Netzwelt

Netflix und Co.

Web-Fernsehen verdrängt in den USA klassische TV-Anbieter

Web-TV-Dienste verändern die TV-Gewohnheiten in den USA. Nach Netflix' Erfolg mit Serien wie "House of Cards" folgt der Bezahlsender HBO mit seinem Blockbuster "Game of Thrones" dem Trend ins Netz.

DPA

Netflix-Logo: Fünf Millionen neue Kunden im ersten Quartal

Donnerstag, 16.04.2015   13:41 Uhr

Die US-Fernsehindustrie ist im Umbruch: Unter dem Druck von Streaming-Diensten wie Netflix müssen die etablierten Kabel-TV-Anbieter ihre Angebote auf den Prüfstand stellen. Mit Angeboten wie HBO Now kommen mittlerweile aus der Branche selbst Alternativen, die ausschließlich online laufen. Der Trend heißt "Cord-cutting" - immer mehr US-Bürger kündigen TV-Verträge bei Kabelanbietern und steigen auf Online-TV-Anbieter um.

Der Aufstieg von Video-on-Demand-Plattformen kremple die Medienlandschaft um, lautet das Fazit einer aktuellen Studie des Analysehauses Nielsen. Anbieter wie Netflix, Amazon und Hulu, die gegen eine monatliche Abo-Gebühr Zugang zu Mediatheken im Internet bieten, verändern die Branche. Im letzten Jahr stieg der Anteil der US-Haushalte, die solche Services nutzen, von 36 auf 40 Prozent. Pay-TV-Firmen verlieren vor allem bei den jüngeren Kunden, die vom Fernseher auf Laptops, Smartphones und Tablets umsteigen, an Boden.

Klassisches bezahltes Fernsehen über Kabelkonzerne wie Time Warner Cable, Comcast oder DirecTV ist zwar noch immer die Regel. Doch "Cut the Cord" (zerschneide das Kabel) ist das Motto der Stunde. Das zeigen nicht nur Berichte über Googles Video-Tochter YouTube, die schon bald mit einem werbefreien Bezahlangebot aufwarten soll. Bestes Indiz ist das rasante Wachstum von Netflix - dank Serienhits wie "House of Cards" hat die kalifornische Firma inzwischen über 62 Millionen Kunden weltweit - fast fünf Millionen kamen im letzten Quartal dazu. Der Erfolg setzt die alteingesessene Konkurrenz unter Zugzwang.

Teurer als Netflix

Große Sender wie CBS und NBC reagieren mit Angeboten für "Cord-Cutter". Auch der Bezahlsender HBO kann sich dem Trend nicht mehr verweigern. Seit Anfang April bietet der neue Service HBO Now Serien, Dokus und Filme im Rahmen eines Abo-Modells auch für Kunden ohne Vertrag mit einem Kabelbetreiber an. Wer die neuen Folgen von "Game of Thrones" oder ganze Staffeln von Serien-Klassikern wie "Sopranos" oder "The Wire" sehen will, braucht Kabelanbieter wie Comcast damit nicht mehr.

Zum Start wird HBO Now jedoch nur über die US-Konzerne Cablevision und Apple angeboten. Sling TV, eine Streaming-Plattform des Satelliten-TV-Anbieters Dish, soll bald folgen. Dabei ist das Bezahlmodell von HBO Now mit einer Monatsgebühr von 14,99 Dollar relativ teuer - bei Netflix beträgt der Preis 8,99 Dollar.

Serienjunkies brauchen mehrere Flatrates

Allerdings: Ein US-Kabelfernsehvertrag kostet im Schnitt 80 Dollar im Monat. Dafür erhalten Kunden sehr viele Sender in Paketen, die häufig als völlig überdimensioniert wahrgenommen werden. Günstigere Lösungen "a la carte" hatten die marktbeherrschenden Großkonzerne bislang nicht nötig, weil es kaum Alternativen gab. Wer seine Lieblingsserie sehen wollte, bekam eben - für viel Geld - einfach noch Hunderte von Programmen dazu. Dank Netflix und Co. könnte sich das ändern.

Allerdings hat auch die Welt der Streaming-Dienste ihre Schattenseiten. Die Anbieter überbieten sich mit Eigeninhalten - Serienjunkies kommen kaum umhin, mehrere Flatrates zu abonnieren. Das kann ins Geld gehen. Zudem führt der Weg vom klassischen Fernsehen zur Online-Alternative leicht vom Regen in die Traufe. Denn für guten Empfang von Netflix, HBO Now oder Hulu ist ein schneller Internetanschluss nötig - und den liefern oft die gleichen Großkonzerne, die bislang den Kabel-TV-Markt dominieren.

Google Nexus Player: Extrem schlichtes Design zeichnet die kleine Multimediabox aus, die mühelos auf einer Handfläche Platz findet. Auf der Rückseite sind ein HDMI-Anschluss, die Netzteilbuchse und ein Micro-USB-Port, der Entwicklern vorbehalten und über Umwege für Kabelnetzwerk verwendet werden kann.

Google Gamepad: Zwar kann man grundsätzlich auch die Fernbedienung benutzen, um Spiele zu spielen, mehr Spaß macht es aber mit dem Gamepad, das allerdings 49 Euro extra kostet.

Einstellungen: Die Konfiguration der Android-TV-Box ist schnell erledigt, die weitere Feinjustierung erfolgt in übersichtlichen Menüs.

Android TV: Die Benutzeroberfläche ist klar gegliedert. Oben findet man Vorschläge für Filme und Spiele, darunter die verschiedenen Google-Shops sowie bereits installierte Apps.

Online-Videothek: Googles Angebot ist mit dem anderer Anbieter vergleichbar, die Preise auch.

Online-Clips: Natürlich gibt es eine App für Googles-Videoportal YouTube.

Ein bisschen Spielkonsole: Auf dem Nexus Player laufen viele Android-Spiele. Die grafische Qualität ist durchaus beachtlich, wenngleich sie nicht an die von echten Spielkonsolen heranreicht.

Komplettpaket: Als Komplettpaket kosten Nexus Player, Fernbedienung und Gamepad knapp 150 Euro, bieten dafür aber auch einige Funktionen.

Hannes Breustedt, dpa

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