Panorama

Hochzeit von Prinzessin Eugenie

Guck mir mal den Rücken runter

Ein Platz weit hinten in der Thronfolge macht unbekümmert - zumindest für Windsor-Verhältnisse. Die Hochzeit von Prinzessin Eugenie war dann auch voller privater Momente, inklusive eines starken Statements der Braut.

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Freitag, 12.10.2018   17:40 Uhr

Robbie Williams schaute ungerührt zu, als der Wind seiner Schwiegermutter das vornehme Kompotthütchen vom Kopf zerrte und ein paar Meter durch den Rinnstein trieb.

Model Cara Delevingne kam verkleidet als sexy Ersatzbräutigam in Frack und Zylinder. Und Prinz William und Herzogin Kate hielten vor dem Beginn der Zeremonie in der Kirche sogar Händchen - ein seltenes, fast schon über-erotisches Ereignis öffentlicher Liebesbegrabbelung bei den sonst so korrekten Cambridges.

Die Zeichen waren klar: Auch wenn hier mit Prinzessin Eugenie gleich eine Enkelin der Queen heiratete und sämtlicher britischer Hochadel anwesend war, würde diese Veranstaltung doch eher locker ablaufen - so locker eine royale Eheschließung nun mal über die Bühne zu bringen ist.

Denn gewisse Parallelen gab es doch zur deutlich gewichtigeren Hochzeit von Prinz Harry und Meghan Markle im Mai: Dieselbe Kirche (die St George's Chapel in Windsor), derselbe Priester (der Dean of Windsor), dieselben Kutschpferde (Plymouth, Milford Haven, Tyrone und Storm). Und auch Prinzessin Eugenie nutzte ihren Gang zum Altar, den Moment, in dem sie alle Augen auf sich gewiss hatte, für ein starkes, wichtiges Statement, wie Meghan Markle es getan hatte, als sie sich vor ein paar Monaten für einen lange unbegleiteten Gang, selbstbewusst und selbstgewiss, entschied.

Video: Prinzessin Eugenie heiratet Jack Brooksbank

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Eugenie wurde von ihrem Vater Andrew geführt, sie ließ dafür ihr Kleid sprechen: Sie hatte einen tiefen Rückenausschnitt gewählt, weil sie ihre Narbe zeigen wollte, den zarten, hellen Strich, der ihre Wirbelsäule entlang verläuft, seit sie zwölf Jahre alt ist und sich einer aufwendigen Operation unterziehen musste. Mit dieser Geste wolle sie anderen Kindern und Jugendlichen Mut machen, die an Skoliose leiden und sich ebenfalls einer Wirbelsäulenoperation unterziehen müssen: "Du darfst den Menschen deine Narbe zeigen", sagte sie in einem Interview kurz vor der Hochzeit.

Prinz Andrew, der Brautvater, hatte am Vortag noch in einem Interview erklärt, alles würde dieses Mal "eher familiär" ablaufen, anders als die "öffentliche" Hochzeit von Harry und Meghan - allerdings mit deutlich mehr Gästen, weil seine Tochter und ihr Zukünftiger eben sehr viele Freunde hätten. Und vermutlich sehr viel freier darin waren als der royalitätsmäßig deutlich ranglistenhöhere Cousin Harry, wen man zu Zeremonie und Feier einladen durfte und wen aus diplomatischen Gründen lieber nicht (weil sich sonst andere, ungeladene Verwandte und Freunde echauffieren könnten).

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So war die Gästeliste bei Prinzessin Eugenie und Schnapsunternehmer Jack Brooksbank tatsächlich noch illustrer als bei der großen Hochzeit im Mai: Zwar blieben die eigentlich erwarteten George und Amal Clooney fern (obwohl Brooksbank Marken-Botschafter von Clooneys Tequila ist), Ed Sheeran und Elton John mussten tourneebedingt absagen. Dafür kamen, unter anderem, die Supermodels Kate Moss und Naomi Campbell, Schauspielerin Demi Moore und Sänger Ricky Martin, Künstlerin Tracey Emin und Schriftsteller Stephen Fry, auch Ellie Goulding und James Blunt, die bei Harry und Meghan ebenfalls zu Gast waren. Andrea Bocelli sang während der Zeremonie das "Ave Maria" (was erst leicht komisch wirkte, als im Werbeblock nach der TV-Übertragung sein neues Album beworben wurde).

Es hat eben deutliche Vorzüge, wenn man nur an neunter, nur noch rein hypothetischer Stelle in der Thronfolge steht und im Bewusstsein vieler nur mäßig royal interessierter Menschen nicht wirklich vorkommt. Und wenn die eigene Hochzeit nur "die andere" ist, die dieses Jahr eben auch noch stattfindet, nach dem großglobalen Spektakel im Frühjahr.

Selbst die Kommentatoren des britischen Fernsehsenders ITV, der die Trauung in einer extralangen Version seines Morgenmagazins übertrug, rätselten kurz vor der Ankunft der Braut noch über die korrekte Aussprache und Betonung ihres Namens. Das Königshaus selbst hatte vor ein paar Tagen den Namen des Bräutigams grob vergulascht, als man ihn in einem offiziellen Palast-Tweet versehentlich als "Mr Jacksbrook" bezeichnet hatte - und den Fehler erst nach 40 Minuten bemerkte.

Weniger offizielle Repräsentationslast im Nacken macht unbekümmerter, immer wieder waren in die Hochzeitszeremonie kleine, private Details eingeknüpft: Eugenies Schwester Prinzessin Beatrice las - anstelle einer Bibelstelle - eine Passage aus "Der große Gatsby", in der das umwerfende, einnehmende, lebenserleuchtende Lächeln von Jay Gatsby beschwärmt wird.

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Eugenie hatte die Stelle gelesen, kurz nachdem sie Jack kennengelernt hatte, und sofort an ihn denken müssen, so die dazugehörige Erklärung, die großzügig umkurvte, dass die Sache mit der ewigen Liebe im Roman von F. Scott Fitzgerald ja nicht wahnsinnig gut ausgeht. Ein persönlicher Touch eben, nicht bis ins letzte durchargumentiert und wasserdicht abgesichert, wie es sicher bei Harry und Meghan der Fall gewesen wäre.

Im Smaragd von Eugenies Tiara (einer Leihgabe von Queen Elizabeth II.) wurde außerdem das tiefe Grün aus dem Kleid wieder aufgenommen, in dem Eugenies Mutter Sarah Ferguson, seit ihrer Scheidung von Andrew wieder unroyal, zur Hochzeit kam. Eingewebte Symbole im Brautkleid - Distel, Kleeblatt, Rose und Efeu - repräsentierten die verschiedenen Familienzweige des Brautpaars.

Und weil die Hochzeit trotz Promi-Gastaufkommen und Fernsehübertragung eben doch eher ein privates als ein offizielles Ereignis war, machte es auch nicht viel aus, dass die Predigt - verglichen mit der Halleluja-Liebe-Feuerbeschwörung von Bischof Michael Curry bei Harrys und Meghans Hochzeit - dann doch ein ausgesprochenes Schnarchfest war. Wie man es eben selbst leidvoll von diesen Hochzeiten im Familienkreis kennt.

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