Panorama

NSU-Prozess

Pflichtverteidiger fordern sofortige Freilassung Beate Zschäpes

Die drei ursprünglichen Pflichtverteidiger von Beate Zschäpe fordern die sofortige Freilassung der mutmaßlichen Rechtsterroristin. Sie sei lediglich wegen einfacher Brandstiftung zu verurteilen.

DPA

Beate Zschäpe

Dienstag, 05.06.2018   11:51 Uhr

Die ursprünglichen drei Verteidiger der NSU-Hauptangeklagten Beate Zschäpe haben eine sofortige Freilassung ihrer Mandantin gefordert. Zu Beginn seines Plädoyers sagte Rechtsanwalt Wolfgang Heer vor dem Oberlandesgericht München, Zschäpe sei "keine Terroristin, keine Mörderin und keine Attentäterin".

Sie sei "wegen aller angeklagter Staatsschutzdelikte freizusprechen und unverzüglich freizulassen" und könne lediglich wegen einfacher Brandstiftung verurteilt werden.

Zschäpe bildete laut Anklage mit Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos den "Nationalsozialistischen Untergrund" (NSU). Sie steht als Mittäterin an zehn Morden, zwei Bombenanschlägen und 15 Raubüberfällen, die dem NSU zur Last gelegt werden, vor Gericht. Außerdem ist sie wegen Brandstiftung im letzten Versteck des Trios, einer Wohnung in Zwickau, angeklagt.

Fotostrecke

Anwälte, Ankläger, Gutachter: Die wichtigsten Personen im NSU-Prozess

Zschäpe habe keine Morde geplant, sie habe keine Waffen beschafft, an den Taten insgesamt nicht mitgewirkt und die Verbrechen ihrer Freunde Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt "auch nicht vom Küchentisch gesteuert", sagte Verteidiger Heer.

Zu verurteilen sei sie lediglich wegen der Brandlegung der letzten Fluchtwohnung in Zwickau, und zwar wegen einfacher Brandstiftung. "Dies ist alles, was von der Anklage des Generalbundesanwalts übrig bleibt", sagte Heer.

"Tadellos verhalten"

Da dafür maximal zehn Jahre Haft drohten und Zschäpe sich in sechs Jahren und sieben Monaten Untersuchungshaft tadellos verhalten habe, müsse ihr Haftbefehl umgehend aufgehoben und sie freigelassen werden.

Die Bundesanwaltschaft hatte für Zschäpe lebenslange Haft und anschließende Sicherungsverwahrung gefordert. Nach Überzeugung der Anklage war Zschäpe eines von drei gleichberechtigten Mitgliedern der Terrorzelle NSU und sollte deshalb als Mittäterin an sämtlichen Verbrechen der Gruppe bestraft werden.

Heer bildet zusammen mit den Rechtsanwälten Wolfgang Stahl und Anja Sturm das Trio aus Pflichtverteidigern, das Zschäpe seit Beginn des Prozesses im Mai 2013 verteidigt. Allerdings überwarf sich Zschäpe im Lauf des Verfahrens mit den dreien und wird nun auch noch Mathias Grasel und Hermann Borchert vertreten. Diese forderten maximal zehn Jahre Haft, auch sie sehen im Wesentlichen nur die Brandstiftung als erwiesen an.

Video: Braune Zelle - Zschäpe, Böhnhardt und Mundlos

wit/jpz/dpa/AFP

NSU-Chronik

Verwandte Themen

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

TOP