Politik

Bericht des Weißen Hauses

So reich sind Ivanka Trump und Jared Kushner

Sie arbeitet gratis, er stößt Beteiligungen ab: Doch auch nach dem Einzug ins Weiße Haus besitzen Donald Trumps Schwiegersohn Jared Kushner und Tochter Ivanka ein Vermögen von 740 Millionen Dollar.

AP

Ivanka Trump und ihr Ehemann Jared Kushner vor dem Weißen Haus

Samstag, 01.04.2017   11:06 Uhr

Das neue Powerpaar im Weißen Haus wird argwöhnisch beäugt. Gefährliche Interessenkonflikte sehen Kritiker entstehen, nachdem die älteste Tochter des US-Präsidenten Donald Trump, Ivanka Trump, und ihr Ehemann Jared Kushner offizielle Jobs in der Regierung erhalten haben. Beide wollten im Gegenzug aus ihren Firmen ausscheiden. Doch ein Vermögensbericht des Weißen Hauses zeigt: Sie profitieren weiterhin von millionenschweren Immobilien- und Investmentgeschäften.

Macht oder Geld - so sah kurze Zeit die Wahl für die neuen engsten Berater des US-Präsidenten aus. Doch der Eindruck trügt, wie der mehrere Tausend Seiten lange Bericht aus Washington zeigt. Aus ihm filterte die "New York Times" heraus, wie viel Ivanka Trump und Kushner noch heute bleibt: Sie sind weiterhin Profiteure von Investments im Wert von rund 740 Millionen Dollar.

In einem Dokument listet das Weiße Haus das Vermögen von 180 hochrangigen Regierungsbeamten auf - sie sind per Gesetz zur Angabe dieser Daten verpflichtet, die ihre finanzielle Situation vor ihrem Jobantritt aufzeigen. Lediglich der Präsident und sein Vize Mike Pence können sich dafür bis zum nächsten Jahr Zeit lassen mit neuen Details.

Im März verschaffte der neu gewählte Präsident Tochter und Schwiegersohn wichtige Beraterjobs: Ivanka Trump erhielt zu ihrem Büro im Weißen Haus den Titel "Assistant to the President". Ihr Ehemann Jared Kushner wurde kurz zuvor zum Chef des neu geschaffenen Amts für amerikanische Innovationen ernannt.

Sie wollte dafür ihr Modebusiness abstoßen, arbeitet gratis für die Trump-Regierung. Er hatte seine Managerjobs in den mehr als 200 Teile umfassenden, familieneigenen Immobilien- und Investmentunternehmen niedergelegt und versprach, kritische Vermögensteile abzustoßen. Kritiker hatten Interessenkonflikte angemahnt, da die Unternehmen der Kushner-Familie Geschäfte mit Investoren oft unklarer Herkunft machten.

Kushners riskantes Investitionsportfolio

Tatsächlich verkaufte Kushner laut dem neuen Bericht Anteile an 58 Investments. Trotzdem bleibt er nach dem Dokument der einzige Hauptprofiteur der Mehrheit des Familientrusts - der wiederum die verschiedenen Firmen der Familie besitzt.

Das Pikante: Die Immobilienfirma der Kushners hat sich laut der Zeitung Geld etwa von Goldman Sachs, Blackstone, der Deutschen Bank und der französischen Bank Natixis geliehen. Es soll zudem Verbindungen zur israelischen Bank Hapoalim geben, gegen die die US-Justizbehörde wegen möglicher Beihilfe zur Steuerhinterziehung für wohlhabende Amerikaner ermittelt.

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Jared Kushner: "Donald Trumps Mini-Me"

Daher warnte der ehemalige Ethikchef der Wahlkommission, Larry Noble, nun angesichts von Kushners Plänen: Sie seien nicht ausreichend. "Angesichts seines Status im Weißen Haus und dem breiten Portfolio, ist es schwer zu erkennen, wie er sich heraushalten will aus allem, was seine finanziellen Interessen betreffen könnten."

Ivanka Trumps gute Verdienste

Ivanka Trump hält wiederum Anteile am Trump International Hotel in Washington, deren Wert mit bis zu 25 Millionen Dollar angegeben wird. Kritiker warnen davor, dass dort möglicherweise ausländische Regierungsvertreter oder Mitglieder von Interessengruppen gastieren könnten - um sich so den guten Willen der Trump-Regierung zu sichern.

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Ivanka Trump: Die Assistentin ihres Vaters

Die Präsidenten-Tochter hat zudem zwar ihre Modemarke in einen eigenen Trust übereignet - den das Weiße Haus mit einem Wert von 50 Millionen Dollar beziffert. Doch dieser wird von Mitgliedern der Kushner-Familie betreut, und das Vermögen gehört weiterhin der Trump-Tochter. Sie erhält laut den neuen Dokumenten zudem Zahlungen einer familieneigenen Luxus-Agentur und aus Immobilienprojekten.

