Panorama

Urteil im NSU-Prozess

Drei Jahre Jugendstrafe für Carsten S.

Er brachte Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt die Mordwaffe und sagte im NSU-Prozess umfassend aus. Nun ist Carsten S. schuldig gesprochen worden.

DPA

Carsten S. 2016

Mittwoch, 11.07.2018   10:32 Uhr

Das Oberlandesgericht München hat Carsten S. im NSU-Prozess zu einer Jugendstrafe von drei Jahren verurteilt. S. hatte vor Gericht umfassend ausgesagt und gestanden, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt im Jahr 2000 eine "Ceska"-Pistole übergeben zu haben. Sie wurde zur wichtigsten Mordwaffe des NSU, mit der Pistole wurden neun Männer erschossen.

Die Jugendstrafe ist möglich, da S. zum Zeitpunkt der "Ceska"-Übergabe noch nicht 21 und laut einem Psychiater in seiner Entwicklung verzögert war.

Verteidiger Jacob Hösl hatte seinen Mandanten lediglich als "willfährigen Adlatus" dargestellt. S. sei 2011 von den Berichten über die Taten des NSU überrascht geworden, er habe nichts von den Anschlägen und Morden des "Nationalsozialistischen Untergrunds" gewusst. Die Verteidigung hatte daher Freispruch gefordert.

Carsten S. verließ nach eigenen Angaben bereits vor Jahren die rechte Szene, er arbeitete als Sozialarbeiter für die Aidshilfe. Derzeit lebt er in einem Zeugenschutzprogramm. Vor Gericht zeigte er sich mehrfach erschüttert - unter anderem, als im Januar der Sohn des erschossenen Abdulkerim Simsek vom Leid der Familie erzählte.

Die Witwe des NSU-Opfers Theodoros Boulgarides sagte im Februar vor Gericht, sie habe sich persönlich mit S. getroffen. Ihr Eindruck: Er verfüge über Unrechtsbewusstsein und bereue zutiefst. Bei den anderen Angeklagten habe sie keine Anzeichen dafür erkannt.

apr/dpa

NSU-Chronik

Verwandte Themen

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

TOP