Politik

Trumps Asienreise

Krieg und Frieden und eine Runde Golf

Noch nie war Donald Trump so lange unterwegs: Fünf Staaten in elf Tagen absolviert er auf seiner ersten Asienreise. Neben Nordkorea und China droht ihm dabei aber noch ein unberechenbareres Problem - er selbst.

DPA

Donald Trump

Aus Tokio berichtet
Samstag, 04.11.2017   07:17 Uhr

Ein Japaner freut sich ganz besonders auf Donald Trump. Daimaou Kosaka, besser bekannt als Pikotaro, soll ihn hier in Tokio bei einem Bankett bespaßen - auf speziellen Wunsch von Ministerpräsident Shinzo Abe. Wahrscheinlich wird Pikotaro dabei auch sein senfgelbes Leopardentrikot tragen.

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Heft 45/2017
Washington, ein Jahr danach
 

Denn dafür ist der YouTube-Star berühmt: für sein schrilles Outfit und den Ulk-Song "Pen Pineapple Apple Pen". Mit fast 130 Millionen Views ist das Video ein Internet-Hit, es begeisterte Justin Bieber und Trumps Enkelin Arabella. Nun soll Pikotaro den US-Präsidenten zum Auftakt seiner ersten Asienreise, die an diesem Wochenende in Japan beginnt, in gute Laune versetzen.

Die wird er brauchen. Elf Tage, fünf Länder und eine Route voller Turbulenzen: So lange war Trump als US-Präsident noch nie unterwegs. Und selten stand dabei so viel auf dem Spiel - nicht nur für ihn.

Vom Atomkonflikt um Nordkorea bis zum Handelsstreit mit China, die die Weltwirtschaft in Atem hält: Die Probleme, die Trump auf diesem Marathon erwarten, bringen den gewieftesten Diplomaten aus der Ruhe. Ganz zu schweigen von all den Fallstricken, die Trump in dieser fremden Kultur drohen.

Seine Berater haben sich insgeheim aufs Schlimmste vorbereitet, doch sie hoffen das Beste: Dass Trump keine allzu desaströsen Fauxpas begeht, dass sein joviales Gemüt hier von Nutzen ist - und dass ihn das dichte Programm von der Russlandaffäre und seiner Twitter-App ablenkt.

Briefings, häppchenweise - damit Trump mitkommt

Auf dieses Programm haben sie Trump gutmöglichst vorzubereiten versucht. Außenminister Rex Tillerson, Pentagonchef James Mattis, Sicherheitsberater Herbert Raymond McMaster und andere haben ihn vor der Abreise im Oval Office einer Reihe spezieller Briefings unterzogen. Wie immer waren die schlicht, übersichtlich - und bebildert. "Häppchenweise", berichtet ein Berater, "damit er mitkommt."

Stolz prahlt das Weiße Haus damit, wie lang der Trip ist, doch hält sich über die Details bis zuletzt bedeckt. Bei einem Gespräch mit Journalisten betonte das Trump-Team fünfmal, dies sei seine längste Reise und die längste Asienreise eines Präsidenten seit 1992. Woran sie aber nicht erinnerten: Zum Abschied, beim Staatsbankett in Tokio, übergab sich der damalige Gast George Bush in den Schoß seines Gastgebers, Ministerpräsident Kiichi Miyazawa, und fiel in Ohnmacht.

Trumps Mammuttour beginnt mit seinen Lieblings-Obsessionen: Militär und Golf. Nach einem Zwischenstopp in Hawaii, wo er am Freitag das U.S. Pacific Command inspizierte und an der Pearl-Harbor-Gedenkstätte einen Kranz niederlegte, besucht Trump am Sonntag die Yokota Air Force Base bei Tokio. Später golft er mit Abe, bekommt eine Audienz beim Kaiser Akihito und trifft sich mit den Familien von Japanern, die vom nordkoreanischen Regime entführt wurden.

AP

Trump und Shinzo Abe bei einem Treffen im Weißen Haus im Februar 2017

Spätestens da zeigt sich, wie sehr Nordkorea die ganze Reise überschattet. In Tokio und ab Dienstag in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul - wo die Menschen bereits den Krieg üben - sucht Trump eine geschlossene Front gegen Pjöngjang. Eine Grundsatzrede im Parlament soll dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un zeigen, so das Weiße Haus, "dass ihm die Welt gegenüber steht".

Deshalb ehrt Trump dann auch in Südkorea wieder demonstrativ das Militär - im Camp Humphreys, dem größten US-Luftwaffenstützpunkt in Asien, und auf dem Nationalfriedhof, wo die Kriegstoten liegen. Im Gegensatz zu anderen US-Präsidenten plant Trump aber keinen Abstecher zur Demilitarisierten Zone, mit dem obligatorischen Fernglasblick hinüber nach Nordkorea, wie ihn sein Vize Mike Pence im April unternahm - "aus Zeitgründen", beharrt Trumps Team, obwohl das von Seoul aus nur ein kurzer Helikopterflug ist.

