Politik

Seltener Protest

Muslime demonstrieren in China gegen Moschee-Abriss

So etwas gibt es in China nicht oft: Muslime haben gegen den Abriss einer Moschee im Nordwesten des Landes protestiert. Die Rede ist von Hunderten oder gar Tausenden Demonstranten.

AP

Hui-Muslime

Freitag, 10.08.2018   14:24 Uhr

Die Moschee in der nordwestchinesischen Stadt Weizhou war erst vor einem Jahr fertiggestellt worden. Jetzt soll sie offenbar in Teilen schon wieder abgerissen werden. Offizieller Grund: Es habe eine Baugenehmigung gefehlt. Der Plan sorgte bei Muslimen offenbar für derart große Empörung, dass sie zu einem in China ungewöhnlichen Mittel griffen: Sie demonstrierten.

Laut der Hongkonger Zeitung "South China Morning Post" versammelte sich eine große Gruppe von Hui-Muslimen am Donnerstag und Freitag vor der Moschee. Die Nachrichtenagentur dpa berichtet von Hunderten Demonstranten, AP gar von Tausenden. In China ist die Meinungs- und Versammlungsfreiheit stark eingeschränkt.

In China leben mehr als 20 Millionen Muslime. Die beiden größten Gruppen sind die Minderheiten der Hui und der Uiguren mit jeweils rund zehn Millionen Angehörigen. Vor allem die Uiguren in der westlichen Provinz Xinjiang werden Beobachtern zufolge immer stärker in ihrer Freiheit eingeschränkt und verfolgt.

Aber auch andere religiöse Gruppen stehen im Visier der Behörden. Neben den offiziellen Staatskirchen, die unter der Kontrolle der Kommunistischen Partei stehen, gibt es christliche Untergrundkirchen, deren Mitglieder mit Verfolgung rechnen müssen. Es gibt Berichte, wonach Gottesdienste gestört, Kirchen eingerissen und viele Kreuze von Gebäuden entfernt wurden.

AP zitiert nun einen Mann, der an den jüngsten Protesten teilgenommen haben soll. "Viele Menschen weinten", habe dieser berichtet. "Wir können nicht verstehen, warum das passiert." Die Demonstranten hätten "schützt den Glauben in China" gerufen - und "liebe das Land, liebe den Glauben". Über hundert Polizisten hätten die Moschee umstellt, jedoch nicht eingegriffen. Die Proteste führten den Medienberichten zufolge nun dazu, dass der Abrissplan zumindest vorläufig ausgesetzt wurde.

kev/AP/dpa

Buchtipp

Buchtipp

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

TOP