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Neuer Newsfeed

Facebook stuft Inhalte von Medien und Firmen zurück

Mark Zuckerberg hat weitreichende Änderungen im Newsfeed von Facebook angekündigt. Der Konzernchef will, dass sein Netzwerk "gut für das Wohlbefinden" ist. Mit Politik soll das alles nichts zu tun haben.

REUTERS

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg (Archivbild)

Freitag, 12.01.2018   12:23 Uhr

Mehr Beiträge von Freunden und Familie im Newsfeed, dafür weniger von Unternehmen, Prominenten, Medien und politischen Gruppen: So soll Facebook wieder stärker auf das ursprüngliche Ziel ausgerichtet werden, persönliche Verbindungen zu ermöglichen, schrieb Gründer und Chef Mark Zuckerberg in einem Facebook-Beitrag in der Nacht zum Freitag. Die Änderung gehe auf Wünsche von Nutzer zurück.

Facebook ändert den Algorithmus, mit dem es Beiträge im Newsfeed sortiert und priorisiert, immer mal wieder. So versucht das Unternehmen herauszufinden, wie es die Aktivität und Verweildauer seiner Nutzer im Netzwerk erhöhen und ihnen damit mehr Werbung anzeigen kann. Manche Änderungen sind subtil, andere werden zurückgenommen, einige aber haben größere Auswirkungen. "Dies wird eines der wichtigeren Updates", sagte der zuständige Produktmanager John Hegeman.

Die Beiträge von Unternehmen und Medien sollen danach priorisiert werden, "ob sie zu bedeutungsvollen Interaktionen ermutigen". Inhalte, zu denen sich ein Nutzer und seine Freunde wahrscheinlich äußern werden, sollen also höher im Newsfeed platziert werden.

Zuletzt hatte Facebook noch stark auf Medieninhalte gesetzt

Das bedeutet, dass Beiträge von Facebook-Seiten zwar grundsätzlich weiterhin den Weg in den Newsfeed finden werden - aber bevorzugt, wenn sich der Freundeskreis darüber austauscht. Inhalte-Anbieter können aber auch weiterhin Platz im Nachrichtenstrom der Nutzer über Facebooks Anzeigenplattform kaufen.

Für viele Unternehmen und Medien dürften die Änderungen einen Einschnitt bedeuten. Facebook hatte in den vergangenen Jahren versucht, verstärkt zur Plattform für Medieninhalte zu werden. Viele Medien und Marken setzen darauf, Menschen über Facebook zu erreichen - schließlich hat das Netzwerk weltweit mehr als zwei Milliarden Mitglieder.

"Es stimmt, dass die Verbreitung dieser Inhalte zurückgehen wird, und dies bedeutende Auswirkungen für das Ökosystem haben wird", sagte Produktmanager Hegeman. Die Zahl der Anzeigenplätze im Newsfeed werde zugleich nicht erhöht. Das könnte den Wettbewerb um vorhandene Werbeslots anheizen.

Zugleich können Nutzer selbst in den Einstellungen dafür sorgen, dass die Beiträge von Seiten, denen sie folgen, ganz oben im Newsfeed auftauchen - und damit die Änderung aushebeln.

Zuckerberg erwartet positiven Einfluss auf das Geschäft

"Ich ändere das Ziel für unsere Produkt-Teams: Statt sich darauf zu konzentrieren, Sie (die Nutzer - die Red.) beim Finden relevanter Inhalte zu unterstützen, sollen sie Ihnen helfen, bedeutsamere soziale Beziehungen zu haben", erklärte Zuckerberg.

Ein Grund für die Änderungen sei, dass laut Studien Kontakte über soziale Medien mit Menschen, die einem wichtig seien, gut für das Wohlbefinden sein könnten. "Andererseits kann das passive Lesen von Beiträgen oder das Anschauen von Videos - selbst wenn sie unterhaltsam oder informativ sind - nicht so gut sein." Facebook fühle eine Verantwortung dafür, dass Dienste des Netzwerks gut für das Wohlbefinden seien, schrieb Zuckerberg.

Facebook weist politischen Hintergrund zurück

Er rechne damit, dass mit den Änderungen Menschen weniger Zeit bei Facebook verbringen würden, räumte der CEO ein. "Aber ich erwarte auch, dass die bei Facebook verbrachte Zeit wertvoller sein wird." Damit werde die Entscheidung auf lange Sicht auch für das Geschäft gut sein. "Wir müssen das System neu fokussieren", sagte Zuckerberg der "New York Times".

Facebook-Manager Hegeman sagte, hinter dem Schritt stecke keineswegs der Versuch, politische Kontroversen um Facebook-Inhalte zu entschärfen. Facebook wurde zuletzt insbesondere vorgeworfen, problematische Inhalte nicht wirksam zu bekämpfen, wie etwa Aufrufe zum Hass, Verteidigung von Terrorismus oder gezielt verbreitete Falschnachrichten. Dies fiel zusammen mit Vorwürfen, Russland habe über Google, Twitter und Facebook in den US-Präsidentschaftswahlkampf eingegriffen.

pbe/dpa/AFP

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10. Deutsche Telekom 1996 12,49 Deutschland

* Bei Addition der Stamm- und Vorzugsaktien; ** Bei Verkaufspreis am oberen Ende der Spanne; Quelle Reuters

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