Panorama

Brangelina-Trennung

Weiter atmen!

Angelina Jolie und Brad Pitt lassen sich scheiden. Bevor wir aus Verzweiflung darüber drastische Dinge tun: Trösten wir uns!

AP

Angelina Jolie, Brad Pitt

Von
Mittwoch, 21.09.2016   09:19 Uhr

Das also auch noch!

2016 ist bislang ein monströser Underperformer, wenn Sie mich fragen. Dieses Jahr nimmt uns in einem fort Menschen und Dinge, die uns wichtig waren, die wir geliebt haben. David Bowie tot, Prince tot, und die Ehe von Angelina Jolie und Brad Pitt ist jetzt auch im Eimer.

Nun könnte man fragen, und das ist nicht trivial: Wollen wir an die Probleme von zwei Hollywood-Schauspielern auch nur einen Gedanken verschwenden, in einer Zeit, in der ein ausgeruhter Gedanke ganz offenbar zur knappen Ressource geworden ist, mit der man sparsam haushalten sollte?

Fotostrecke

Scheidung von Pitt und Jolie: Breaking Brad

Ist es nicht völlig schnuppe, ob dieses Paar seine Beziehungskiste geregelt bekommt oder eben nicht, wenn in Syrien gerade wieder die zarte Hoffnung auf Frieden zerbombt wird, wenn im Mittelmeer Flüchtlinge ertrinken und in Amerika ein Wahlkampf tobt (und er tobt wirklich!), in dem Dummheit, Hass und dreiste Lüge zur täglichen Währung werden, mit der nicht völlig unrealistischen Aussicht auf mindestens vier Jahre, in denen das immer so weiter geht?

Ja, das Ende von Brangelina könnte oder müsste einem wurscht sein (ich weiß nicht, wie das bei Ihnen ist, aber ich kenne die beiden nicht mal persönlich). Doch natürlich reden wir trotzdem drüber, Twitter hat seinen Aufschrei. Andererseits, und die Schlagkraft des folgenden Arguments ist erheblich: Warum nicht?

Gönnen wir uns ein paar Minuten totaler Fokussierung aufs Banale, macht therapeutisch sicher Sinn.

Ich fasse kurz zusammen: Zunächst war Pitt, wahrscheinlich der schönste Mann Amerikas, mit der allseits beliebten Jennifer Aniston zusammen, worum ihn eh schon die halbe Welt beneidete. Dann ließ der Schuft sie sitzen für das Superweib Jolie, wahrscheinlich die schönste Frau Amerikas, was zur Spontansolidarisierung vieler mit der Verlassenen führte (#TeamJen).

Fortan zeugten und adoptierten sich "Brad" und "Angelina" (in den Klatschmagazinen, die Sie und ich heimlich lesen, wird grundsätzlich nur mit Vornamen operiert) nicht nur ihren eigenen allerliebsten Kindergarten zusammen, die wahrscheinlich schönsten Sprösslinge Amerikas. Nein, sie lebten uns zudem ortsungebundene Happiness vor, engagierten sich politisch und schienen immer auf dem Sprung, um noch kurz die Welt zu retten.

Fotostrecke

Brad Pitt und Angelina Jolie: Ende einer Hollywood-Ehe

Auch hartgesottenste Aniston-Fans mussten schließlich ihren Frieden machen mit dem neuen Glück, denn waren Brangelina nicht einfach perfekt, und manifestierte sich in dieser lässigen Perfektion, in so viel potenzierter Schönheit nicht ein göttlicher Funke? Selbst als sehr irdischer schlimmer Scheiß über sie hereinbrach - Jolie ließ sich wegen Krebsgefahr vorsorglich die Brüste amputieren - meisterte dieses Superpaar das mit Würde, vorbildhaft, liebevoll.

Alles aus, zerbrochen, kaputt. Alles wie immer: Die Liebe ist tot, und Gott schaut besser nicht hin.

Trösten wir uns mit folgendem Gedanken: Tatsächlich hat uns das Glück der Brangelinas das Leben ja auch nicht leichter gemacht. Hat es Sie von der Steuererklärung befreit, vorm Zahnarztbesuch gerettet oder Ihre Miete bezahlt? Eben.

Da wird es uns auch nicht umhauen, wenn sie auseinandergehen. Und dass alles nur eitel Sonnenschein gewesen wäre bei "Angelina" und "Brad", das haben wir ohnehin nie geglaubt, man ist ja nicht blöd.

Freuen wir uns also künftig über andere Dinge, suchen wir uns neue Illusionen, die uns betören. Werden sich schon welche finden lassen.

Nur in punkto Schönheit müssen wir wahrscheinlich ein paar Abstriche machen.

Video: Auftritte eines Traumpaars

Foto: Getty Images

Mehr im Internet

Verwandte Themen

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

TOP