Panorama

Deutsche auf Pacific Crest Trail gerettet

"Sie hatte unglaubliches Glück"

Monatelang war Katharina Gröne auf dem legendären Pacific-Crest-Wanderweg unterwegs, dann wurde sie von Schnee überrascht. Ihr Leben verdankt sie Helikopter-Piloten - und einer aufmerksamen Wanderin.

DPA/Bill Quistorf

Katharina Gröne nach ihrer Rettung

Donnerstag, 01.11.2018   08:49 Uhr

Fußspuren in der verschneiten Wildnis wiesen den Rettern den Weg. Zwei Hubschrauber-Piloten haben einer deutschen Wanderin auf dem legendären "Pacific Crest Trail" mit einem riskanten Einsatz wohl das Leben gerettet. Fünf Monate lang war Katharina Gröne auf dem Fernwanderweg im Westen der USA unterwegs, am Montag wurde die 34-Jährige von Rettungspiloten im Kaskadengebirge im Bundesstaat Washington entdeckt.

"Ich glaube wirklich, dass sie eine weitere Nacht in der Kälte vermutlich nicht überlebt hätte", sagte Rettungspilot Bill Quistorf. Sie sei durchnässt gewesen und habe Anzeichen von Unterkühlung gehabt.

Gröne hatte sich am Mittwoch in einer Pressekonferenz bei ihren Rettern bedankt. Sie sprach über ihr Überlebensdrama in den Bergen. Ihr Schlafsack sei feucht geworden, sie habe kaum noch trockene Sachen und Proviant gehabt. Sie hätte vermutlich nicht überlebt, sagte die Wanderin. Noch zwei Tage nach ihrer Rettung fühlten sich ihre Finger taub an.

"Ich wollte sie davon abhalten weiterzulaufen"

Gröne war am Wochenende von einem frühen Wintereinbruch überrascht worden. An den letzten beiden Tagen sei sie im tiefen Schnee auf dem Weg nur noch wenige Kilometer vorangekommen. Per Handy konnte sie in der Wildnis niemanden um Hilfe bitten. Sie habe ihren Eltern und ihrem Bruder verzweifelte Textnachrichten geschickt und sich entschuldigt, "zu viel riskiert" zu haben. Sie habe gedacht, dass sie sterben würde.

Die Suche nach der Wanderin bei Schneetreiben sei riskant gewesen, sagte Quistorf. "Sie hatte unglaubliches Glück." Eine Woche zuvor war die Deutsche auf dem Wanderweg einer Amerikanerin begegnet, zusammen waren sie mehrere Stunden unterwegs. Nancy Abell, eine erfahrene Wanderin, hatte Gröne vor dem drohenden Wetterumschwung gewarnt. "Ich wollte sie davon abhalten weiterzulaufen", sagte sie. Doch Gröne setzte ihren Weg wenig später allein fort.

Aus Sorge alarmierte Abell am Montag die Behörden. Damit setzte sie die Suchaktion in Gang. "Du hast mein Leben gerettet", bedankte sich Gröne am Mittwoch bei der Amerikanerin, von der sie auch vorläufig aufgenommen wurde. Kommende Woche wolle sie nach Deutschland zurückkehren, sagte Gröne.

Jedes Jahr machen sich etwa 3500 Menschen auf, um den Pacific Crest Trail (PCT) an der US-Westküste zu wandern. Die Deutsche war im Mai an der mexikanischen Grenze gestartet, nach mehr als 4000 Kilometern fehlten ihr nur noch gut 200 Kilometer, um das nördliche Ende in Kanada zu erreichen.

Es sei hart gewesen, dieses Ziel aufzugeben, sagte Gröne. Trotz der körperlichen Strapazen schwärmte sie von wunderbaren Begegnungen und tollen Naturerlebnissen auf ihrer Wanderung. Auf den PCT-Weg sei sie über den Film "Wild - Der große Trip" mit Reese Witherspoon aufmerksam geworden.

wit/dpa

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