Panorama

Höhlenrettung in Thailand

Mit der "Kraft der Liebe"

Nach der Rettung von zwölf Jungen aus einer überfluteten Höhle in Thailand ist der Jubel groß. Den Kindern geht es gut, auch die letzten Helfer sind wieder im Freien. Nur eine Nachricht stimmt traurig.

Foto: DPA
Mittwoch, 11.07.2018   08:12 Uhr

17 Tage lang harrten zwölf Jungen von Wasser eingeschlossen in der Tham-Luang-Höhle im Norden Thailands aus. Eine Extremerfahrung, die Spuren hinterlassen hat. Im Schnitt zwei Kilogramm Gewicht haben die elf bis 16 Jahre alten Fußballer während ihres Aufenthalts in der Höhle verloren. Dies bestätigte ein Beamter des Gesundheitsministeriums auf einer Pressekonferenz am Mittwoch.

Dennoch geht es den Jungen ersten Erkenntnissen zufolge gut. Insgesamt hätten drei von ihnen sowie der Trainer leichte Lungenentzündungen davongetragen, sagte Thongchai Lertwilairatanapong. Die übrigen seien in guter Verfassung. "Sie zeigen keine Zeichen von Stress."

Die zuletzt Geretteten wurden per Helikopter in eine 70 Kilometer entfernte Klinik gebracht, wo sie in Quarantäne auf ihre Teamkollegen trafen. Die Eltern der Kinder seien kurz nach Hause gefahren, um zu duschen, hieß es. Sie würden später zurückkehren, um ihren Nachwuchs im Krankenhaus zu besuchen - allerdings getrennt von einer Glasscheibe, die die Kinder vor Infektionen schützen soll.

Der Einsatzleiter Narongsak Osottanakorn bedankte sich bei den Menschen in Thailand und der ganzen Welt für ihre guten Wünsche und die Unterstützung. "Diese Mission war erfolgreich, weil wir Kraft hatten. Die Kraft der Liebe. Jeder hat sie den 13 geschickt."

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Höhlendrama in Thailand: Letzte Helfer in Sicherheit

Er bestätigte, dass auch drei Navy Seals und ein Arzt, der sich um die Kinder gekümmert hatte, inzwischen aus der Höhle gekommen, mithin alle Beteiligten in Sicherheit seien. Allerdings wurde der Jubel darüber von einer schlechten Nachricht überschattet: Der australische Arzt Richard Harris musste erfahren, dass während der Rettungsaktion sein Vater verstorben ist.

Der erfahrene Anästhesist und Höhlentaucher wird nun so schnell wie möglich in seine Heimatstadt Adelaide zurückkehren. Er hatte unter anderem mit darüber entschieden, welche Kinder die Höhle zu welchem Zeitpunkt verlassen sollten.

Der australische Regierungschef Malcolm Turnbull lobte den Mut der Rettungskräfte. "Es ist eines der heldenhaftesten und beeindruckendsten Ereignisse unserer Zeit", sagte er. Der Mediziner Harris habe eine bedeutende Rolle dabei gespielt - "das ist wirklich eine Inspiration".

Verstorbener Taucher als Held geehrt

Das Jugend-Fußballteam war am 23. Juni bei einem Ausflug in die Tropfsteinhöhle Tham Luang-Khun Nam Nang Non von Wassermassen überrascht worden. Erst nach neun Tagen, in denen es keinerlei Lebenszeichen gab, wurden die Jungen und ihr Trainer von Höhlentauchern entdeckt. Die Rettung wurde zu einem Kampf gegen Wetter und Zeit (Lesen Sie hier die Chronik der Ereignisse). In Südostasien ist gerade Monsun-Saison; das Wasser in der Höhle drohte zu steigen.

Experten hatten es kaum für möglich gehalten, das Team aus seinem Zufluchtsort in vier Kilometern Tiefe durch die größenteils überflutete Höhle sicher nach draußen zu bringen. Wie gefährlich die Rettungsmission war, machte der Tod eines erfahrenen Tauchers bei der Vorbereitung der Aktion deutlich. Ihm war die Druckluft ausgegangen. Einsatzleiter Narongsak Osottanakorn bezeichnete ihn als Helden. Thailands Premierminister Prayuth Chan-ocha sagte: "Seine Ehre, sein Opfer und sein Erbe werden immer in unseren Herzen sein."

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Karte Thailand Höhle Überflutung

Der Weg zurück ans Licht dauerte jeweils mehrere Stunden. Keiner der Fußballer hatte Erfahrung im Tauchen, weshalb sie von Profis ins Schlepptau genommen wurden. Manche Stellen in der Höhle waren extrem eng. Das Kernteam der Retter bestand aus mindestens 19 Spezialtauchern, die meisten kamen aus dem Ausland. Insgesamt waren mehr als 1000 Helfer beteiligt.

Nach der Rettung trafen aus aller Welt Glückwünsche ein. Zu den ersten Gratulanten gehörte US-Präsident Donald Trump. Er schrieb auf Twitter: "Was für ein schöner Moment - alle befreit, großartige Arbeit!" Trumps Frau Melania wünschte allen "eine schnelle Genesung". Der deutsche Regierungssprecher Steffen Seibert twitterte, es gebe vieles zu bewundern: den "Durchhaltewillen der tapferen Jungs und ihres Trainers, das Können und die Entschlossenheit der Retter". Auch von vielen Fußballvereinen und Profikickern kam Beifall.

