Panorama

Anklage wegen Sexualdelikten

Die Fakten im Fall Weinstein

Harvey Weinstein ist wegen Vergewaltigung angeklagt, New Yorker Ermittler werfen ihm mehrere Sexualdelikte vor. Wie geht es nun in dem Fall weiter? Fragen und Antworten.

REUTERS
Freitag, 25.05.2018   18:41 Uhr

Vor einem Jahr war Harvey Weinstein einer der mächtigsten Männer in Hollywood, Produzent zahlreicher Blockbuster und preisgekrönter Filme. Nun ist er ein Mann, der wegen des Verdachts mehrerer Sexualdelikte festgenommen wurde.

Weinstein hatte sich am Freitagmorgen bei einer Polizeiwache in Manhattan gemeldet. Dass er sich stellen würde, war bekannt - entsprechend groß war das Medienaufkommen. Später verließ er das Gebäude in Handschellen und mit einem gequälten Lächeln, um einem Richter vorgeführt zu werden.

Der Mann, dessen Fall die #MeToo-Bewegung auslöste, steht nun im Zentrum einer Geschichte, die er - anders als in seinen Filmen - nicht kontrollieren kann.

"Mein Dank gilt den mutigen Opfern, die sich gemeldet haben, und den Ermittlern meiner Behörde, die unermüdlich an dieser Untersuchung gearbeitet haben", sagte Staatsanwalt Cyrus Vance. Er bat mögliche weitere Opfer von Weinstein, sich zu melden.

Worum geht es? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Was werfen die New Yorker Ermittler Weinstein vor?

Es geht um mehrere Vorfälle - Weinstein werden Vergewaltigung, sexueller Missbrauch und weitere Vergehen gegen zwei Frauen vorgeworfen. Laut Staatsanwaltschaft soll er seine Position, Geld und Macht benutzt haben, um junge Frauen in Situationen zu locken, in denen er sie sexuell missbrauchen konnte. Weinstein bestreitet die Vorwürfe.

Die Taten sind nicht verjährt: 2006 wurden Verjährungsfristen für Vergewaltigung und andere Sexualdelikte im US-Bundesstaat New York aufgehoben, allerdings nur für Taten, die sich nach dem Jahr 2001 ereigneten.

Wie sind die Reaktionen auf Festnahme und Anklage?

Dass Weinstein nun juristische Konsequenzen für seine mutmaßlichen Handlungen drohen, nahmen viele der Frauen, die ihm Übergriffe vorwerfen, mit Genugtuung zur Kenntnis. "Ich hätte nicht gedacht, dass dieser Tag kommen würde", sagte etwa Schauspielerin Rose McGowan. "Das ist ein großer Schlag ins Herz des Machtmissbrauchs." Weinstein in Handschellen zu sehen, sei surreal gewesen. Wir haben dich, Harvey", twitterte McGowan.

Weinsteins Anwalt Benjamin Brafman sagte, er sei überzeugt, dass Weinstein von den Vorwürfen freigesprochen werde. Sein Mandant bestreite sie vehement, Weinstein werde sich nicht schuldig bekennen. Er glaube nicht, dass eine Jury den Anschuldigungen Glauben schenken werde, sagte Brafman - "wenn mögliche Juroren nicht von der Bewegung ergriffen werden, die diesen Fall erfasst zu haben scheint" - eine Anspielung auf #MeToo.

Wie geht es nun für Weinstein weiter?

Weinstein kommt auf Kaution frei. Er stimmte zu, eine Million Dollar zu hinterlegen und ein elektronisches Überwachungsgerät zu tragen. Zudem verpflichtete er sich, die US-Bundesstaaten New York und Connecticut nicht zu verlassen. Seinen Reisepass gab er ab. Die nächste Gerichtsanhörung wurde für den 30. Juli angesetzt.

Gibt es weitere Ermittlungen?

Im November teilte die New Yorker Polizei mit, man gehe Vorwürfen nach, Weinstein habe 2010 die "Boardwalk Empire"-Schauspielerin Paz de la Huerta zweimal vergewaltigt. Der Fall ist noch offen und nicht Teil der Vorwürfe, deretwegen Weinstein nun festgenommen wurde. Auch in Kalifornien und London werden weitere Vorwürfe gegen Weinstein überprüft. In London geht es um einen mutmaßlichen Vorfall, in Kalifornien um drei. Manche der vorgeworfenen Taten sollen sich in den Achtzigerjahren zugetragen haben.

Wie umfangreich sind die Vorwürfe gegen Weinstein?

Dutzende Frauen werfen Weinstein sexuelle Übergriffe bis hin zur Vergewaltigung vor.

Fotostrecke

Sexuelle Belästigung und Vergewaltigung: Die Vorwürfe gegen Harvey Weinstein

Darunter sind Angelina Jolie, Ashley Judd, Uma Thurman, Salma Hayek, Gwyneth Paltrow, Kate Beckinsale, Cara Delevingne, Lupita Nyong'o, Lena Headey, Minka Kelly und Eva Green. Viele der Vorwürfe sind verjährt - auch deshalb ist das Verfahren in New York bedeutsam.

ulz/AP/Reuters/dpa

Mehr im Internet

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

TOP