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Instagram-Post

Tusk witzelt über May - und erzürnt britischen Außenminister

Kein "Kirschen-Picken" für die britische Premierministerin: EU-Ratspräsident Donald Tusk hat sich indirekt über Theresa Mays Brexit-Forderungen lustig gemacht. Außenminister Jeremy Hunt fühlt sich beleidigt.

DPA

Theresa May, Donald Tusk

Samstag, 22.09.2018   22:28 Uhr

EU-Ratspräsident Donald Tusk hat mit einem Instagram-Post offenbar den Unmut des britischen Außenministers Jeremy Hunt auf sich gezogen. Ein Foto des informellen EU-Gipfels in Salzburg, das der Ratspräsident auf der Plattform veröffentlichte, habe "das britische Volk beleidigt", sagte Hunt.

Das Foto zeigt die britische Premierministerin Theresa May mit Tusk am Kuchenbüfett. Als Kommentar schrieb Tusk: "Ein Stück Kuchen gefällig? Tut mir leid, keine Kirschen."

A piece of cake, perhaps? Sorry, no cherries. #brexit #salzburgsummit2018 #theresamay #donaldtusk #europeancouncil #europeanunion #euco

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Damit versuchte Tusk offenbar eine humoristische Anspielung auf das Großbritannien von EU-Seite oft vorgehaltene Rosinen-Picken bei den Brexit-Verhandlungen - die englische Redewendung dafür lautet "Kirschen-Picken".

Beim EU-Gipfel in Salzburg hatten die Mitgliedstaaten eine Absage an Mays Brexit-Pläne bezüglich der Ausgestaltung der künftigen Handelsbeziehungen erteilt. Diese sehen vor, eine Freihandelszone zwischen EU und Großbritannien nur für Güter einzurichten, nicht aber für Dienstleistungen. Die EU lehnt das jedoch kategorisch ab, weil sie Wettbewerbsverzerrungen durch britische Anbieter fürchtet.

REUTERS

Jeremy Hunt

Außenminister Hunt war offenbar "not amused" über Tusks Post. Die britische Premierministerin und das britische Volk in sozialen Netzwerken zu beleidigen sei nicht hilfreich bei der Bewältigung einer "schwierigen Situation", sagte Hunt der BBC. "Werten Sie die britische Höflichkeit nicht als Schwäche", warnte er.

Die Nervosität wächst offenbar auf allen Seiten. May droht nach Medienberichten der Rücktritt weiterer Minister, falls sie nicht bis Montag einen "Plan B" auf den Tisch legt. Der EU-Brexit-Experte Elmar Brok schätzte am Samstag die Chancen auf eine rechtzeitige Einigung zwischen der EU und London auf nur noch 50 Prozent.

Labour will jeglichen Brexit-Deal anfechten - oder Neuwahlen

Die oppositionelle Labour-Partei hat auf einer Kundgebung am Abend in Liverpool verkündet, jeglichen Brexit-Deal, den May mit der EU-Kommission in Brüssel schließt, anzufechten. Wenn es keinen Deal gebe, werde Labour Neuwahlen einfordern, sagte Parteichef Jeremy Corbyn der Nachrichtenagentur Reuters zufolge.

AFP

Jeremy Corbyn

"Wir werden jeglichen Deal dieser Regierung anzweifeln und auf die Probe stellen, bezüglich Jobs, bezüglich Lebensstandards, bezüglich Umweltschutz", sagte er. "Und wenn diese Regierung nicht liefern kann, dann werde ich einfach zu Theresa May sagen, dass der beste Weg, das zu lösen, Neuwahlen sind."

Ende August hatte sich Labour erstmals klar von den regierenden Tories abgegrenzt. Die Partei hatte verkündet, Großbritannien auch nach dem EU-Austritt im März 2019 in Binnenmarkt und Zollunion halten zu wollen - zumindest in einer mehrjährigen Übergangsphase. Die Opposition ging damit deutlicher als bisher auf Distanz zur Regierung.

kry/Reuters/AFP

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