone gibt es denn "einen Knopf zum Stummschalten"?
gimp69 24.01.2019
2.
An meinem (Oneplus 5T). Das nennt sich dann "Alarm-Schieberegler".
Zitat von barlogAn welchem Smartphone gibt es denn "einen Knopf zum Stummschalten"?
An meinem (Oneplus 5T). Das nennt sich dann "Alarm-Schieberegler".
cipo 24.01.2019
3.
"..zumindest beinahe. Zumindest für die Mikrofone dürfte es noch ein paar winzige Löcher geben. Zumindest aber gibt es keinen Home-Button, keinen Lautstärkeregler und auch keinen Knopf zum Stummschalten." Und bei [...]
"..zumindest beinahe. Zumindest für die Mikrofone dürfte es noch ein paar winzige Löcher geben. Zumindest aber gibt es keinen Home-Button, keinen Lautstärkeregler und auch keinen Knopf zum Stummschalten." Und bei SPON hat man also zumindest das Synonymlexikon eingespart.
felisconcolor 24.01.2019
4. An meinem
Apple Iphone SE zum Beispiel. Gute Sache das.
Zitat von barlogAn welchem Smartphone gibt es denn "einen Knopf zum Stummschalten"?
Apple Iphone SE zum Beispiel. Gute Sache das.
5b- 25.01.2019
5. Ansatz schon viel früher
Bei Handies hat der Trend zu weniger Knöpfen mit dem ersten iPhone angefangen, das die Tastatur eingespart hatte. Vor dem iPhone war Apple schon dafür bekannt mechanische Bedienelemente durch Berührungsempfindliche Sensoren zu [...]
Bei Handies hat der Trend zu weniger Knöpfen mit dem ersten iPhone angefangen, das die Tastatur eingespart hatte. Vor dem iPhone war Apple schon dafür bekannt mechanische Bedienelemente durch Berührungsempfindliche Sensoren zu ersetzen und davor dass Bedienelemente möglichst minimalistisch waren. Samsung hat auch schon früh gezeigt, dass der Konzern das Konzept verstanden hat, aber nicht wusste wie man es richtig macht. So hat Samsung einen MP3 Spieler auf den Markt gebracht ohne Mechanische Knöpfe. Die Bedienelemente waren Berührungsempfindlich im Gehäuse angebracht. Das sah zwar schön aus, da die Elemente aber keine haptischen Eigenschaften besaßen, konnte man das Gerät nicht blind, z.B. in der Hosentasche, bedienen. Den Quatsch hat Samsung durch alle Produkte durchgezogen. So gab es Fernsehgeräte mit ebensolchen im Gehäuse integrierten Sensoren bei denen die Bedienelemente mit sehr dünnen Linien aufgedruckt waren. Beim Filmeschauen unter optimalen Bedingungen, also bei wenig Umgebungslicht, konnte man die Bedienelemente weder sehen, noch fühlen. Bei einem Gerät ohne Knöpfe mit Haptik kommt die Frage auf wie man denn das Gerät in der Tasche lauter und leiser stellt. Beim Fotografieren fehlt die Funktion, dass man „echte“ Knöpfe verwenden kann. Wenn man sich in anderen Bereichen umsieht, z.B. Kameras und Autos, dann merkt man, dass physische Knöpfe mit haptischer Rückmeldung einen Mehrwert darstellen. Viele Knöpfe lassen sich mit starren Sensoren umsetzen. Es fehlt dann aber an der Haptik: man fühlt nicht wo der Knopf ist und ob man ihn gedrückt hat. Ein „echter“ Druckschalter ist kein unnötiges Relikt aus alten Tagen. Es ist ein sinnvolles Element das in vielen Anwendungsbereichen die Beste Wahl ist und bleibt. Man stelle sich zum Beispiel eine Tastatur ohne Haptik vor. Das würde nie funktionieren, da man nicht blind auf Ihr schreiben könnte. Man muss die Tasten erfühlen können ohne sie zu betätigen. Um das bei einer berührungsempfindlichen Tastatur umzusetzen, muss man so viele Hürden mit komplizierten Techniken umgehen, dass es sich nur schwerlich lohnt. Selbst Apple setzt noch auf mechanische Tastaturen.

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