Politik

Koordinierte Attacken

Zahlreiche Tote bei Anschlägen in Kabul

Rauchwolken über Afghanistans Hauptstadt: Angreifer haben mehrere Polizeiwachen attackiert, offenbar waren die Anschläge abgestimmt.

AP

Afghanische Polizisten säubern Anschlagsort von Blut

Donnerstag, 10.05.2018   21:05 Uhr

Bei mehreren Angriffen in Kabul sind am Mittwoch zehn Menschen getötet worden. Mindestens 23 weitere Menschen wurden verletzt, wie das afghanische Gesundheitsministerium am Donnerstag mitteilte.

Die offenbar koordinierten Attacken, bei denen sich auch Selbstmordattentäter in die Luft sprengten, richteten sich unter anderem gegen zwei Polizeiwachen in der afghanischen Hauptstadt, wie ein Sprecher des Innenministeriums sagte. Zu den Anschlägen bekannten sich die radikalislamischen Taliban und die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS).

Am Mittwochvormittag waren in Kabul laute Explosionen und Schusswechsel zu hören, auf Fernsehbildern war eine dichte Rauchwolke zu sehen. Der IS reklamierte die erste Attacke auf eine Polizeiwache im Westen der Stadt für sich, die nach Angabe von Innenminister Wais Barmak eine Stunde dauerte. Drei Angreifer seien getötet worden, nachdem sie mit Granaten einen Raum auf dem Polizeigelände in Brand gesetzt hätten, erklärte Barmak.

Kommandos wollen Wahlen sabotieren

Der zweite Angriff wurde von den Taliban reklamiert und richtete sich gegen die Polizeiwache 10 von Schar-i-Naw im Zentrum Kabuls. Ein Mann habe sich am Eingang der Wache in die Luft gesprengt, sagte Barmak. "Ein Auto setzte vier weitere Angreifer in der Nähe ab", fügte er hinzu. Sie hätten sich in ein Gebäude in der Nähe geflüchtet und seien nach einer stundenlangen Suchaktion von Sicherheitskräften getötet worden.

Die Taliban gaben an, der Anschlag sei als "Rache" für einen Luftangriff der afghanischen Armee auf eine religiöse Feier im Norden des Landes Anfang April gewesen. Dabei waren laut einem Bericht der UN-Mission in Afghanistan (Unama) mindestens 36 Menschen getötet und 71 weitere verletzt worden .

Ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete von einer weiteren Explosion am späten Nachmittag. Laut Polizeiangaben wurde diese durch einen weiteren Selbstmordattentäter ausgelöst. Erst Anfang vergangener Woche war Kabul Schauplatz eines Doppelanschlags gewesen, bei dem mindestens 25 Menschen getötet wurden. Zu der Tat hatte sich die IS-Miliz bekannt.

Die radikalislamischen Taliban hatten ihrerseits erst vor kurzem ihre jährliche Frühjahrsoffensive eingeleitet. Die Frühjahrsoffensive markiert normalerweise den Beginn des jährlichen Kampfgeschehens, allerdings hatten die Taliban auch im Winter ihren Kampf gegen afghanische und US-Truppen fortgesetzt. Zugleich verübten sie in Kabul eine Reihe äußerst schwerer Anschläge, bei denen hunderte Zivilisten getötet und verletzt wurden.

Die afghanische Regierung hat für den 20. Oktober Parlaments- und Regionalwahlen angekündigt. Taliban und IS wollen diese sabotieren.

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