Nordkorea steht auch in Peking, Trumps nächster Etappe, im Brennpunkt. Dort trifft er kommende Woche auf Präsident Xi Jinping, den er im April in Florida empfangen hatte und mit einem Luftangriff auf Syrien beeindrucken konnte. Seitdem hat sich die Dynamik spürbar geändert: Trump ist heute schwächer - und Xi neu erstarkt. Wie sich das auf die Gespräche auswirken könnte, ist freilich unklar: Trump verehrt starke Alleinherrscher bekanntlich.

Milliarden-Deals mit China

In China - und danach in Vietnam und den Philippinen - verwandelt sich die Reise dann hauptsächlich in eine Handelsmission. Trump wettert gerne gegen China, dem es "unfaire" Handelspraktiken vorwirft, zugleich aber sieht er es als lukrativen Geschäftspartner. So nimmt er 29 US-Vorstandschefs nach Peking mit, um dort bilatertale Deals in Milliardenhöhe zu verkünden.

Gebetsmühlenartig wiederholten seine Berater zu Beginn der Reise, dass die USA auf "fairem und gleichem Handel" bestünden und sich eine florierende "indo-pazifische" Wirtschaftsregion erträumten. Warum Trump dann aber als eine seiner ersten Amtshandlungen die Trans-Pacific Partnership (TPP) aufgekündigt habe und statt dessen verwirrende, konkurrierende bilaterale Handelsabkommen propagiere, das konnten sie nicht schlüssig erklären.

Solche Widersprüche offenbaren, wie zusammenhanglos Trumps Asien-Strategie bleibt, wirtschaftlich wie politisch. Hinzu kommt, dass er sein Diplomatenteam täglich aufs Neue bloßstellt. So maßregelte er den unseligen Außenminister Tillerson vor seinem Abflug erneut: "Der einzige, der zählt", plusterte er sich in einem Fox-News-Interview auf, "bin ich."

So könnte es sein, dass die größten Schlagzeilen dieser Reise mal wieder ein ganz anderer macht - Wladimir Putin. Den könnte Trump Ende der Woche treffen, am Rande des Apec-Gipfels in Vietnam. "Es wurde diskutiert", bestätigte Putins Sprecher Dmitri Peskow. Es wäre das zweite Tête-à-Tête der beiden nach ihrem aufsehenerregenden G20-Lovefest in Hamburg - und wie damals würde es allen anderen Orten und Akteuren die Schau stehlen.

insgesamt 57 Beiträge
m_e_m 04.11.2017
1. schrilles Outfit und Ulk Song ...
... klingt wie der Hofnarr zu Zeiten von despotischen Königen im Mittelalter - vielleicht wäre es sinnvoller Herrn T. wo es nur geht intellektuellen Aufbau anzubieten, in der Hoffnung, dass er nicht noch mehr kaputt macht...
... klingt wie der Hofnarr zu Zeiten von despotischen Königen im Mittelalter - vielleicht wäre es sinnvoller Herrn T. wo es nur geht intellektuellen Aufbau anzubieten, in der Hoffnung, dass er nicht noch mehr kaputt macht...
BeatDaddy 04.11.2017
2. Die erste
gute Aktion von ihm, nämlich seine Antritts- und Abschiedsreise zusammenzufassen. Das spart dem amerikanischen Steuerzahler jede Menge Geld...
gute Aktion von ihm, nämlich seine Antritts- und Abschiedsreise zusammenzufassen. Das spart dem amerikanischen Steuerzahler jede Menge Geld...
guentherzaruba 04.11.2017
3. die Berater
von Herr Trump sollten sich keine unnötigen Sorgen machen über den Verlauf der Reise. Jetzt wo allgemein Bekannt ist, was für eine Person kommt, kann es nur Witzig werden. Den "Zwischenfall" von Herr Bush .... [...]
von Herr Trump sollten sich keine unnötigen Sorgen machen über den Verlauf der Reise. Jetzt wo allgemein Bekannt ist, was für eine Person kommt, kann es nur Witzig werden. Den "Zwischenfall" von Herr Bush .... irgendwie auch lustig .
wokri 04.11.2017
4. Das wird lustig
Allein der Papp Song wird Trump aus der Bahn schmeißen..
Allein der Papp Song wird Trump aus der Bahn schmeißen..
dr.bo 04.11.2017
5. Handshake
Ich freue mich schon auf den Handshake mit Shinzo Abe.
Ich freue mich schon auf den Handshake mit Shinzo Abe.

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