Panorama

Berliner Rapper

Bushido und seine Geschichte mit Arafat Abou-Chaker

Jahrelang ließ sich Bushido mit einer arabischen Großfamilie ein. Der Skandal-Rapper wagte den Bruch - und könnte einen Clankrieg auslösen.

imago/ Mauersberger

Arafat Abou-Chaker und Bushido

Von Claas Meyer-Heuer und
Freitag, 28.09.2018   13:27 Uhr

Die Preisgala eines Männermagazins, Berlin, Oktober 2010. Roter Teppich, gleißende Lichter, Gäste in Abendgarderobe. Kameraleute umtänzeln eine Hauptfigur, die lächelnd eine Trophäe zeigt: Bushido, Künstler, Skandal-Rapper, Multimillionär. Nur wenige Meter entfernt steht ein Mann, der schweigend die Szene beobachtet: Arafat Abou-Chaker.

Als Reporter von SPIEGEL TV ihn ansprechen, reagiert er aggressiv, drückt die Kamera zur Seite und zischt: "Erwähn meinen Namen nicht."

Schon bei solch kleinen Anlässen blitzte in den vergangenen Jahren die Aura der Gewalt auf, die beide Männer verbindet. Eine Aura, die jetzt sogar in einen Gangsterkrieg auf den Straßen der Hauptstadt münden könnte. Arafat Abou-Chaker ist einer der Köpfe der Abou-Chaker-Familie. Der Clan lebt seit Jahrzehnten in Berlin, mehrere Mitglieder gelten als hochkriminell. Insgesamt dominieren zwölf arabische Großfamilien die Berliner Unterwelt, eine wachsende Gefahr für die öffentliche Sicherheit.

Privat und geschäftlich schienen Bushido und Arafat Abou-Chaker jahrelang unzertrennlich. 2013 wurde die Existenz einer Generalvollmacht bekannt, die Bushido seinem Partner eingeräumt hatte. Sie erlaubte es Arafat Abou-Chaker, frei über das Vermögen des Künstlers zu verfügen. Bushido soll stets die Hälfte seiner Einnahmen an den Clan abgeführt haben.

Doch im März dieses Jahres vollzog er den Bruch. Seither hält das Ende einer Männerfreundschaft die Ermittler im Alarmmodus. Jüngster Höhepunkt ist ein Interview, das der Rapper - bürgerlich: Anis Ferchichi - mit seiner Frau Anna-Maria dem "Stern" gab. "Natürlich haben wir Angst, dass jemand aus Rache auf mich oder meinen Mann schießt", sagt Anna-Maria Ferchichi darin. "Wir rechnen eigentlich jeden Tag damit."

Wie in einer Sekte waren beide offenbar über Jahre von Arafat Abou-Chaker abhängig - bis Bushidos Frau auf den Ausstieg drängte. So schildern es die Eheleute zumindest. Von einer Beziehung auf Augenhöhe konnte offenbar keine Rede sein.

Der Clan-Pate schrieb dem Paar angeblich vor, wie es die vier gemeinsamen Kinder zu erziehen hatte. Welche Küche es kaufen sollte. Welche Auftritte Bushido zu absolvieren hatte. Die Beerdigung von Bushidos Mutter sei auf Abou-Chakers Geheiß nach islamischem Ritus erfolgt - Männer und Frauen hätten nur getrennt vor das Grab treten dürfen.

Bei einem ersten Versuch, sich von Abou-Chaker zu trennen, holte sich Bushido anscheinend eine blutige Nase. Seine Frau spricht im Interview von einem "ganz massiven Treffen" mit mehren Brüdern Abou-Chaker. Bis zu 2,5 Millionen Euro hätten sie daraufhin bieten wollen, um sich loszukaufen. Doch zu einer Offerte, geschweige denn zu einer Einigung sei es nicht gekommen.

Die beiden nutzen den Auftritt im Magazin offensichtlich auch, um zwei Botschaften an die Abou-Chakers zu verdeutlichen. Man könne Arafat und seine Brüder ins Gefängnis bringen, wenn man über kriminelle Geschäfte auspacke. Und außerdem habe man einen neuen Beschützer - Ashraf Rammo, eine führende Figur des Rammo-Clans, der mit den Abou-Chakers konkurriert.

"Auf der Straße laufen ganz andere Sachen"

"Wenn Ashraf nicht wäre", sagt Anna-Maria Ferchichi, "wäre die Gefahr für uns noch größer." Die Familie müsste dann vielleicht nach Kanada ziehen oder in die USA. "Wenn Ashraf nicht wäre, wäre uns schon längst etwas passiert." Man wolle den Streit mit Abou-Chaker über die Modalitäten der Trennung juristisch führen, sagt Bushido. "Aber auf der Straße laufen ganz andere Sachen, über die niemand mit der Polizei redet."

Jörg Raupach beobachtet die Eskalation mit Sorge. Der Chef der Berliner Staatsanwaltschaft sagte SPIEGEL TV: Wenn der Streit ums Geschäft in der Öffentlichkeit ausgetragen werde, "ist damit zu rechnen, dass das in den körperlichen Bereich geht." Man sei "eng dran", um das zu verhindern.

Bereits im Juni gab es zwei Schwerverletzte. Damals feuerten Unbekannte 15 Schüsse auf den Imbiss Papa Ari, der Arafat Abou-Chaker gehört. Wie die "Bild" berichtete, nannte Abou-Chaker der Polizei Ashraf Rammo als Verdächtigen, den neuen Bushido-Beschützer.

Kurz darauf soll die Polizei Arafat Abou-Chaker gewarnt haben, Unbekannte wollten ihn töten. Das geht offenbar aus einem Bericht des Landeskriminalamts hervor, den Abou-Chaker laut Medienberichten auf seiner Instagram-Seite veröffentlichte. Demnach vermutet Abou-Chaker, man wolle ihn einschüchtern, damit er auf seine Rechte an Bushidos Musik verzichte.

Für den Musiker Bushido ist die Debatte um seine Verbindungen in die organisierte Kriminalität womöglich willkommene PR. Just an diesem Freitag kam sein neues Album "Mythos" raus. Und bereits seit einigen Tagen ist der Song "Mephisto" öffentlich zugänglich. Das Zehn-Minuten-Stück handelt von Arafat Abou-Chaker - auch wenn der Name nicht fällt. "Er war nie ein wahrer Freund", rappt Bushido da, "nur ein rücksichtsloses Tier."

Als SPIEGEL TV versuchte, in Berlin mit Arafat Abou-Chaker zu sprechen, reagierte der ungehalten: "Was soll der Sch...?", rief er. "Hau mal ab hier", "Mach die Kamera weg endlich!" Dann schickte er noch einen seiner Schläger los.

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung

TOP