Politik

US-Kritik an der Türkei

"Wir werden nichts für die Freilassung eines unschuldigen Mannes zahlen"

Im Streit um den in der Türkei festgehaltenen US-Pastor hat Präsident Donald Trump erneut in Richtung Ankara gedroht. Zuvor hatte sein Finanzminister bereits neue Sanktionen ins Spiel gebracht.

REUTERS

Donald Trump

Freitag, 17.08.2018   10:14 Uhr

Die USA haben der Türkei mit weiteren Sanktionen gedroht, sollte der unter Hausarrest stehende US-Pastor Andrew Brunson nicht schnell freikommen. Die Regierung habe weitere Sanktionen vorbereitet, die man verhängen wolle, sollte der Pastor nicht zügig freigelassen werden, sagte Finanzminister Steven Mnuchin am Donnerstag bei einer Kabinettssitzung im Weißen Haus.

US-Präsident Donald Trump erklärte, die Türkei habe sich nicht als "guter Freund" der USA erwiesen. In der Nacht zum Freitag legte er noch einmal via Twitter nach. Die Türkei habe die USA seit vielen Jahren ausgenutzt. Nun würden sie "unseren wundervollen" Pastor festhalten. Trump nannte Brunson eine "Geisel". Und weiter: "Wir werden nichts für die Freilassung eines unschuldigen Mannes zahlen. Aber wir setzen bei der Türkei nach."

Die Krise zwischen den beiden Nato-Partnern dürfte sich dadurch weiter verschärfen. Der evangelikale Pastor Brunson war 2016 im westtürkischen Izmir wegen Terrorvorwürfen in Untersuchungshaft genommen worden und wurde kürzlich unter Hausarrest gestellt. Trump hat wiederholt seine umgehende Freilassung gefordert. Anfang August verhängte seine Regierung Sanktionen gegen zwei türkische Minister, die die Türkei erwiderte. Wegen der Krise war es zu massiven Währungsturbulenzen in der Türkei gekommen.

Vide o: "Diesen Konflikt werden Trump und Erdogan nicht allein lösen können"

Foto: AFP

Die Regierung von Präsident Recep Tayyip Erdogan hofft deswegen auf das Engagement finanzstarker Investoren. Vier Tage nachdem die türkische Landeswährung Lira wegen des Streits mit den USA auf historische Tiefstände gefallen war, sprach Finanzminister und Erdogan-Schwiegersohn Berat Albayrak am Donnerstag in einer Telefonkonferenz mit Tausenden ausländischen Investoren. Am Morgen war die Rede von rund 4000 Teilnehmern aus Europa, den USA und dem Nahen Osten.

Albayrak telefonierte nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu auch mit seinem deutschen Kollegen Olaf Scholz. Scholz habe betont, dass eine starke türkische Wirtschaft wichtig für Deutschland und Europa sei. Am 21. September wollen Albayrak und Scholz demnach in Berlin zusammentreffen. Vermutlich geht es um die Vorbereitung des Staatsbesuchs von Präsident Erdogan in Deutschland Ende September.

Angesichts des Streits mit den USA sucht Erdogan verstärkt den Kontakt mit anderen Verbündeten. Am Mittwoch empfing er den Emir von Katar, der Investitionen von 15 Milliarden Dollar in der Türkei zusagte. Am Donnerstag telefonierte er mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron. Dabei betonten sie die Wichtigkeit, die Wirtschafts- und Handelsbeziehungen sowie die Investitionen weiter auszubauen, wie das Präsidialamt erklärte.

