Panorama

Mutmaßliche Anschlagspläne

Terrorverdächtige bestellten Bomben-Bestandteile über Amazon

Mehrere Islamisten haben sich nach SPIEGEL-Informationen über Amazon mit Material zum Bombenbau versorgt - auch der Terrorverdächtige von Schwerin. Der Versandhandel soll passende Bauteile vorgeschlagen haben.

DPA

Ermittler in Schweriner Wohnung

Von , und
Samstag, 04.11.2017   07:59 Uhr

Der Syrer Yamen A., der einen islamistischen Anschlag in Deutschland geplant haben soll, hat nach Informationen des SPIEGEL Zutaten zum Bombenbau über den Online-Versandhandel Amazon bestellt. Der 19-Jährige soll seit Sommer dort Chemikalien geordert haben, die für die Herstellung des Sprengstoffs TATP geeignet sind. Dieser wird unter Dschihadisten auch "Mutter des Teufels" genannt.

Titelbild

Mehr dazu im SPIEGEL

Heft 45/2017
Washington, ein Jahr danach
 

Bereits mehrfach haben sich in den vergangenen beiden Jahren Islamisten mithilfe der Internetplattform Zutaten für den Bombenbau beschafft. So hatten die jungen Männer, die im April 2016 einen Sprengsatz an einem Sikh-Tempel in Essen zündeten und dabei einen Priester schwer verletzten, über Amazon kiloweise Chemikalien und Zünder geordert. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

Auch der Islamist Jaber Albakr, der mutmaßlich einen Anschlag auf den Berliner Flughafen Tegel plante und sich im Oktober 2016 in einem Gefängnis in Leipzig erhängte, hatte nach Erkenntnissen der Ermittler die Bestandteile für einen TATP-Sprengsatz größtenteils über die Plattform erworben.

Chemikalien und Utensilien zum Bombenbau vorgeschlagen

Die deutschen Sicherheitsbehörden sind über diese Entwicklung alarmiert. Erschrocken sind Beamte auch deshalb, weil die Amazon-Algorithmen potenziellen Attentätern offenbar automatisch gefährliche Zutaten vorschlagen, nach dem Motto: "Kunden, die diesen Artikel gekauft haben, kauften auch..."

Die Ermittler probierten es nach der Festnahme von Albakr testweise selbst aus und legten Wasserstoffperoxid in den virtuellen Warenkorb - sie bekamen prompt weitere Chemikalien und Utensilien vorgeschlagen, die zum Bombenbau benutzt werden können. Zudem könnten Händler, die über die Internetplattform Geschäfte abwickeln, möglicherweise Beschränkungen zum Verkauf bestimmter Chemikalien unterlaufen, befürchteten die Ermittler.

Amazon teilte auf Anfrage mit, dass das Unternehmen wie bisher mit der Polizei zusammenarbeite, um sie bei ihren Ermittlungen zu unterstützen. Zudem würden "im Rahmen der jüngsten Ereignisse" Änderungen an der Internetseite vorgenommen, "um sicherzustellen, dass Produkte in geeigneter Weise präsentiert werden". Verbotene Waren würden von Amazon nicht verkauft.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL-Magazin - am Kiosk erhältlich ab Samstagmorgen und immer freitags bei SPIEGEL+ sowie in der digitalen Heft-Ausgabe.

Was im neuen SPIEGEL steht, erfahren Sie immer samstags in unserem kostenlosen Newsletter DIE LAGE, der sechsmal in der Woche erscheint - kompakt, analytisch, meinungsstark, geschrieben von der Chefredaktion oder den Leitern unseres Hauptstadtbüros in Berlin.

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

TOP