Politik

Faktencheck

War Österreichs Vizekanzler Strache Gast bei der Burschenschaft Germania?

Österreichs Vizekanzler Strache soll bei einer Veranstaltung zu Ehren der rechtsnationalen Burschenschaft Germania aufgetreten sein, berichtete der SPIEGEL. Strache spricht von "Fake News". Der Faktencheck.

DPA/ APA

Heinz-Christian Strache

Von , Wien
Freitag, 26.01.2018   15:14 Uhr

Die Bilder belegen: Heinz-Christian Strache, Chef der rechtspopulistischen FPÖ und seit Dezember 2017 Vizekanzler von Österreich, war bei einer Veranstaltung in Wiener Neustadt, die unter anderem zu Ehren des 100-jährigen Bestehens der Burschenschaft Germania zu Wiener Neustadt stattfand. Dort erhielt er ein Ehrenband vom Österreichischen Pennäler Ring (ÖPR) für seine Verbundenheit zu Burschenschaften. Die Veranstaltung fand Anfang Juni 2017 im Sparkassensaal der Wiener Neustadt statt, wie der SPIEGEL am Donnerstag berichtete.

Zwei Informanten hatten dies bestätigt, einer davon das Bildmaterial geliefert. Die Burschenschaft Germania war in die Kritik geraten, weil sie Liederbücher mit antisemitischen und neonazistischen Texten vorgehalten hatte.

Der SPIEGEL hatte am Donnerstagmittag Martin Glier, Sprecher von Strache, kontaktiert, um eine Stellungnahme von Strache zu bekommen. Glier erklärte, er könne das nicht bestätigen, schließlich besuche Strache "als Privatperson viele Veranstaltungen".

SPIEGEL ONLINE

Heinz-Christian Strache bei der Burschenschaft Germania (Juni 2017)

Erst nach der SPIEGEL-Veröffentlichung sah sich Strache genötigt, doch noch inhaltlich Stellung zu nehmen. Er behauptet jetzt, "nie bei einer Germania-Feier" gewesen zu sein. Er sei vielmehr beim Österreichischen Pennäler Ring zu Mittag eingeladen gewesen und habe dort ein "ÖPR-Ehrenband" erhalten. Daher handele es sich um "Fake News" und "unseriösen Journalismus", den auch noch "fast alle österreichischen Medien völlig kritiklos übernehmen" würden.

Richtig ist: Strache hat ein Ehrenband erhalten für seine Verbundenheit mit Burschenschaften, nicht, wie zunächst berichtet, für seine Verbundenheit speziell mit der Germania.

Tatsache ist auch, dass zu der insgesamt drei Tage dauernden Veranstaltung gemeinschaftlich von der Burschenschaft Germania zu Wiener Neustadt und dem Dachverband ÖPR eingeladen worden war.

Screenshot von der Webseite der Burschenschaft (www.pbgermania.at)

Auf der Einladung heißt es: "2. bis 4. Juni 2017 - ÖPR Burschentag und 100. Stiftungsfest der penn. B! Germania - in Wiener-Neustadt." Auch die Webseite der Burschenschaft kündigt die Veranstaltung als gemeinsames Fest an. Nach Aussage von Teilnehmern handelte es sich ohne Zweifel um ein Fest zu Ehren des 100-jährigen Bestehens der Burschenschaft Germania. Dass Strache die Veranstaltung vor der offiziellen Ehrung dieser Burschenschaft verließ, hatte der SPIEGEL korrekt berichtet.

In dieser Sache wächst der Druck auf Strache und die FPÖ. Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) fordert bei den Vorwürfen um die mögliche Verwendung neonazistischer Lieder die "volle Härte des Gesetzes". Parlamentspräsident Wolfgang Sobotka sagt der Zeitung "Standard": "Das sind schwerwiegende Vorwürfe, die restlos aufgeklärt werden müssen." Dazu forderte er die Bürger auf: "Ich kann nur jeden ermutigen, die Courage zu haben, solche Dinge rigoros zur Anzeige zu bringen. Wir haben ein eindeutiges Verbotsgesetz - und derartiges Gedankengut hat bei uns keinen Platz!"

Zuvor hatten sich Universitätsrektoren und -professoren in einem öffentlichen Brief an Kurz gewandt: "Das ist ein Aufruf zum Massenmord", kritisierten sie das Germania-Liedgut. Ihre Forderung an den Kanzler: "Beenden Sie die Zusammenarbeit mit allen, die Mitglieder rechtsextremer Burschenschaften in ihren Büros beschäftigen."

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