aar/dpa

insgesamt 124 Beiträge
recepcik 17.08.2018
1. Mich wundert es
Daß die USA noch nicht auf die Strafzölle der Türkei nicht reagiert haben. Deutschland hatte die Verdoppelung der Strafzöllle der USA auf türkisches Aluminium und Stahl reagiert und sie als zu hart empfunden aber keine [...]
Daß die USA noch nicht auf die Strafzölle der Türkei nicht reagiert haben. Deutschland hatte die Verdoppelung der Strafzöllle der USA auf türkisches Aluminium und Stahl reagiert und sie als zu hart empfunden aber keine Stellung auf die Strafzölle der Türkei gegen die USA mit bis zu 140 Prozent. Kein Wunder daß Trump Deutschland angreift. Es kann nicht sein, daß die Türkei Deutschland wichtiger ist als die USA. Der
1971tekin 17.08.2018
2. Fakten
Lieber SPON, letzte Woche Sonntag viel die türkische Lira auf ein Rekordtief. Nach 3 Tagen hat er alle Verluste wieder gut gemacht. Als der Artikel verfasst worden ist hatte sich die Lira schon längst von dem Rekordsturz [...]
Lieber SPON, letzte Woche Sonntag viel die türkische Lira auf ein Rekordtief. Nach 3 Tagen hat er alle Verluste wieder gut gemacht. Als der Artikel verfasst worden ist hatte sich die Lira schon längst von dem Rekordsturz erholt. Ich finde diesen Umstand erwähnenswert. Ferner geht es auch darum, dass Trump beim Natogipfel in Brüssel mit Erdogan einen Deal eingegangen haben soll. Dabei ging es wohl darum, dass Trump sich für die Auslieferung von einem Türkischen Diplomaten in Israel einsetzen wollte. Im Gegenzug sollte Erdogan Pastor Brunson freilassen. Der Türkische Diplomat Ebro kam tatsächlich heil in der Türkei an. Allerdings befand sich dieser in der Türkischen Botschaft in Tel Aviv, Israel gewährte lediglich freies Geleit. Die türkische Seite bestreitet einen Deal eingegangen zu sein bei dem es um die Freilassung des Pastors ging. Erdogan habe lediglich zugesagt sich für Ihn einzusetzen.
anonym187 17.08.2018
3. ich würde mir gerne wünschen
dass Deutschland mehr von der Türkei und USA distanziert und der Türkei auch mit Sanktionen bestraft
dass Deutschland mehr von der Türkei und USA distanziert und der Türkei auch mit Sanktionen bestraft
miklo.velca 17.08.2018
4. Richtig so!
Nicht wie unsere Regierung, die sich immer wieder von Erdogan erpressen lässt, Waffen-,Geldgeschenke, und geheime Deals macht, sich beleidigen lässt, Kniefall vor dem Sultan, zu Hause in gebeugter Haltung Tee dem türkischen [...]
Nicht wie unsere Regierung, die sich immer wieder von Erdogan erpressen lässt, Waffen-,Geldgeschenke, und geheime Deals macht, sich beleidigen lässt, Kniefall vor dem Sultan, zu Hause in gebeugter Haltung Tee dem türkischen Außenminister einschenkt und dann noch Erdogan in allen Ehren empfängt.
KingTut 17.08.2018
5. Offensiv
Die USA reagieren wenigstens offensiv, wenn ihre Bürger von einem autokratischen Regime in Geiselhaft genommen werden. Nicht anders kann man die bislang mehrjährige Inhaftierung von Bruson und anderer US-Amerikaner ohne [...]
Die USA reagieren wenigstens offensiv, wenn ihre Bürger von einem autokratischen Regime in Geiselhaft genommen werden. Nicht anders kann man die bislang mehrjährige Inhaftierung von Bruson und anderer US-Amerikaner ohne Gerichtsverfahren bezeichnen. Einen Tweet wie Trump hätte auch die Bundeskanzlerin schreiben können, denn seit dem gestrigen Spiegel-Artikel über die Verhaftung eines weiteren Deutschen wissen wir, dass jetzt 8 Deutsche in der Türkei inhaftiert sind: http://www.spiegel.de/politik/ausland/tuerkei-wieder-deutscher-wegen-terrorvorwuerfen-verhaftet-a-1223498.html Was die inhaftieren Deutschen betrifft, so wundert mich, dass man so wenig darüber erfährt, seitdem Deniz Yücel frei kam, für den man zu Recht doch alle Hebel in Bewegung setzte. Terrorvorwüfe als Universalgrund und anschließende mehrjährige Inhaftierung - ich nenne es Geiselnahme - dürfen nicht ohne Konsequenzen bleiben. Ich hoffe, dass die EU hier nicht ausschert, zumal wir noch vor kurzem von Erdogan und seinen Marionettenministern übelst beschimpft wurden.

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