Panorama

Anschlag auf Essener Sikh-Tempel

Täter zu langen Jugendstrafen verurteilt

Das Landgericht Essen hat wegen des Bombenanschlags auf einen Sikh-Tempel Haftstrafen zwischen sechs und sieben Jahren gegen drei Jugendliche verhängt. Bei dem Angriff waren drei Personen verletzt worden.

DPA

Spuren des Bombenanschlags am Sikh-Tempel

Dienstag, 21.03.2017   12:56 Uhr

Im Prozess um den Anschlag auf einen Sikh-Tempel in Essen ist ein Urteil gefallen. Das Landgericht Essen hat die drei angeklagten Jugendlichen zu Haftstrafen von sieben, sechs Jahren und neun Monaten sowie sechs Jahren verurteilt. Das teilte ein Gerichtssprecher mit.

Die beiden zu mehr als sechs Jahren Haft Verurteilten wurden wegen Mordversuchs und gefährlicher Körperverletzung schuldig gesprochen. Der dritte Jugendliche war am Tatort nicht dabei; ihn verurteilte das Gericht wegen Verabredung zum Mord. Wegen der minderjährigen Angeklagten fand der gesamte Prozess unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Die Staatsanwaltschaft hatte Jugendstrafen zwischen sechseinhalb und siebeneinhalb Jahren gefordert. Sie warf den inzwischen 17-Jährigen aus Essen, Gelsenkirchen und Schermbeck versuchten Mord, gefährliche Körperverletzung, Herbeiführen einer Explosion und Sachbeschädigung vor.

Vor einer Eingangstür des Tempels war am 16. April 2016 ein mit Sprengstoff gefüllter Feuerlöscher explodiert. Die Detonation zerstörte unter anderem die Eingangstür des Gebetshauses und Fenster. In dem Gebäude erlitt ein Priester Brandverletzungen und einen offenen Bruch am Fuß, zwei Gemeindeglieder trugen Schnittverletzungen davon. Die drei Jugendlichen wählten nach Überzeugung der Ermittler die Sikh-Gemeinde als Anschlagsziel aus, weil sie mit der Behandlung von Muslimen durch Sikhs in Nordindien nicht einverstanden sind und Anhänger der Religionsgemeinschaft als Ungläubige ansehen.

Im vergangenen Juli war in einem ersten Prozess zu dem Bombenanschlag ein 20-Jähriger aus Münster zu 20 Monaten Jugendhaft auf Bewährung verurteilt worden. Das Jugendschöffengericht sprach den Angeklagten der "Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Straftat" sowie des Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz und das Waffengesetz schuldig.

Der Angeklagte gehörte nach Überzeugung des Gerichts zum Unterstützerkreis der Attentäter und war bei einer Probesprengung dabei. Dass er in die konkreten Anschlagspläne auf den Essener Tempel eingeweiht war, konnte ihm aber nicht nachgewiesen werden.

ulz/dpa/AFP

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