Politik

John Kelly und sein geschasster Mitarbeiter

Trumps Stabschef in Nöten

Neuer Ärger im Weißen Haus: Bislang galt John Kelly als starker Mann hinter dem US-Präsidenten. Nun muss der Stabschef um seinen Posten bangen.

AFP
Von , Washington
Freitag, 09.02.2018   14:54 Uhr

Er sollte das Chaos im Weißen Haus eigentlich ordnen: John Kelly, Stabschef von US-Präsident Donald Trump und ehemaliger Vier-Sterne-General bei den Marines. Aber nun wird ausgerechnet er zur zentralen Figur einer Affäre, die die Trump-Regierung erneut in heftige Turbulenzen stürzt. Schon wird in Washington gemutmaßt, Trump könnte seinen wichtigsten Mann bald vor die Tür setzen.

Kelly steht massiv unter Druck. Hintergrund ist die Entlassung eines wichtigen Referenten aus dem unmittelbaren Umfeld des Präsidenten vor wenigen Tagen. Rob Porter, der bislang als sogenannter "Staff Secretary" im Weißen Haus diente, wurde von Kelly gefeuert, nachdem bekannt geworden war, dass ihn zwei Ex-Frauen der häuslichen Gewalt beschuldigen.

Porter soll seine erste Frau geschlagen haben. Die zweite Frau berichtet von regelmäßigen Wutausbrüchen ihres Ex-Mannes, die ebenfalls bis zur physischen Gewaltanwendung gingen.

Der Umgang des Weißen Hauses mit der Angelegenheit und insbesondere Kellys Verhalten werfen nun eine Reihe von Fragen auf.

Trump selbst soll erst in dieser Woche von den Anschuldigungen erfahren haben, heißt es im Weißen Haus. Mehrere US-Medien berichten, dass Kelly, der für das Personal in der Machtzentrale verantwortlich ist, die Vorwürfe gegen Porter aber zumindest in Teilen bereits seit mehreren Monaten gekannt habe. Trotzdem habe er lange an dem Mitarbeiter festgehalten.

Demokraten und Republikaner üben Kritik an Stabschef

Porter stieg sogar zu einem der wichtigsten Zuarbeiter von Trump auf. Der "Staff Secretary" ist unter anderem für die tägliche Zusammenstellung von Briefing-Unterlagen für den Präsidenten zuständig. Auch an der Ausarbeitung der jüngsten Trump-Rede zur Lage der Nation war er maßgeblich beteiligt.

Stabschef Kelly nahm die Vorwürfe der Frauen gegen Porter offenbar nicht ernst. Selbst als die Ex-Frauen ihre Geschichten in der britischen "Daily Mail" öffentlich machten, zeigte Kelly zunächst wenig Willen, sich von Porter zu trennen. Er nannte ihn in einer Ehrenerklärung sogar noch einen "integren" und "anständigen" Mann. Erst als Bilder an die Öffentlichkeit kamen, die eine der Frauen mit einem blauen Auge zeigten, das ihr Porter mit einem Schlag beigebracht haben soll, trennte sich der Stabschef von dem Mitarbeiter.

Die oppositionellen Demokraten üben scharfe Kritik an Kellys Verhalten. "Das Weiße Haus unter John Kelly toleriert häusliche Gewalt", sagte der Kongressabgeordnete Don Beyer. Und seine Kollegin Pramila Jaypal betonte, offenbar sei hier Missbrauch gedeckt worden. Das sei sehr, sehr verstörend. Auch bei den Republikanern gibt es Unruhe. Hinter vorgehaltener Hand äußern mehrere Abgeordnete angesichts der Affäre Zweifel an der politischen Urteilskraft und Sensibilität des Stabschefs. Er hätte einen Mann mit dieser Vergangenheit niemals in sein Team aufnehmen dürfen.

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Ärger für Trumps Stabschef: Die Affäre um Rob Porter

Ivanka Trump ist offenbar gegen Kelly

Kelly und das Weiße Haus bemühen sich derweil um Schadensbegrenzung. Dem Stabschef seien die Vorwürfe gegen Porter in diesem Umfang nicht bekannt gewesen, lautet nun die Verteidigungslinie. Die Frage ist jedoch, wie glaubwürdig das ist.

Im Rahmen der üblichen Sicherheitsüberprüfung für enge Mitarbeiter des Präsidenten hatte das FBI wohl schon vor einem Jahr die Ex-Frauen befragt. Dabei sollen sie alle nun bekannt gewordenen Details geschildert haben. Porter erhielt deshalb auch nur eine vorläufige Freigabe bei der Sicherheitsüberprüfung. Kaum zu glauben also, dass Kelly nicht im Bilde gewesen sein soll.

