Panorama

Nach NSU-Urteil

Tausende Demonstranten fordern weitere Aufklärung

Sie riefen: "Kein Schlussstrich!" und "Der NSU war nicht zu dritt". In mehreren deutschen Städten haben Tausende Demonstranten nach den NSU-Urteilen protestiert - sie fordern eine weitergehende Aufarbeitung.

DPA

Demonstration nach NSU-Urteilen in Berlin

Mittwoch, 11.07.2018   21:22 Uhr

Nach dem Urteil im NSU-Prozess haben Tausende Menschen in mehreren deutschen Städten eine weitergehende Aufarbeitung der rechtsextremistischen Terrorserie verlangt. Die Demonstrationen standen unter dem Motto "Kein Schlussstrich" und wurden von linken Gruppen angemeldet.

In Berlin kamen über 1000 Menschen zu einer Demonstration, die Teilnehmer riefen etwa "Der NSU war nicht zu dritt". Auch in München, dem Ort des über fünf Jahre dauernden Mammutprozesses, versammelten sich am Abend etwa 1000 Menschen.

In Hamburg, wo der NSU 2001 den Gemüsehändler Süleyman Tasköprü ermordet hatte, forderten rund 800 Menschen weitere Aufklärung. "Es darf auf keinen Fall ein Schließen der Aktendeckel und ein Ende der Aufmerksamkeit geben", sagte Robin Steinbrügge von der Hamburger Initiative für die Aufklärung des Mordes.

In Kiel warnten rund 600 Menschen auf einer Kundgebung vor einem Schlussstrich bei der Aufklärung der NSU-Morde, in Bremen versammelten sich rund 300 Menschen. In Frankfurt waren es rund 700 Teilnehmer einer Demonstration. In Rostock, wo 2004 der Imbiss-Verkäufer Mehmet Turgut erschossen worden war, kamen nach Veranstalterangaben rund 300 Menschen zu einer Spontandemonstration.

Die Hauptangeklagte Beate Zschäpe war am Mittwoch wegen zehnfachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Zudem wurde die besondere Schwere der Schuld festgestellt. Die Mitangeklagten erhielten mehrjährige Haftstrafen von bis zu zehn Jahren:

Foto: SPIEGEL ONLINE

Der NSU war 2011 aufgeflogen. Zschäpe hatte mit ihren Freunden Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt im Untergrund gelebt. Diese ermordeten neun Gewerbetreibende türkischer und griechischer Herkunft sowie eine Polizistin. Zudem begingen sie Sprengstoffanschläge und Raubüberfälle.

oka/dpa

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