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Hochzeit von Prinzessin Eugenie

Sie mag Netflix und Cashewnüsse

Schon wieder eine Royal Wedding in England? Ja, Prinzessin Eugenie heiratet Jack Brooksbank - der frühere Nachtklub-Manager verdient sein Geld inzwischen mit dem Verkauf von Alkohol.

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Von , Manchester
Donnerstag, 11.10.2018   13:49 Uhr

Sie liest schon morgens im Bett ihre E-Mails, schminkt sich im Auto und scheut sich nicht, offen über ihre Zuneigung zu Kochsendungen, Netflix-Serien, Cashewnüssen und den Cocktail Wodka Soda ("Mit viel Limettensaft. Einfach unschlagbar!") Auskunft zu geben. Bei den hochrangigen Mitgliedern des britischen Königshauses wäre so viel Bodenständigkeit problematisch, doch Prinzessin Eugenie kann es sich leisten, ab und an wie ein normaler Mensch zu wirken.

Die Enkelin von Queen Elizabeth II. belegt in der Thronfolge nur Rang neun, mit fallender Tendenz, womit praktisch ausgeschlossen ist, dass sie jemals Königin wird. Sie hat kaum repräsentative Verpflichtungen und ist, anders als zum Beispiel ihre Cousins Prinz William und Prinz Harry kein Vollzeit-Royal, sondern geht einer beruflichen Beschäftigung nach, und das sehr erfolgreich. Sie arbeitet als Direktorin bei der Londoner Kunstgalerie Hauser & Wirth.

An diesem Freitag heiratet sie den Spirituosenhändler und früheren Nachtklub-Manager Jack Brooksbank, mit dem sie seit sieben Jahren zusammen ist, die beiden haben sich im Ski-Urlaub in der Schweiz kennengelernt. Von der Begeisterung der Briten, die in den Tagen vor einem solchen Event zuverlässig einsetzt, ist allerdings noch nichts zu spüren. Das liegt an Eugenies vergleichsweise kleiner Rolle im royalen Theater und der öffentlichen Debatte, ob die Zeremonie nicht ein bisschen zu opulent veranschlagt ist.

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Eugenie of York: Britische Prinzessin kommt unter die Haube

Die 28 Jahre alte Eugenie (ausgesprochen ungefähr: Ju-Jenny) heiratet auf Schloss Windsor, wie zuletzt auch Harry und Meghan Markle. Es werden bis zu 800 Gäste erwartet, 200 mehr als bei Harry und Meghan, unter anderem Robbie Williams, George Clooney, Sängerin Ellie Goulding, Model Cindy Crawford und vielleicht auch die Beckhams. Auch eine Fahrt in einer offenen Kutsche ist geplant. Die Kosten für die Sicherheit sollen sich auf umgerechnet mehr als zwei Millionen Euro belaufen und aus Steuergeldern bezahlt werden.

"Nicht ohne meine Familie"

Dagegen regt sich Protest. Royal-Gegner haben im Internet eine Petition aufgesetzt, die die Regierung dazu anhalten soll, kein öffentliches Geld für die Hochzeit zur Verfügung zu stellen. Fast 40.000 Menschen haben bislang unterschrieben. Auch die Revolver-Presse ist skeptisch. Schließlich sei Eugenie "nicht gerade ein großer Stern am Firmament der königlichen Familie" und würde nur nach Glitzer und Glamour trachten, wie die "Daily Mail" diagnostizierte.

Hinter dem großen Aufwand für die Hochzeit soll Eugenies Vater Prinz Andrew stecken. Angeblich sieht er nicht ein, warum seine Tochter im Schatten der Prinzen William und Harry stehen soll. Er kämpft dagegen an, dass sie nur eine Randerscheinung im Königshaus ist.

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Beatrice und Eugenie 2009 mit Mutter Sarah Ferguson

Eugenie hatte ein komplizierte Kindheit, sie war keine zwei Jahre alt, als sich ihre Eltern Prinz Andrew und Sarah Ferguson trennten. Ferguson, der breiten Öffentlichkeit nur als Fergie bekannt und ohnehin nicht besonders beliebt bei der Queen, wurde aus der königlichen Familie verstoßen, als Fotos auf den Boulevard-Titelseiten auftauchten, die sie im Urlaub in Frankreich mit ihrem amerikanischen Liebhaber zeigten.

Mittlerweile wird Ferguson im Königshaus wieder toleriert, das Verhältnis zwischen ihr und Prinz Andrew ist so gut, dass zwischenzeitlich sogar Spekulationen über eine zweite Hochzeit die Runde machten.

Eugenie sagt, dass ihre Eltern immer versucht hätten, sie und ihre Schwester Beatrice aus ihren privaten Problemen herauszuhalten. Ihre Mutter ist für sie noch heute die beste Freundin, sie gehen zusammen in London aus oder machen Urlaub im Ausland. "Ich könnte nicht ohne meine Familie leben. Das klingt kitschig, aber ich könnte es wirklich nicht", sagte Eugenie vor zwei Jahren dem amerikanischen Modemagazin "Harper's Bazaar".

Studium in der Party-Stadt

Als sie zwölf Jahre alt war, hatte sie eine Operation, die sie für ihr Leben geprägt hat. Bei ihr wurde eine Verkrümmung der Wirbelsäule festgestellt, in einem achtstündigen Einriff wurden ihr zwei Titanstäbe eingesetzt, die bis heute ihren Rücken gerade halten. Wie die "Times" unter Berufung auf Freunde von Eugenie schreibt, hat ihr die Operation dabei geholfen, ein freundlicher, zuversichtlicher und dankbarer Mensch zu werden. Außerdem übernahm sie die Schirmherrschaft der Europäischen Schule für Chiropraktik in Maidstone, südöstlich von London.

Zu ihren weiteren sozialen Engagements, die ja immer wichtig sind für Mitglieder des Königshauses, gehören der Einsatz für den Schutz des Asiatischen Elefanten und gegen Krebs. Skandale sind von ihr keine bekannt, wenn man mal davon absieht, dass sie und ihre Schwester bei der Hochzeit von William und Kate im April 2011 mit recht sonderbaren Hüten auffielen.

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Beatrice und Eugenie 2011 mit Vater Andrew

Nach ihrem Schulabschluss bereiste Eugenie ein Jahr lang die Welt. Indien, Thailand, Australien. Das königliche Wachpersonal war immer dabei, weshalb schon damals die Öffentlichkeit zu murren begann.

Zum Studium ging sie nach Newcastle, die hippe Party-Stadt im Nordosten Englands. Sie machte einen Abschluss in englischer Literatur, Kunstgeschichte und Politik. Nach zwei Jahren bei einem Auktionshaus in New York kehrte sie 2015 nach London zurück und trat ihren aktuellen Job an.

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