Für Kelly ist die Sache so oder so unangenehm. Zwar hält wohl Trump weiterhin zu ihm. Die Frage ist nur: Wie lange noch? Trump soll Kelly übelnehmen, dass er jüngst in einem TV-Interview etwas ungeschickt darüber plauderte, dass der Präsident während des Wahlkampfs beim Thema Einwanderung "uninformiert" gewesen sei. "Majestätsbeleidigungen", die gegen ihn gerichtet sind, schätzt der Präsident bekanntlich gar nicht.

Einen schweren Stand hat Kelly aber wohl vor allem bei Trumps Tochter Ivanka und deren Gatten Jared Kushner. Beide sehen in dem strengen Militär ein Ärgernis, heißt es in Washington, weil er ihren Einfluss auf Trump beschneiden wolle. Ivanka soll sich in dieser Woche bei ihrem Vater im Oval Office sogar lautstark über Kellys ungeschicktes Verhalten in der Porter-Sache beschwert haben. Erst danach sei der Mitarbeiter dann entlassen worden.

insgesamt 15 Beiträge
Atheist_Crusader 09.02.2018
1.
Ich hab schon Kamikaze-Staffeln gesehen die weniger Personalwechsel hatten als diese Administration.
Ich hab schon Kamikaze-Staffeln gesehen die weniger Personalwechsel hatten als diese Administration.
Beijinger 09.02.2018
2. Das Chaos
im Zentrum der Bananenrepublik USA wird größer und größer. Wie lange lãsst man den Familien Clan Trump mit Jarvanka noch weiter “regieren”?
im Zentrum der Bananenrepublik USA wird größer und größer. Wie lange lãsst man den Familien Clan Trump mit Jarvanka noch weiter “regieren”?
derjoey 09.02.2018
3.
Naja, solange John Kelly nicht greifbar Kritik an seinem Chef übt (echte Majestätsbeleidigung halt) oder sich verdächtig macht, hinter dessen Rücken gegen ihn was auszuhecken (ob nun eingebildet oder nicht), wird er von Mr. [...]
Naja, solange John Kelly nicht greifbar Kritik an seinem Chef übt (echte Majestätsbeleidigung halt) oder sich verdächtig macht, hinter dessen Rücken gegen ihn was auszuhecken (ob nun eingebildet oder nicht), wird er von Mr. Trump wohl auch nicht gefeuert werden. Der POTUS hat schon an ganz anderen Leuten, die noch weit massiver Kritik auf sich luden, fest gehalten (Roy Moore), solange sie ihm zu 100% treu ergeben waren.
gandhiforever 09.02.2018
4. Schmierkampagne
Zuerst wollten die unfehlbaren Machtinhaber die Anschuldigungen gegen Porter einer Schmierkampagne gegen einen integren Republikaner zuschreiben. Doch als das klaeglich misslang, gingen Kelly "ganz ploetlich" die Augen [...]
Zuerst wollten die unfehlbaren Machtinhaber die Anschuldigungen gegen Porter einer Schmierkampagne gegen einen integren Republikaner zuschreiben. Doch als das klaeglich misslang, gingen Kelly "ganz ploetlich" die Augen auf. Der General hatte Porter bis zuletzt verteidigt, obwohl ihm schon vor Wochen (als er informiert wurde) haette klar sein muessen, dass der Gewalttaetige keine Security Clearing (das deutsche Wort faellt mir nicht ein) erhalten wuerde. Schon damals haette Porter entlassen werden muessen, denn jedes Dokument, das Trump vorgelegt wurde, ging durch seine Haende. Er war ein Sicherheitsrisiko, wegen seiner Vergangenheit ein potentielles Erpressungsopfer. Und nun koennte es auch Kelly den Kopf kosten. Statt Ordnung in den Saustall zu bringen, ist der General Teil des Saustalls geworden, outet sich als Rassist unf Frauenfeind.
fred_m 09.02.2018
5. US-Republikaner ticken anders
Bei den Republikanern gibt es viele, die Politik machen mit der Bibel in der einen Hand und eine Knarre in der anderen. Unter den Trump-Anhängern sind diese Typen leider etwas überdurchschnittlich vertreten. Da soll man sich [...]
Bei den Republikanern gibt es viele, die Politik machen mit der Bibel in der einen Hand und eine Knarre in der anderen. Unter den Trump-Anhängern sind diese Typen leider etwas überdurchschnittlich vertreten. Da soll man sich nicht wundern, das Leute mit einer Vorliebe für "durchschlagenden" Argumente im Umfeld von Trump vielleicht etwas überdurchschnittlich vertreten sind. Ich habe das übrigens nie richtig verstanden: einerseits "Law and Order" fordern, aber andrerseits soll der Staat sich doch bitteschön überall heraushalten.

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