Panorama

Rechter Stammtisch

Wie dieser Münchner Wirt sein Restaurant verlor

Weil sich Rechtsextreme in der Gaststätte eines Münchner Italieners trafen, machten linke Aktivisten und Politiker gegen den Wirt mobil. Nun hat der Mann seine Existenz verloren. Wer hat Schuld?

SPIEGEL ONLINE

Gastwirt Giovanni Costa

Von , München
Sonntag, 11.02.2018   15:51 Uhr

Giovanni Costa hat sich verkrochen. Ganz hinten in der Ecke sitzt er an diesem frostigen Tag, in einem urigen Gasthaus neben der Münchner Frauenkirche. Es ist ein trauriges Bild - nicht, weil außer dem 54-Jährigen niemand an einem der Massivholztische hockt. Sondern weil der Gastwirt Costa als Gast in einer Gaststätte sitzt, die nicht seine eigene ist.

Denn die hat er verloren.

Viele Gastronomen müssen irgendwann aufgeben. Aber Costas Geschichte ist verworrener und vielschichtiger als andere: Hier geht es um Politik und Profit, um Gesinnung und Gehässigkeit. Es ist eine Geschichte über die Streitkultur in einem zerstrittenen Land.

Die Kurzversion geht so: Im Oktober 2015 treffen sich Anhänger des Münchner Pegida-Ablegers in Costas Gaststätte und gründen einen Stammtisch. Der Odeonsplatz, auf dem die Gruppe montagabends gegen eine angebliche Islamisierung wettert, liegt fünf Haltestellen von Costas "Casa Mia" im Stadtteil Sendling entfernt, direkt vor dem Lokal führt eine Treppe zum U-Bahnhof. Binnen weniger Minuten kommen die Pegidisten so vom Versammlungsort zur "Casa Mia", dort haben sie ihre Ruhe.

In Sendling hält sich die Begeisterung darüber in Grenzen. Bald schaltet sich der SPD-geführte Bezirksausschuss ein, linke Aktivisten beschmieren das Lokal an der Ecke von Impler- und Oberländerstraße, schließlich erhält Costa die Kündigung des Mietvertrags: Die "Casa Mia" gibt es nicht mehr.

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