Panorama

NSU-Prozess

André E. zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt

Der im NSU-Prozess Mitangeklagte André E. ist zu zwei Jahren und sechs Monaten Freiheitsstrafe verurteilt worden - und darf das Gefängnis erst mal verlassen. Die Anklage hatte zwölf Jahre gefordert.

DPA

André E.

Mittwoch, 11.07.2018   10:25 Uhr

Im NSU-Prozess schwieg André E. bis zum Schluss beharrlich - als einziger Angeklagter verzichtete er auch auf ein Schlusswort. Das Münchner Oberlandesgericht (OLG) hat den gelernten Maurer nun zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung verurteilt. Die Anklage hatte auch eine Verurteilung des 38-Jährigen wegen Beihilfe zu der Mordserie gefordert, dem folgte der Senat aber nicht.

André E. war die meiste Zeit des Prozesses ein freier Mann. Doch nach dem Plädoyer der Bundesanwaltschaft, die zwölf Jahre Haft beantragt hatte, kam er im September 2017 überraschend in Untersuchungshaft - wegen Fluchtgefahr. Am Ende der Urteilsbegründung hob das OLG den Haftbefehl auf. Eine Gruppe anwesender Rechtsextremer reagierte mit Applaus und Jubel auf die Entscheidung des Gerichts.

E. war nach Ansicht der Ermittler einer der engsten Vertrauten der untergetauchten Neonazis Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe. Er soll unter anderem das Wohnmobil gemietet haben, mit dem Mundlos und Böhnhardt zum Anschlag auf ein Lebensmittelgeschäft 2000 nach Köln fuhren. Auch bei der Anmietung einer Wohnung für die Terrorzelle soll E. geholfen haben. 2006 gab er sich zudem als Ehemann Zschäpes aus.

Gemeinsam mit seiner Partnerin Susann E. hielt er in den fast 14 Jahren, in denen Zschäpe, Böhnhardt und Mundlos in Verstecken lebten, Kontakt zu dem untergetauchten Trio. Zschäpe sagte vor Gericht, das Paar habe über die Banküberfälle Bescheid gewusst, die Böhnhardt und Mundlos verübten. Von den Morden und Sprengstoffanschlägen habe Ehepaar E. hingegen nichts gewusst.

Nach dem Suizid von Böhnhardt und Mundlos zündete Zschäpe die gemeinsame Wohnungen in Zwickau an. Anschließend traf sie sich eigenen Angaben zufolge mit André E., der ihr frische Kleidung seiner Frau gegeben habe. Daraufhin habe er sie zum Bahnhof gebracht. Nach einer mehrtätigen Irrfahrt mit dem Zug stellte sich Zschäpe der Polizei.

Im Wohnzimmer von André E. stießen Ermittler auf eine Art Altar für die toten Böhnhardt und Mundlos. In ihrem Plädoyer im NSU-Prozess bestätigten die Verteidiger dessen nationalsozialistische Einstellung. Diese trägt E. auch auf der Haut:

Der NSU und André E.

apr/dpa

NSU-Chronik

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