Panorama

Serena Williams über die Geburt ihrer Tochter

"Dann wurde alles ganz schlimm"

Die ersten Wochen als Mutter waren für Serena Williams eine schwere Zeit. Doch das Baby habe sie entspannter gemacht - und soll auch bei der Rekordjagd auf dem Tennisplatz helfen.

AP
Freitag, 12.01.2018   14:02 Uhr

Ihr Erfolg bei den Australian Open 2017 war außergewöhnlich . Serena Williams gewann eines der wichtigsten Tennisturniere der Welt, obwohl sie schon seit mehreren Wochen schwanger war.

In diesem Jahr wird das Turnier ohne die US-Amerikanerin stattfinden. Williams teilte jüngst mit, dass sie nach der Geburt ihrer Tochter Alexis Olympia im vergangenen September noch nicht bereit sei, um den Titel mitzuspielen. Mit der Zeitschrift "Vogue" sprach Williams über ihre Schwangerschaft, die Entbindung und die Zeit danach.

Bei den Australian Open vor einem Jahr bestritt Williams ihr bislang letztes offizielles Match. Während der anschließenden Babypause lief offenbar alles gut. Die Schwangerschaft sei beneidenswert einfach verlaufen, sagte Williams. Auch beim notwendigen Kaiserschnitt habe es keine Probleme gegeben. Die kleine Alexis Olympia weinte laut Williams zunächst, wurde aber ganz still, als man sie ihrer Mutter auf die Brust legte.

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Serena Williams' erste Tage als Mutter: "Mann, ich schaffe das nicht"

"Das war ein großartiges Gefühl", erinnert sich Serena Williams. "Dann wurde alles ganz schlimm." Am Tag nach der Entbindung, als sie sich im Krankenhaus erholte, sei sie in Atemnot geraten. Williams, die in der Vergangenheit Erfahrungen mit Blutgerinnseln gemacht hatte, war sofort alarmiert. Sie sei von einer weiteren Lungenembolie ausgegangen.

"Manchmal dachte ich: Mann, ich schaffe das nicht"

Sie habe die erste Krankenschwester angesprochen, die ihr über den Weg lief, und habe darum gebeten, untersucht zu werden, erzählt Williams. Und tatsächlich: Bei der Computertomografie habe sich herausgestellt, dass sich Blutgerinnsel in ihren Lungen gebildet hatten.

Doch das war laut Williams erst der Beginn eines sechstägigen Dramas: Heftiger Husten, der durch die Lungenembolie verursacht worden war, ließ demnach ihre Kaiserschnittwunde aufplatzen. Und als sie deshalb erneut unters Messer musste, hätten die Ärzte ein Hämatom im Bauchbereich entdeckt.

Die ersten beiden Monate als Mutter hätten sie wirklich auf die Probe gestellt, berichtet Williams. "Manchmal dachte ich: Mann, ich schaffe das nicht." Bei der Genesung hätten ihr auch die Botschaften ihrer Kollegen Halt gegeben, etwa die von Stanislas Wawrinka und Novak Djokovic.

"Ich will auf jeden Fall mehr Grand Slams"

Trotz dieser schweren Zeit trat Williams Gerüchten über ein Karriereende entschieden entgegen. Zwar sei es durchaus eine attraktive Vorstellung, nach San Francisco zu ziehen, wo ihr Ehemann, der Internetunternehmer Alexis Ohanian lebt, und sich auf die Rolle als Mutter zu konzentrieren, sagt Williams. Dennoch: "Es muss ganz deutlich gesagt werden: Ich will auf jeden Fall mehr Grand Slams."

Bei den Australian Open im vergangenen Jahr holte Serena Williams ihren 23. Titel bei einem der vier Grand-Slam-Turniere. Damit übertraf sie den Rekord von Steffi Graf aus der Profi-Ära.

Rekordhalterin der gesamten Tennis-Geschichte ist die Australierin Margaret Court mit 24 Grand-Slam-Triumphen. "Ich kenne die Rekordbücher genau, leider. Es ist kein Geheimnis, dass ich die 25 im Blick habe", sagte Williams der "Vogue".

Die Geburt ihrer Tochter helfe ihr aber, nicht mehr zu ehrgeizig zu sein und dadurch Matches zu verlieren. Sie habe das Gefühl, nicht mehr spielen zu müssen. "Ich brauche das Geld oder die Titel oder das Prestige nicht. Ich möchte sie, aber ich brauche sie nicht. Das ist ein anderes Gefühl für mich", sagte Williams.

asa

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