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WikiLeaks-Gründer

Ecuador gibt offenbar Millionen für Schutz von Assange aus

Ecuador soll mindestens fünf Millionen Dollar in den Schutz von WikiLeaks-Gründer Julian Assange investiert haben. Laut Medienberichten wusste zunächst nicht einmal der Botschafter des Landes von der "Operation Hotel".

DPA

Julian Assange

Mittwoch, 16.05.2018   07:21 Uhr

Ecuador schützt WikiLeaks-Gründer Julian Assange in seiner Botschaft in London offenbar mit einem millionenschweren Überwachungsprogramm. Das berichten die "Süddeutsche Zeitung" und der britische "Guardian" unter Berufung auf vertrauliche Unterlagen.

Die Aktion namens "Operation Hotel" laufe seit mehr als fünf Jahren und koste pro Monat durchschnittlich 66.000 Dollar, insgesamt bereits mindestens fünf Millionen Dollar. Die Dokumente zeigten, dass der Gründer der Enthüllungsplattform aus Sicht seiner Bewacher in seinem Exil mehreren Bedrohungen ausgesetzt sei.

Als eine Gefahrenquelle gilt den Berichten zufolge die britische Polizei, der zugetraut werde, dass sie unter einem medizinischen Vorwand in die Botschaft eindringen und Assange festnehmen könnte. Auch das Botschaftspersonal und Gäste sollen ausspioniert worden sein. Für die Überwachung beauftragte die Regierung Ecuadors den Berichten zufolge eine europäische Sicherheitsfirma, die Assange rund um die Uhr überwacht.

Als Stützpunkt für die Operation wurde demnach für mehr als 4000 Euro im Monat eine Wohnung nahe der Botschaft angemietet. Das Geld dafür stamme aus einem Sonderetat des Geheimdiensts. Nicht einmal der Botschafter Ecuadors soll zunächst informiert gewesen sein.

Assange hatte sich 2012 in die Botschaft Ecuadors in London geflüchtet, um sich vor einer Auslieferung zu schützen. Hintergrund sind US-Geheimdokumente über die Kriege im Irak und in Afghanistan, die WikiLeaks verbreitet hatte.

Obwohl die Ermittlungen in Schweden eingestellt wurden, gibt es in Großbritannien nach wie vor einen Haftbefehl gegen Assange. Die britischen Behörden warfen ihm vor, seine Kautionsauflagen verletzt zu haben, als er in die Botschaft flüchtete.

cte/dpa

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