Netzwelt

Das Web der Neunzigerjahre

Als wir zum ersten Mal "drin" waren

Der E-Mail-Dienst Lycos kostet ab sofort Geld. Moment mal - Lycos gibt es noch? Und was ist eigentlich aus den anderen großen Namen des Web 1.0 geworden?

Internet Archive
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Dienstag, 15.05.2018   20:35 Uhr

Das waren noch Zeiten: Dank AOL waren wir "drin", Geocities machten uns zu Netzbürgern, über Alta Vista wurden Lieder gesungen! Und Lycos war einer der populärsten E-Mail-Provider überhaupt.

Doch neue Wettbewerber, Besitzer und Geschäftsmodelle haben dafür gesorgt, dass viele der frühen Angebote im Netz heute kaum wiederzuerkennen sind. Lycos zum Beispiel nimmt jetzt Geld für seinen Dienst - und das überraschendste daran für viele dürfte sein, dass Lycos überhaupt noch existiert.

Was ist aus den anderen Angeboten geworden, die das Netz in den Neunzigerjahren geprägt und dominiert haben? Hier ein Überblick:

insgesamt 20 Beiträge
Gaztelupe 15.05.2018
1. Erinnern lohnt sich nicht
Neben der Eingangstür stand ein schlichter, kleiner Schreibtisch, darauf irgendein grauer Mac, mit Modem und immerhin Farbmonitor. Damit konnte man »surfen«. Ich war erstens einer der wenigen, die sich dafür interessierten, [...]
Neben der Eingangstür stand ein schlichter, kleiner Schreibtisch, darauf irgendein grauer Mac, mit Modem und immerhin Farbmonitor. Damit konnte man »surfen«. Ich war erstens einer der wenigen, die sich dafür interessierten, zweitens einer von zweien, die das Teil einigermaßen bedienen konnten. Die Zentrale hatte den Internet-Anschluss gefordert, um Abrechnungen und andere, womöglich brisante Dokumente aus der spanischen Hauptstadt digital nach Hamburg transferieren zu können. Mit einer obskuren Anwendung namens »Quickmail«. Hat hinten und vorne nicht funktioniert, auch nicht nach stundenlangen, teuren Ferngesprächen mit einem »Spezialisten« in Hamburg, der IT-branchenüblich nur in sich hinein nuschelte. Das konnten die schon damals nur so. Der »Netscape Navigator« führte mich allerdings schon zielsicher auf die Site meiner Begierde: Ich wollte was über »Blade Runner« erfahren. Wahrscheinlich hat da die melancholische Stimmung, die mir der eben erstandene Soundtrack in die Rübe gepflanzt hatte, ein Wörtchen mitgeredet. Danach gleich zu diversen Songtexten, die ich im Radio oder von der Platte nie verstanden hatte. Praktisch. Erst danach habe ich mal geguckt, was mein Name online so hergibt. Nicht eben viel damals, und das sollte noch gut zehn Jahre lang so bleiben. Sterbenslangweilig, solche Erinnerungen, oder? Die digitale Technologie ist eben nicht sexy. Sie war es nicht, ist es nie geworden. Die pixeligen Monitore taugen nicht zu romantischer Verklärung, die Verbindungsprobleme bleiben auch in der Rückschau so lästig, wie sie waren, und werden nicht zu heiteren Reminiszenzen warmherziger Qualität. Als dann die E-Mail so richtig in Fahrt kam, wurde das Leben merklich komplizierter und die Kommunikation schlicht doofer. Für das Eilige war die elektronische Post zu langsam und indirekt, die Geduld des Papiers, eine weithin unterschätzte Eigenschaft, vor allem dessen Autorität hat sie sich ohnehin nie aneignen können. SMS und anderer Messenger-Quatsch rotieren weiter in ihrer hektischen Abschäumigkeit. »Digital Lifestyle« ist ein Marketing-Begriff, das sollte nicht vergessen werden. Internet, Du kennst nur Zukunft. Deine Vergangenheit ist öde …
lahozdeoro 15.05.2018
2. Compuserve
Da gab's noch einen Vorläufer, Compuserve, ursprünglich rein englisch, eine Art Sammlung von Gruppen-Foren mit bestimmten Titeln (Computer, Politik, Medizin...), später auch auf Deutsch mit Foren wie Gerwin (für German [...]
Da gab's noch einen Vorläufer, Compuserve, ursprünglich rein englisch, eine Art Sammlung von Gruppen-Foren mit bestimmten Titeln (Computer, Politik, Medizin...), später auch auf Deutsch mit Foren wie Gerwin (für German Windows), Gerline (allgemeine deutschsprachige Foren). Billig war das nicht, kostete doch jede Minute sowohl Telefongebühr bei der Internet-Einwahl, als auch Compuserve-Gebühr, so ein paar D-Mark bzw. Dollar gingen da pro Stunde schon drauf. Spannend war's trotzdem. Man konnte dort sogar eine eigene Website einrichten mit einfachen Mitteln und ohne zusätzliche Kosten, Netscape hatte wohl auch einen html-Editor. Dürfte so 1992-1995 gewesen sein.
hnoi 15.05.2018
3. Erinnern lohnt sich doch ...
Sie erinnern sich ziemlich ausführlich ;) Ich denke gerne an die Zeiten von 14.400 Modems, BTX (die Telekom hatte damals als einzige die "interessanten" Fotografien ...), AOL ("Sie haben Post") und [...]
Sie erinnern sich ziemlich ausführlich ;) Ich denke gerne an die Zeiten von 14.400 Modems, BTX (die Telekom hatte damals als einzige die "interessanten" Fotografien ...), AOL ("Sie haben Post") und Gebühren von 6 DM/Stunde (okay, das weniger gerne, die erste Telefonrechnung belief sich auf über 300,- DM) zurück ... Wenn ich meinen Töchtern von diesen Zeiten erzähle, Festnetz etc. dann kommt so richtig Dinosaurier-Feeling auf ;) *aufgewachsen im Jurassic Parc*
immer billig äh umsonst 15.05.2018
4. Einwahl vor AOL
Cool war auch die Zeit vor AOL und Compuserve, als es per 14,4K Modem (eingeschliffen in das Netz der Bundespost, bevor es TAE Dosen gab) aus MS DOS in die BBS Boards im ASCII Design ging. Erste Chats mit unbekannten „Freaks“, [...]
Cool war auch die Zeit vor AOL und Compuserve, als es per 14,4K Modem (eingeschliffen in das Netz der Bundespost, bevor es TAE Dosen gab) aus MS DOS in die BBS Boards im ASCII Design ging. Erste Chats mit unbekannten „Freaks“, Freeware & Shareware, die ersten JPG Fotos, die ersten MP3, und eine Telefonrechnung zum Heulen. Bloß nur Ortsnetzeinwahl und keine Regional- oder Ferneinwahl! Haha geile Zeit... war damals 15 oder 16
distraktor 15.05.2018
5. Mosaic browser
Werde es nie vergessen wie ich bei Compuserve zum ersten mal dieses neue world wide web dings da ausprobierte. Man musste noch irgendwie mit dem Modem durchtunneln und konnte dann im Mosaic Browser ein paar Webseiten ankucken. Von [...]
Werde es nie vergessen wie ich bei Compuserve zum ersten mal dieses neue world wide web dings da ausprobierte. Man musste noch irgendwie mit dem Modem durchtunneln und konnte dann im Mosaic Browser ein paar Webseiten ankucken. Von da ab war ich online süchtig bis heute.

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