Panorama

Spektakuläre Höhlenrettung

Thailand gedenkt des gestorbenen Tauchers

Die Welt feiert die Rettung des Fußballteams aus der Höhle in Thailand, doch bei dem riskanten Einsatz starb auch ein Taucher. Dessen Witwe trauert - und hat eine Botschaft an die Jungen.

REUTERS

Militärs mit einem Bild des gestorbenen Tauchers

Donnerstag, 12.07.2018   15:02 Uhr

Die Jungen lächeln und winken aus ihren Krankenhausbetten: Die Bilder nach der spektakulären Höhlenrettung aus Thailand haben viele Menschen berührt. Auch die Witwe des bei der Vorbereitung des spektakulären Unterfangens ums Leben gekommenen Tauchers dürfte sie gesehen haben. Mit bewegenden Worten wandte sich Waleeporn Kunan an die Öffentlichkeit - und an die Überlebenden: "Ich möchte den Jungen sagen, macht euch keine Vorwürfe."

"Jeden Tag, bevor er zur Arbeit ging, haben wir einander gesagt, dass wir uns lieben", sagte die Hinterbliebene des 38-jährigen, früheren Marinetauchers zudem dem britischen Sender BBC. Ihr Mann Samarn Kunan habe erwähnt, man wisse nie, wann man stirbt. "Er wird als Held gelobt, weil er einer war." Bevor er in die Höhle aufbrach, hatte er noch eine Videobotschaft verfasst: "Wir sehen uns heute Abend, wir holen die Kinder nach Hause."

Wichai Kunan, der Vater des Gestorbenen, sagte der BBC: "Ich bin sehr stolz, aber auch sehr traurig" - und: "Daddy hat dich lieb." Die Familie des Tauchers wird laut "Bangkok Post" vom thailändischen Staat umgerechnet 12.750 Euro als Entschädigung erhalten. Die Onlineausgabe des Blatts veröffentlichte eine ganze Bilderserie von der letzten Reise des Tauchers in einem geschmückten Sarg auf einem Militärfahrzeug.

Samarn Kunan hatte die Marinetaucher eigentlich bereits vor Jahren verlassen und zuletzt am Flughafen für Sicherheit gesorgt, dennoch wirkte er bei der Rettung mit. Er starb am Freitag, nachdem er Pressluftflaschen in die Höhle gebracht hatte. Auf dem Rückweg verlor er das Bewusstsein und konnte nicht mehr wiederbelebt werden.

Navy-Seal-Video: Rettung aus der Höhle

Foto: DPA

Einsatzleiter Narongsak Osottanakorn würdigte Kunan mit den Worten: "Samarn Kunan ist ein echter Held." Das ganze Team sei nach seinem Tod bedrückt gewesen, aber aus diesem Gefühl hätten sie den Mut für die Rettung gezogen. "Er gab sein Leben für die Sache."

Zwei Kinder und der Trainer sind staatenlos

Am Donnerstag waren noch rund 50 Helfer an der Tham-Luang-Höhle im Einsatz. Sie hätten den Abtransport der Wasserpumpen und anderer Gerätschaften vorbereitet, sagte ein Sprecher der Nationalparkverwaltung. Die Höhle selbst durften die Teams wegen abermals gestiegener Wasserpegel nicht mehr betreten.

Die Kinder und ihr Trainer vom Team "Wildschweine" befinden sich weiter auf der Quarantänestation eines Krankenhauses in der Provinzhauptstadt Chiang Rai. Sie hoffen auf baldige Entlassung. Die ersten sollen möglicherweise schon Anfang der kommenden Woche nach Hause dürfen, in der Grenzstadt Mae Sai.

SPIEGEL ONLINE

Karte der Höhle

Inzwischen haben die "Wildschweine" Einladungen aus aller Welt - vom Weltfußballverband Fifa und Weltklasseklubs wie Manchester United erhalten. Allerdings ist ungewiss, ob alle mitfliegen können: Mindestens zwei der Kicker und auch der Trainer sind keine Thailänder, sondern Staatenlose aus dem Nachbarland Myanmar ohne Reisepass. Inzwischen gibt es eine Debatte, wie das geändert werden kann.

Viele der internationalen Helfer haben nach dem Erfolg der spektakulären Aktion derweil die Heimreise angetreten. Die meisten von mehr als einem Dutzend Spezialtaucher haben Thailand inzwischen wieder verlassen. Die Spezialkräfte der thailändischen Marine wurden in ihrem Heimatstützpunkt groß gefeiert.

Die zwölf Fußballer im Alter zwischen 11 und 16 Jahren und ihr 25-jähriger Trainer waren am 23. Juni in der Höhle von rasch steigenden Wassermassen überrascht worden. Neun Tage später wurden sie gefunden, mit Lebensmitteln versorgt, medizinisch betreut und schließlich einer nach dem anderen gerettet. Erst nach 17 Tagen kamen die letzten frei. Die Armee veröffentlichte ein Video von der Rettungsaktion aus dem Inneren der überfluteten Höhle.

apr/Reuters/dpa

Mehr im Internet

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

TOP