Netzwelt

Landgericht München

Dating-Betrüger zu mehrjährigen Freiheitsstrafen verurteilt

Drei Männer täuschten Nutzer von Dating-Plattformen mit falschen Profilen und brachten sie um viel Geld. Jetzt müssen sie ihren Opfern Entschädigungen zahlen - und ins Gefängnis.

Freitag, 12.10.2018   08:17 Uhr

Wegen eines millionenschweren Betrugs beim Onlinedating hat das Landgericht München mehrjährige Freiheitsstrafen gegen drei Angeklagte verhängt. Ein Deutscher wurde zu drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt, ein Nigerianer zu zwei Jahren und sechs Monaten und ein Ghanaer zu drei Jahren und zwei Monaten Jugendhaft.

Die drei Angeklagten hatten gestanden, zusammen mit weiteren Tätern zahlreiche Nutzer von Dating-Plattformen im Internet mit falschen Profilen getäuscht und um viel Geld geprellt zu haben. Insgesamt kam mehr als eine Million Euro Beute zusammen. Die Angeklagten wurden auch zu erheblichen Entschädigungszahlungen von insgesamt mehr als 270.000 Euro an die Opfer verurteilt.

Mit seinen Urteilen blieb das Gericht jeweils leicht unter den Forderungen der Staatsanwaltschaft. Die Verteidiger der drei Angeklagten hatten geringere Strafen und milde Urteile beantragt.

Betrugsmasche "Love Scamming"

Die Masche der Verurteilten heißt "Love Scamming". Vor allem ältere Internetnutzer fallen immer wieder darauf herein. Eine britische Studie der Universitäten Leicester und Westminster aus dem Jahr 2013 hat herausgefunden, dass damals schon seit 2007 insgesamt 230.000 Menschen in Großbritannien Opfer der Masche wurden. Und das war noch vor dem Online-Dating-Boom dank Apps wie Tinder.

Wie viele Frauen und Männer bayern- oder bundesweit zu Opfern dieser Betrugsmasche werden, ist unklar. Das Bundeskriminalamt (BKA) und auch das bayerische Landeskriminalamt (LKA) erheben nur Zahlen zum Online-Betrug allgemein. In Sachsen hat das LKA dagegen gezählt und kommt im vergangenen Jahr auf 181 Fälle. Nach Angaben der bayerischen Polizei dürfte die Dunkelziffer in jedem Fall sehr viel höher liegen, weil viele Opfer sich schämten.

Eine Frau zahlte mehr als eine halbe Million

60 Geschädigte haben die Ermittler allein in dem Verfahren in München ermittelt, 18 Fälle - auch aus den USA, Großbritannien, Schweden, der Schweiz und Österreich - kamen zur Anklage. Darunter ist auch der Fall eines älteren Herren aus Stuttgart, der nach eigenen Angaben um die 150.000 Euro an eine Frau aus Ghana überwies, die es nicht gab. Sie hatte ihm erzählt, sie müsse heiraten, damit ihr eine Erbschaft ausgezahlt wird - und sie brauche bis dahin Geld. Der Mann, seit fünf Jahren Witwer, wollte helfen.

Den größten Teil der Million, um die es im Prozess geht, zahlte laut Anklage eine Frau aus Starnberg, die auf einer Plattform einen vermeintlichen US-Soldaten namens Thomas Stabler kennenlernte. Sie überwies 380 900 Euro, einem angeblichen Anwalt gab sie im Hotel Bayerischer Hof in München zusätzlich noch 128.000 Euro in bar.

sen/dpa

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

TOP