Netzwelt
Montag, 12.02.2018   16:00 Uhr

Kryptobetrug und Killerroboter

Liebe Leserin, lieber Leser,

Von

ernüchternder als der Aschermittwoch ist diese Woche nur der Blick auf die ständig auftauchenden Betrügereien mit Kryptowährungen. Die italienische Kryptobörse BitGrail musste am Wochenende einräumen, 17 Millionen Einheiten "Nano" an Kriminelle verloren zu haben. Zur Tatzeit entsprach das rund 140 Millionen Euro.

BitGrail-Website

Außerdem wurde bekannt, dass auf Tausenden Websites unter anderem von Regierungen und Behörden in England sogenannte Mining-Skripte platziert wurden. Sie nutzen die Rechenleistung der Besucher, um heimlich Kryptowährungen zu generieren.

Und Forscher am Russischen Föderalen Nuklearzentrum, an dem einst die ersten sowjetischen Atombomben entwickelt wurden, wollten ihren Supercomputer zum Bitcoin-Mining zweckentfremden. Aber wenigstens schien ihnen das wichtiger zu sein, als die nächste Massenvernichtungswaffe zu entwerfen.

Sicherheitskonferenz: Man kann Krieg nicht ohne K und I schreiben

DPA/ Sony Pictures Home Entertainment

Szene aus dem Film "Terminator 3"

Kommendes Wochenende beginnt die Münchner Sicherheitskonferenz, auf der es in diesem Jahr unter anderem um "die Bedrohung der liberalen internationalen Ordnung" und gehackte Demokratien gehen soll. Eine Art öffentliches Aufwärmen findet aber bereits Donnerstag statt.

Dann reden Ex-Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen, Estlands Präsidentin Kersti Kaljulaid und eine Vertreterin der Initiative Stop Killer Robots über "künstliche Intelligenz und moderne Konflikte", sprich KI und Krieg. Und damit das ein bisschen mehr Popcorn-Aroma bekommt, lautet der Titel der Veranstaltung allen Ernstes "The Force Awakens" - so wie der "Star-Wars"-Film von 2015.

Berliner Offensive: Ein Hacking-Vollautomat

Nicht ganz so kriegerisch, aber immer noch angriffslustig geht es diese Woche in Berlin zu, auf der IT-Sicherheitskonferenz OffensiveCon. Ein Team um den deutschen Forscher Fabian Yamaguchi stellt dort seine Arbeit an einer Art Hacking-Vollautomat vor: Man füttert die Maschine mit Code, den sie daraufhin selbsttätig analysiert - und am Ende gibt sie eine Liste von möglichen Angriffspunkten aus. Das jedenfalls ist das langfristige Ziel der Experten. Ich werde vor Ort sein und mir die Präsentation ansehen.

Seltsame Digitalwelt: Ich, 52?!

Am Wochenende traf ich einen Freund aus Kindheits- und Schultagen wieder. Wir redeten, worüber alte Freunde halt reden: übers Älterwerden. Dann zeigte er mir eine App auf seinem Smartphone, mit der er indirekt beruflich zu tun hat: Seeing AI von Microsoft - die "sehende künstliche Intelligenz". Die App gibt es schon seit einem Dreivierteljahr für das iPhone, aber ausprobiert hatte ich sie noch nicht.

Seeing AI von Microsoft

Seeing AI soll blinden Menschen helfen, ihre Umgebung zu erkennen. Dazu nutzt sie die Kamera des Geräts, hilft durch Sprachausgabe beim Fokussieren eines Motivs und beschreibt dann das Fotografierte - zum Beispiel einen Geldschein, oder auch Gesprächspartner. Es ist eine selbstlernende Bilderkennungssoftware. Doch ein Foto von mir ließ sie zu dem Schluss kommen, ich sei "ein 52 Jahre alter Mann, der glücklich aussieht". Sofort sah ich unglücklich aus. 52?! Unverschämtheit!

"Wir versuchen es noch einmal in anderem Licht", sagte mein Schulfreund schnell. Das Ergebnis: "Ein 46-jähriger Mann, der neutral aussieht". Ich war kurz davor, meine Neutralität zu verlieren.

Später lud ich mir die App selbst herunter und gab ihr noch drei Chancen. Sie schätzte mich auf 45, 43 und 42. Das ging zwar wenigstens in die richtige Richtung, war für meinen Geschmack aber immer noch nicht nah genug an der Wahrheit und erst recht nicht an einem Kompliment. Wenn es, schönen Gruß an dieser Stelle nach München, jemals zu einem Krieg zwischen Menschen und Maschinen kommen sollte, dann wird der Auslöser wahrscheinlich sein, dass die Computer so verdammt unhöflich sind.

App der Woche: "Cake Browser"
getestet von Tobias Kirchner

Cake Technologies

Der "Cake Browser" ist eine gelungene Alternative zu den bekannten Browsern für Smartphones. Mit Wischgesten von links nach rechts navigiert man sich durch die Suchergebnisse. Wer beispielsweise nach einer bekannten Persönlichkeit sucht, wischt sich erst durch aktuelle Artikel, landet dann bei Wikipedia und schließlich auf der offiziellen Internetseite oder dem Facebook-Auftritt.

Die Wischgesten ersparen den Wechsel zwischen verschiedenen Fenstern. Nützlich ist das auch beim Shoppen. So sind schnell die Angebote verschiedener Shops verglichen oder Produkttests durchblättert. Der Browser lässt sich außerdem anpassen und basiert nach Wunsch auf den Ergebnissen von Google oder Bing.

Gratis von Cake Technologies, ohne In-App-Käufe: iOS, Android

Fremdlink: Drei Tipps aus anderen Medien

Ich wünsche Ihnen eine friedliche Woche,

Patrick Beuth

Sagen Sie Ihre Meinung!
Newsletter
Startmenü - der Netzwelt-Newsletter

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

TOP