Politik

Visagebühren nach Brexit

Briten müssen für EU-Reisen womöglich 60 Euro zahlen

Eigentlich sollen britische Staatsbürger auch nach dem Brexit ohne Visum in die EU reisen können. Doch eine entsprechende Verordnung wird blockiert - weil in ihr Gibraltar als "Kolonie" bezeichnet wird.

REUTERS

Fähre in Dover auf dem Weg nach Frankreich

Mittwoch, 20.02.2019   23:11 Uhr

Britische Touristen, die in die EU reisen, werden womöglich bald eine Visagebühr von 60 Euro bezahlen müssen. Das berichtet der "Guardian".

Die EU-Staaten wollten britischen Staatsbürgern eigentlich auch nach dem Brexit die visafreie Einreise ermöglichen - selbst wenn es nicht zur Unterzeichnung eines Austrittsvertrags kommen sollte.

Doch der Teufel steckt im Detail. Denn in einer entsprechenden EU-Visa-Verordnung wird das britische Gibraltar in einer Fußnote als "Kolonie" bezeichnet. Die Formulierung wurde auf Wunsch der spanischen Regierung eingebaut - alle anderen 26 Regierungen der EU (außer Großbritannien) stimmten dem Vorschlag zu.

Das Europäische Parlament hingegen hat die Visa-Verordnung am Mittwochmorgen abgelehnt - wegen der umstrittenen Gibraltar-Fußnote. Damit steht die gesamte Reiseregelung für die Briten auf der Kippe.

"Ein Spiel mit dem Feuer"

Gibraltar war schon während der Verhandlungen zum Brexit-Vertrag einer der schwierigsten Punkte. Der Felsen im Süden der iberischen Halbinsel gehört seit 1713 zu Großbritannien, wird aber von Spanien regelmäßig zurückgefordert. Madrid sieht es als sein Recht an, auf bilateraler Ebene mit Großbritannien über die Zukunft Gibraltars zu verhandeln, wodurch es bei den Brexit-Verhandlungen de facto ein Vetorecht gehabt hätte.

Abgeordnete des Europäischen Parlaments kritisieren das Insistieren der spanischen Regierung, bei Gibraltar von einer britischen Kolonie zu sprechen. Den tschechischen Parlamentarier Petr Ježžek zitiert der "Guardian" mit den Worten, Spanien "spielt mit dem Feuer" - und das ausgerechnet kurz vor dem geplanten Austrittstermin Großbritanniens. Das EU-Parlament schlägt nun vor, den entsprechenden Absatz einfach mit einer Formulierung zu ersetzen, wonach es eine "Kontroverse zwischen Großbritannien und Spanien" gebe.

"Völlig unangemessen"

Wie der "Guardian" weiter berichtet, geht die britische Regierung davon aus, dass man die Verordnung letztlich rechtzeitig beschließen werde. Eine Gefahr für britische Staatsbürger, künftig mit Schengen-Visa in die EU einreisen zu müssen, sehe man nicht. "Gibraltar ist keine Kolonie", sagte eine Sprecherin der Regierung in London und kritisierte die Formulierung als "völlig unangemessen".

Die Brexit-Verhandlungen zwischen Großbritannien und der Europäischen Union sind weiterhin festgefahren. Ein Treffen der britischen Premierministerin Theresa May mit EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker endete am Mittwoch mit der Ankündigung, dass sich beide vor Ende Februar erneut treffen wollen. Dabei drängt die Zeit: Schon am 29. März will Großbritannien die EU verlassen - und noch immer ist kein Konsens beim Austrittsvertrag in Sicht.

May deutete den Stand der Dinge in einem Fernsehstatement positiv und sagte: "Wir haben Fortschritte gemacht." Brexit-Minister Stephen Barclay und Justizminister Geoffrey Cox kämen bereits am Donnerstag zu weiteren Gesprächen nach Brüssel. Unabhängig davon hat auch der britische Oppositionsführer Jeremy Corbyn für Donnerstag einen Besuch bei EU-Unterhändler Michel Barnier angekündigt.

