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US-Wahlkampf

Wikileaks veröffentlicht E-Mails über "Bill Clinton GmbH"

Neue Enthüllungen in der E-Mail-Affäre um US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton: Ehemann Bill soll im großen Stil seine Rolle als Chef seiner gemeinnützigen Stiftung für Geschäftskontakte genutzt haben.

AFP

Hillary und Bill Clinton

Freitag, 28.10.2016   13:59 Uhr

Das Enthüllungsportal Wikileaks hat bislang unbekannte E-Mails veröffentlicht, die neues Licht auf das Geschäftsgebaren der Clinton-Familie werfen. Die offenbar von Hackern geknackten privaten Nachrichten legen den Schluss nahe, dass Ex-Präsident Bill Clinton als Vorsitzender der wohltätigen Clinton-Stiftung teure Geschenke und Millionensummen eingenommen hat - etwa aus Reden und Beratertätigkeiten.

Im Zentrum der neuen Enthüllungen steht eine E-Mail des Bill-Clinton-Beraters Douglas Band aus dem Jahr 2011. Band schreibt darin, er habe dem Ehemann der US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton "profitorientierte Tätigkeiten für mehr als 50 Millionen Dollar" (heute 45,8 Millionen Euro) vermittelt. Zudem gehe es um "künftige Vertragsabschlüsse" im Wert von 66 Millionen Dollar, "falls er mit diesen Engagements weitermachen will". Band selbst nennt das Geflecht von Clintons Einsätzen für die Stiftung und als Privatmann die "Bill Clinton GmbH".

Die E-Mails stammen vom Konto John Podestas, derzeit Wahlkampfleiter von Hillary Clinton. 2011 arbeitete dieser selbst für die Clinton-Stiftung. Die US-Geheimdienste vermuten, dass Russland hinter dem Hackerangriff steckt und die E-Mails an Wikileaks weitergeleitet hat. Hillary Clinton sieht darin einen Versuch Moskaus, ihrem Wahlkampf zu schaden.

Keine Belege für Gegenleistungen

Die nun veröffentlichten E-Mails enthalten keine Belege dafür, dass Bill Clintons damalige Auftraggeber irgendwelche politischen Gegenleistungen erhielten - etwa von Hillary Clinton, die damals Außenministerin der USA war.

Berater Band schreibt allerdings, dass man sich auch um Dienstleistungen für Clinton und seine Familie bemüht habe, "für persönliche Reisen, Einladungen, Urlaube und dergleichen".

Band führt weiter aus, dass er seine private Beraterfirma Teneo eingesetzt habe, um Großspenden aus der Industrie für die Clinton-Stiftung einzuwerben, zum Beispiel von Coca-Cola, Dow Chemical und dem Bankhaus UBS.

Band schrieb die Nachricht offenbar als Reaktion auf eine Beschwerde von Präsidententochter Chelsea Clinton. Diese hatte geargwöhnt, dass Stiftungsmitarbeiter ihre Tätigkeit nutzten, um selbst lukrative Geschäftskontakte aufzubauen.

Wikileaks hat im US-Wahlkampf immer wieder interne E-Mails von Podestas Konto veröffentlicht. Diese sollen unter anderem belegen, dass die Parteiführung der US-Demokraten im Vorwahlkampf gegen Hillary Clintons innerparteilichen Rivalen Bernie Sanders voreingenommen war.

Clinton vs. Trump - Wer liegt in den Umfragen vorn?

kev/AFP

insgesamt 102 Beiträge
exHotelmanager 28.10.2016
1.
Wie kann man vermuten, dass jemand, der 10 Jahre lang Präsident der USA war, eine "Rolle" benötigt, um "Kontakte" zu bekommen? Wie kann man verlangen, dass Menschen, die gemeinnützige Aufgaben wahrnehmen, [...]
Wie kann man vermuten, dass jemand, der 10 Jahre lang Präsident der USA war, eine "Rolle" benötigt, um "Kontakte" zu bekommen? Wie kann man verlangen, dass Menschen, die gemeinnützige Aufgaben wahrnehmen, Kontakte daraus im Geschäftsleben ignorieren?
klmo 28.10.2016
2.
Beginnt doch schon bei der Finanzierung des Wahlkampfes, wo Milliarden verpulvert werden. Kein Finanzier investiert nur einen Cent in den USA, wenn der sich für seinen Einsatz keinen Gewinn verspricht.
Beginnt doch schon bei der Finanzierung des Wahlkampfes, wo Milliarden verpulvert werden. Kein Finanzier investiert nur einen Cent in den USA, wenn der sich für seinen Einsatz keinen Gewinn verspricht.
Teile1977 28.10.2016
3. Ehemann
O.K. aber erstens hätte auch ein Trump derartige Kontakte fleißig genutzt, und zweitens geht es bei der Wahl nicht um Bill, sondern um Hillary Clinton. Oder hab ich was falsch verstanden?
O.K. aber erstens hätte auch ein Trump derartige Kontakte fleißig genutzt, und zweitens geht es bei der Wahl nicht um Bill, sondern um Hillary Clinton. Oder hab ich was falsch verstanden?
sachsenradar 28.10.2016
4. Völlig unglaubwürdige Quelle
Wikileaks ist mittlerweile so vertrauensüwrdig wie der Kreml. Wer sich so zum Knecht von Russlands Interessen macht, hat jede Glaubwürdigkeit verloren. Dazu kommt noch der persönliche Hass von Assange auf die Clintons und die [...]
Wikileaks ist mittlerweile so vertrauensüwrdig wie der Kreml. Wer sich so zum Knecht von Russlands Interessen macht, hat jede Glaubwürdigkeit verloren. Dazu kommt noch der persönliche Hass von Assange auf die Clintons und die USA und fertig ist das Verschwörungsgebräu. 1001 Lügengeschichten aus den Verschwörungsmedien (VM) einfach nur peinlich.
themistokles 28.10.2016
5. Wer steht denn hier zur Wahl?
OK, man hat scheinbar bei Hillary nichts wirklich skandalträchtig verwertbares gefunden und konzentriert sich jetzt auf ihren Ehemann... Bei Wikileaks (Und wer da jetzt? Assange? Ist das jetzt die groß angekündigte [...]
OK, man hat scheinbar bei Hillary nichts wirklich skandalträchtig verwertbares gefunden und konzentriert sich jetzt auf ihren Ehemann... Bei Wikileaks (Und wer da jetzt? Assange? Ist das jetzt die groß angekündigte Enthüllung?) weiß man aber, dass Hillary und nicht Bill Clinton zur Wahl steht, oder? Und nur nochmals als Information nachgeschoben: Bill Clinton hat keine öffentlichen Ämter mehr inne. Als Privatmann bzw. als privater Geschäftsmann kann er tun und lassen, was er will, solange es im gesetzlichen Rahmen bleibt.
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