Panorama

Mitangeklagter im NSU-Prozess

Anwalt fordert Freispruch für Carsten S.

Carsten S. soll nach dem Willen seiner Verteidiger im NSU-Prozess straffrei ausgehen: Anwalt Jacob Hösl hat einen Freispruch gefordert. Er sieht in S. den "willfährigen Adlatus" eines anderen Angeklagten.

DPA

Carsten S. (mit Kapuze) mit seinen Anwälten Johannes Pausch (l.) und Jacob Hösl (r.)

Mittwoch, 02.05.2018   16:14 Uhr

Carsten S. wusste nach Angaben seiner Anwälte nichts von den geplanten Morden und Anschlägen des "Nationalsozialistischen Untergrunds". Deshalb hat die Verteidigung gefordert, den Mitangeklagten im NSU-Prozess freizusprechen. "Er hatte so etwas nicht für möglich gehalten", sagte Anwalt Jacob Hösl vor dem Münchner Oberlandesgericht. "Deshalb kann ihm heute kein strafrechtlicher Vorwurf mehr gemacht werden."

Sein zweiter Anwalt, Johannes Pausch, sagte, S. werde sein Leben lang mit dem Geschehenen belastet sein - ein möglicher Freispruch würde ihm dies nicht nehmen.

Die Bundesanwaltschaft hatte S. wegen Beihilfe zum Mord angeklagt, weil er die wichtigste Mordwaffe des NSU, eine "Ceska"-Pistole, zu Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt nach Chemnitz gebracht haben soll. Mit der immer gleichen Waffe ermordeten die beiden neun Gewerbetreibende mit türkischen oder griechischen Wurzeln.

Die Anklage hatte drei Jahre Jugendstrafe für S. beantragt, der zur Tatzeit noch nicht 21 Jahre alt war. Hösl betonte, S. sei damals nur der "willfährige Adlatus" des Mitangeklagten Ralf Wohlleben gewesen, der bei der Waffenbeschaffung die zentrale Rolle gespielt habe. Mundlos und Böhnhardt habe S. nur rudimentär gekannt, sagte Pausch.

S. hat die Übergabe der Waffe umfassend gestanden. Er hatte sich auch mit der Witwe des NSU-Opfers Theodoros Boulgarides getroffen. Im Prozess beschrieb Yvonne Boulgarides S. als Menschen, der zutiefst bereue. Das unterscheide ihn von den anderen Angeklagten. Er gilt als gefährdet und befindet sich in einem Zeugenschutzprogramm.

S. ist der zweite der insgesamt fünf Angeklagten, dessen Verteidiger plädieren. Den Auftakt hatten die beiden Wunschverteidiger der Hauptangeklagten Beate Zschäpe in der vergangenen Woche gemacht.

Zschäpe lebte fast 14 Jahre gemeinsam mit Mundlos und Böhnhardt im Untergrund. Die Bundesanwaltschaft fordert für sie lebenslange Haft, ihre Wunschverteidiger dagegen eine Gefängnisstrafe von maximal zehn Jahren. Zschäpes drei Pflichtverteidiger haben noch nicht plädiert.

ulz/dpa

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