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tin/AFP/dpa

insgesamt 101 Beiträge
robr 20.02.2019
1. Die Kirche im Dorf und den "Rock" bei GB lassen.
Hier sollte Spanien endlich Mal die Welt so akzeptieren wie sie ist. Gibraltar gehört seit über 200 Jahre zum Vereinigten Königreich, die Einwohner wollen mit großer Mehrheit den Status Quo beibehalten. Diesen Wunsch sollte [...]
Hier sollte Spanien endlich Mal die Welt so akzeptieren wie sie ist. Gibraltar gehört seit über 200 Jahre zum Vereinigten Königreich, die Einwohner wollen mit großer Mehrheit den Status Quo beibehalten. Diesen Wunsch sollte man respektieren. Auch Spanien hat Territorien die nicht direkt am Mutterland angeschlossen sind. Auch hier wollen die Einwohner keine Veränderung. Der Brexit wird noch genug Schwierigkeiten mit sich bringen, da muss man nicht noch komplett andere Themen mit reinpacken
lathea 21.02.2019
2. Es ist doch schön, wenn May in.....
......"konstruktiven Gesprächen" Fortschritte erzielt hat. Vielleicht bestehen ja die Fortschritte daraus, dass England langsam versteht, welche Konsequenzen sich aus dem Karfreitagsabkommen ergeben. Allerdings wage ich [...]
......"konstruktiven Gesprächen" Fortschritte erzielt hat. Vielleicht bestehen ja die Fortschritte daraus, dass England langsam versteht, welche Konsequenzen sich aus dem Karfreitagsabkommen ergeben. Allerdings wage ich es zu bezweifeln. ;-)
LottiMPavarotti 21.02.2019
3. Surprise!
Man könnte sagen, Spanien handelt hier etwas infantil. Aber genau das ist der Effekt von Nationalpolitik. Wenn GB sagt, „wir für uns“, dann ist es doch nur selbstverständlich, dass Spanien „B“ antwortet.
Man könnte sagen, Spanien handelt hier etwas infantil. Aber genau das ist der Effekt von Nationalpolitik. Wenn GB sagt, „wir für uns“, dann ist es doch nur selbstverständlich, dass Spanien „B“ antwortet.
Papazaca 21.02.2019
4. Klar ist Gibralter eine Kolonie. Aber Ceuta + Melilla auch
Was haben die Briten in Spanien zu suchen? Weil sie den Felsen 1713 besetzt haben? Klare Antwort: Nix. Aber die Spanier sind nun wirklich keinen Deut besser. Die besetzen in Marokko zwei Städte, Ceuta und Melilla. Die sollten [...]
Was haben die Briten in Spanien zu suchen? Weil sie den Felsen 1713 besetzt haben? Klare Antwort: Nix. Aber die Spanier sind nun wirklich keinen Deut besser. Die besetzen in Marokko zwei Städte, Ceuta und Melilla. Die sollten sie auch an Marokko zurück geben. Politik wie so oft: Unglaubwürdig. Mit den 60 € Visa-Gebühren für die Brits wird die ganze Sache zur Farce. Man muß fairerweise sagen: Die Brits haben angefangen. Alles verkommt mehr und mehr zur Lachnummer.
tombadil1 21.02.2019
5.
Warum gibt es denn solchen Aufruhr um diese Formulierung? Was für Konsequenzen hätte es für Spanien, England, Gibraltar und die EU wenn Gibraltar als Kolonie gilt bzw. nicht als solche gilt?
Warum gibt es denn solchen Aufruhr um diese Formulierung? Was für Konsequenzen hätte es für Spanien, England, Gibraltar und die EU wenn Gibraltar als Kolonie gilt bzw. nicht als solche gilt?

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