Panorama

Langer Rechtsstreit

Charles Mansons Enkel bekommt Leiche des Serienmörders

Seit dem Tod von Charles Manson im November streiten Angehörige und Freunde darüber, wer den Leichnam des Sektengründers und Serienmörders bekommen soll. Jetzt hat ein Gericht die Entscheidung getroffen.

REUTERS/ CDCR
Dienstag, 13.03.2018   18:00 Uhr

Monate lang war unklar, was mit dem Leichnam von Charles Manson geschehen wird. Angehörige und Freunde hatten darüber gestritten, wer den toten Körper des Sektengründers und Serienmörders bekommen soll. Jetzt hat ein Gericht in Kalifornien einem Enkel die Rechte an dem Corpus zugesprochen. Dieser beabsichtigt nach eigenen Angaben, die Überreste seines Großvaters bald einzuäschern.

Charles Manson starb im November 2017 im Alter von 83 Jahren in einem Krankenhaus in Bakersfield. Bis dahin hatte er eine lebenslange Haftstrafe verbüßt. Ein Gericht hatte ihn 1969 verurteilt, Mitglieder seiner Sekte, die Manson "Familie" nannte, angestachelt zu haben, die schwangere Schauspielerin Sharon Tate und acht andere Menschen umzubringen.

Seit seinem Ableben wird der Körper in einer Leichenhalle in Bakersfield kühl gelagert. Das Gericht hatte großes Interesse daran, den Fall so schnell wie möglich abzuschließen. Grund dafür sind laut Mitteilung die vielen Körper, die wegen der Opiatkrise im Bundesstaat Kalifornien in der Leichenhalle gelagert werden.

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Charles Manson: Rechtsstreit um eine Leiche

Die Frage, wer Charles Mansons Überreste bekommen soll, hatte sich in den vergangenen Monaten zu einem bizarren Rechtstreit zwischen Angehörigen und Freunden entwickelt, die allesamt Ansprüche auf den Körper geltend machten. Das große Interesse an der Leiche hat wohl sehr weltliche Gründe: Es geht auch um Rechte an Songs, die Manson geschrieben hatte, an seinem Bild und anderen Dingen, die mit dem Serienmörder in Verbindung stehen.

Mansons Enkel und Gewinner des Rechtsstreits, Jason Freeman, will die Leiche seines Großvaters einäschern lassen und die Asche dann auf offener See verstreuen. Damit wolle er "diesem sogenannten Monster, dieser historischen Figur, die in all den Jahren nicht derartig hätte kultiviert werden dürfen" zur letzten Ruhe verhelfen, sagt er.

Freeman ist der Sohn von Charles Manson Jr., dem Kind des Serienmörders und dessen erster Frau. Manson Jr. änderte seinen Namen zu Charley Jay White und nahm sich später das Leben.

Freeman setzte sich vor Gericht gegen drei weitere Männer durch, die entweder behaupten, Adoptivkinder Mansons zu sein oder dessen Nachlass zu verwalten und damit als einzige Anspruch auf den Körper des Toten zu haben. Die Anträge der anderen Kläger seien unzureichend gewesen, entschied das Gericht.

Vorwürfe, Freeman sei ein Betrüger und nicht der wahre Enkel Mansons, wies die Richterin zurück. Er sei der nächste Angehörige des Verstorbenen und wirke zudem sehr vertrauensvoll.

Video zeigt Freemans Sohn mit Manson-Puppe

Die Konfliktparteien hatten einander vorgeworfen, Geld aus dem Tod Mansons herausschlagen zu wollen, indem sie Fotos des Leichnams an Klatschzeitungen verkaufen. Um das zu verhindern, ordnete das Gericht an, Mansons Leichnam unter einem Pseudonym in der Leichenhalle unterzubringen. Nur zwei Mitarbeiter wussten von der wahren Identität des Toten.

Freeman verneinte, derartige Deals eingegangen zu sein. Ein Video im Internet zeigt allerdings seinen Sohn, der mit einer Manson-Puppe spielt. Diese trägt ein Hakenkreuz auf der Stirn, das Markenzeichen des Serienmörders. Auch Freeman selbst ist in dem Video zu sehen. Er scherzt darüber, dass er die Puppe mit Mansons Asche füllen werde.

Seine Anwältin beteuerte, das Video sei ein Scherz. Freeman werde respektvoll mit dem Leichnam umgehen und wünsche sich ein Begräbnis, das kein bisschen von der Asche Charles Mansons zurücklasse.

Das Begräbnis soll für die Öffentlichkeit zugänglich sein und von einem Kamerateam begleitet werden.

vik/AP

insgesamt 3 Beiträge
upalatus 13.03.2018
1.
Ich würd ihn auch nehmen und in den usa einen kleinen Wallfahrtort drumrumbauen. Gläserner Sarg, luftdicht. Davon könnt man zumindest normal leben. Und sonstige Vermarktungsmöglichkeiten? Schon im alten Bayern wurde dem [...]
Ich würd ihn auch nehmen und in den usa einen kleinen Wallfahrtort drumrumbauen. Gläserner Sarg, luftdicht. Davon könnt man zumindest normal leben. Und sonstige Vermarktungsmöglichkeiten? Schon im alten Bayern wurde dem Biersud gern ein Finger eines üblen toten Übeltäters zur Erhöhung von Profit hinzugegeben, warum nicht auch hier (zumindest könnte man das werbemäßig behaupten).
ich.sennahoj 13.03.2018
2. serienmörder?
so weit ich das weiß, hat manson persönlich keinen mord begangen, sondern er hat seine jüngerinnen dazu angehalten, aufgefordert, angestachelt es zu tun. das wirft, wenn man tiefer darüber nachdenkt einige fragen [...]
so weit ich das weiß, hat manson persönlich keinen mord begangen, sondern er hat seine jüngerinnen dazu angehalten, aufgefordert, angestachelt es zu tun. das wirft, wenn man tiefer darüber nachdenkt einige fragen auf.
lex1976 13.03.2018
3.
Überraschung wie sich alle Menschen doch im Grunde ähneln: Sobald es irgendwo ein paar € oder $ zu ergattern oder erzielen gibt, drehen alle durch und vergessen Anstand und Würde! Profit machen, egal womit und mit welchen [...]
Überraschung wie sich alle Menschen doch im Grunde ähneln: Sobald es irgendwo ein paar € oder $ zu ergattern oder erzielen gibt, drehen alle durch und vergessen Anstand und Würde! Profit machen, egal womit und mit welchen Methoden!

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