Paul Pogba twitterte nach der Befreiung der Kinder und dem 1:0-Sieg der Franzosen über Belgien: "Dieser Sieg geht an die Helden des Tages. Gut gemacht, Jungs, ihr seid so stark!"

Im Video: "Die Leistung der Kids war unglaublich"

ala/AP/dpa

insgesamt 47 Beiträge
gerollheimer 11.07.2018
1. Großartig,
was diese selbstlosen Helfer und diese mutigen Taucher geschafft haben. Ich möchte es mir nicht vorstellen, was es bedeutet mehrmals auf eine solch gefährliche Befreiungstour geschickt zu werden und das Schicksal wiederholt [...]
was diese selbstlosen Helfer und diese mutigen Taucher geschafft haben. Ich möchte es mir nicht vorstellen, was es bedeutet mehrmals auf eine solch gefährliche Befreiungstour geschickt zu werden und das Schicksal wiederholt herauszufordern. Auch eine große Belastung für die Familien der Taucher, die mit dem Tod eines erfahrenen Kollegen konfrontiert wurden. Schrecklich finde ich die Versuche einiger, aus dieser Rettungsaktion ein Spektakel zu machen und wie Tesla großspurig "neues Gerät" werbewirksam zu schicken. Dieser Aspekt war einfach nur geschmacklos a la USA Disney Seifenoper, zumindest hatte es den Anschein. Hoffentlich kommen die Jungs und ihre Angehörigen wieder in ein normales Leben und werden von den Medien nicht "aufgefressen".
sommersonnenwende 11.07.2018
2. Warum dieses Elon Musk - Bashing?
Hieß es nicht zunächst, dass die Chancen, alle Jungens zu retten, extrem schlecht seien? Da setzt sich dann Elon Musk hin und baut mit seinen Konstrukteuren in Rekordzeit ein Mini-U-Boot, mit dem die Kinder hätten gerettet [...]
Hieß es nicht zunächst, dass die Chancen, alle Jungens zu retten, extrem schlecht seien? Da setzt sich dann Elon Musk hin und baut mit seinen Konstrukteuren in Rekordzeit ein Mini-U-Boot, mit dem die Kinder hätten gerettet werden können. Klar ist das auch PR. Mir aber egal. Er hat nicht rumgesessen, sondern etwas getan. "Schrecklich" kann ich das ganz und gar nicht finden.
Cr4y 11.07.2018
3.
Ach kommen Sie... Das Rettungsteam hat Musk's Anfrage gerne entgegen genommen, vor allem für den Fall, dass durch Regenfälle deutlich mehr Wasser in der Höhle gewesen wäre. Es wurde nicht gebraucht - super. Aber es war [...]
Zitat von gerollheimerwas diese selbstlosen Helfer und diese mutigen Taucher geschafft haben. Ich möchte es mir nicht vorstellen, was es bedeutet mehrmals auf eine solch gefährliche Befreiungstour geschickt zu werden und das Schicksal wiederholt herauszufordern. Auch eine große Belastung für die Familien der Taucher, die mit dem Tod eines erfahrenen Kollegen konfrontiert wurden. Schrecklich finde ich die Versuche einiger, aus dieser Rettungsaktion ein Spektakel zu machen und wie Tesla großspurig "neues Gerät" werbewirksam zu schicken. Dieser Aspekt war einfach nur geschmacklos a la USA Disney Seifenoper, zumindest hatte es den Anschein. Hoffentlich kommen die Jungs und ihre Angehörigen wieder in ein normales Leben und werden von den Medien nicht "aufgefressen".
Ach kommen Sie... Das Rettungsteam hat Musk's Anfrage gerne entgegen genommen, vor allem für den Fall, dass durch Regenfälle deutlich mehr Wasser in der Höhle gewesen wäre. Es wurde nicht gebraucht - super. Aber es war eine Option für einen Plan B. Und da ist es egal, ob Musk das medienwirksam zelebriert oder nicht (zumal er wirklich alles medienwirksam zelebriert). Es geht um Menschenleben und nicht um ein, in Ihren Augen, ehrbares Verhalten.
OhMyGosh 11.07.2018
4.
Eine zutiefst berührende und Mut machende Nachricht, dass es allen Verwerfungen, Grausamkeiten und Irrsinnstaten auf der Welt eben auch immer noch die selbstlose Hilfsbereitschaft von Menschen gibt. Mein Beileid gilt dem [...]
Eine zutiefst berührende und Mut machende Nachricht, dass es allen Verwerfungen, Grausamkeiten und Irrsinnstaten auf der Welt eben auch immer noch die selbstlose Hilfsbereitschaft von Menschen gibt. Mein Beileid gilt dem australischen Anästhesisten zum Verlust seines Vaters. Im Vergleich mit diesen Rettern sehen Trump, Putin, Assad, Erdogan und Co. noch widerwärtiger und erbärmlicher aus. Aber auch deren Uhr tickt. Leise, aber unaufhörlich.
mundusvultdecipi 11.07.2018
5. Endlich hat..
..dieser mediale Wansinn ein Ende!
..dieser mediale Wansinn ein Ende!

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