Panorama

Fall Susanna

Hessens Innenminister bestreitet Versäumnisse bei Ermittlungen

Im Fall Susanna haben die Ermittler keine Fehler gemacht - so heißt es zumindest aus dem hessischen Innenministerium und von der Generalstaatsanwaltschaft. Nicht jeder teilt diese Auffassung.

DPA

Peter Beuth, Innenminister Hessen und Eva Kühne-Hörmann, Justizministerin Hessen

Donnerstag, 14.06.2018   17:36 Uhr

Die hessischen Ermittlungsbehörden haben sich im Mordfall Susanna F. nach Einschätzung von Landesinnenminister Peter Beuth (CDU) und Generalstaatsanwalt Helmut Fünfsinn keine Versäumnisse vorzuwerfen. Die Polizei in Hessen sei bereits kurz nach der Vermissentenmeldung in die Ermittlungen der Mainzer Kollegen eingebunden gewesen, sagte Beuth in einer Sondersitzung von Innen- und Rechtsausschuss im Landtag in Wiesbaden.

Konkret sei es um die Ortung des Handys der 14-jährigen Schülerin aus Mainz sowie die Befragung von Zeugen gegangen, sagte Landespolizeipräsident Udo Münch. Die Mutter des getöteten Mädchens hatte die Arbeit der Polizei schwer kritisiert und ihr Tatenlosigkeit vorgeworfen. Die Ermittler hätten fünf Tage nichts getan, nur dank ihrer Rechtsanwältin sei Susannas Handy geortet und eine öffentliche Fahndung eingeleitet worden, schrieb die Frau auf Facebook.

Susanna war Ende Mai in Wiesbaden vergewaltigt und umgebracht worden. Tatverdächtig ist der Iraker Ali B., der in einer Wiesbadener Flüchtlingsunterkunft lebte und nun in Frankfurt in Untersuchungshaft sitzt. Er hat die Tötung der 14-Jährigen bei einer Vernehmung gestanden, bestreitet jedoch die Vergewaltigung. Offiziell war die Federführung bei den Ermittlungen erst von Mainz nach Wiesbaden gewechselt, nachdem es einige Tage nach dem Verschwinden Hinweise auf den Leichenfund in Hessen gab.

Hessens Landespolizeipräsident Münch und Generalstaatsanwalt Fünfsinn erklärten, dass es trotz mehrerer Verdachtsfälle für Straftaten keine hinreichenden Anhaltspunkte für die Unterbringung von Ali B. in Untersuchungshaft gegeben habe. Nach Vorwürfen des schweren Raubs sei kurz vor dem Verschwinden Susannas eine Durchsuchungsaktion in der Flüchtlingsunterkunft geplant gewesen, sagte Münch. Diese sollte jedoch erst im Juni vollzogen werden. Ein Zusammenhang bei der Ansetzung der Durchsuchung und der Täterschaft von Ali B. sei zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar gewesen.

Dramatischer Personalmangel

Die innenpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Nancy Faeser, sagte der Fall zeige, dass Polizei und Justiz unter einem dramatischen Personalmangel litten, der die Arbeit der Behörden beeinträchtige.

Die Grünen warnten davor, den Fall zu instrumentalisieren. Das schade der Arbeit und dem Ansehen der Sicherheitsbehörden, sagte Jürgen Frömmrich, innenpolitischer Sprecher der Fraktion. Die Linke im hessischen Landtag warnte ebenfalls davor, den Mord an Susanna für rechte Hetze oder Stimmungsmache gegen Flüchtlinge im Allgemeinen zu instrumentalisieren.

Auch das rheinland-pfälzische Innenministerium sieht keine Versäumnisse der Mainzer Polizei. Es bestünden keine Zweifel an einer sachgerechten Bearbeitung des Falles, sagte der Leiter der Abteilung Polizei im Landesinnenministerium, Joachim Laux, im Rechtsausschuss des Landtages in Mainz. Der Präsident des Polizeipräsidiums Mainz, Reiner Hamm, sagte, man sei selbstverständlich in permanentem Austausch mit Susannas Mutter gewesen.

bbr/dpa/AFP

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