Der reiche Chefstratege

Informationen offenbart der Bericht auch über Steve Bannon: So einflussreich Trumps Chefstratege in der neuen US-Regierung ist, so vermögend ist auch er. Seine Beratungsfirma beziffert er auf einen Wert zwischen fünf und 25 Millionen Dollar. Honorare streicht er ein von der rechtspopulistischen Website "Breitbart News", einem Datenspezialisten für Trumps Kampagnen und einer konservativen Non-Profit-Organisation. Die drei Geldquellen Bannons werden sämtlich vom Hedgefonds-Manager Robert Mercer und dessen Tochter mitfinanziert - wichtigen Wahlkampfspendern Trumps. Rund 13 Millionen Dollar liegen Bannon auf Bankkonten und als Immobilienbesitz bereit.

Noch weit mehr Geld bringt Trumps Wirtschaftsberater Gary Cohn, ein früherer Top-Banker von Goldman Sachs, in den Regierungstrupp: Beteiligungen im Wert von 253 Millionen bis 611 Millionen Dollar kann er sein Eigen nennen - und ein Einkommen von 77 Millionen Dollar allein im vergangenen Jahr.

Die detaillierten Daten untermauern eindrücklich eine Analyse der Nachrichtenagentur Bloomberg, wonach Trumps Regierung die wohlhabendste der amerikanischen Geschichte ist. Seine Top-Leute im Weißen Haus und die Mitglieder des Kabinetts versammeln demnach ein geschätztes Vermögen von rund 12 Milliarden Dollar.

kig/Reuters/AP

insgesamt 60 Beiträge
moneysac123 01.04.2017
1.
Klar ist das Vetternwirtschaft, aber andererseits, warum sollen vermögende Leute nicht für die Regierung arbeiten dürfen? In Deutschland ist das ja genauso.
Klar ist das Vetternwirtschaft, aber andererseits, warum sollen vermögende Leute nicht für die Regierung arbeiten dürfen? In Deutschland ist das ja genauso.
grivel 01.04.2017
2. Sieht es nicht so anders aus...
wie in Deutschland oder der Schweiz. Was erwartet der Autor denn, dass sie alles aufgeben und verkaufen um für den Staat zu arbeiten? Sie haben sich doch von "kritischen" Bereichen getrennt, das ist nämlich die [...]
wie in Deutschland oder der Schweiz. Was erwartet der Autor denn, dass sie alles aufgeben und verkaufen um für den Staat zu arbeiten? Sie haben sich doch von "kritischen" Bereichen getrennt, das ist nämlich die positive Nachricht. Ich finde eher positiv, dass momentan die Familie Trump den Präsidentschaftsjob gratis macht.
Trockenfisch 01.04.2017
3. ich finde
das eigentlich auch nicht besonders gut, aber bitte nicht so einseitig berichten. Da muss man auch die letzten Regierungen, Bush und Obama. dagegen stellen. Ich weiß nämlich nicht wieviel Kohle da im weißen Haus versammelt war [...]
das eigentlich auch nicht besonders gut, aber bitte nicht so einseitig berichten. Da muss man auch die letzten Regierungen, Bush und Obama. dagegen stellen. Ich weiß nämlich nicht wieviel Kohle da im weißen Haus versammelt war und ohne vergleich kann man nicht den einen verurteilen und die anderen gut dastehen lassen. Journalisten die auf dieser Schiene fahren sind nicht besser als Donald Trump mit seinen Lügen und alternativen Fakten.
GeMe 01.04.2017
4. Es stellt sich doch nur die Frage, ob
Familie Trump das Amt des Präsidenten dazu nutzt für sich und für befreundete oder geschäftlich verbundene Partner das Optimale aus dem Staat herauszuholen oder ob sie tatsächlich vor haben etwas für "das Volk" zu [...]
Familie Trump das Amt des Präsidenten dazu nutzt für sich und für befreundete oder geschäftlich verbundene Partner das Optimale aus dem Staat herauszuholen oder ob sie tatsächlich vor haben etwas für "das Volk" zu tun. Bei Präsident Trump kann ich mir vorstellen, dass er vielleicht sogar glaubt etwas für das Volk zu tun und sein persönlicher Profit nur ein nützlicher Nebeneffekt ist. Seine Tochter und sein Schwiegersohn dürften wesentlich cleverer sein als er und so die Gunst der Stunde zu nutzen wissen.
franz.v.trotta 01.04.2017
5.
Finanzielle Unabhängigkeit kann sich in solchen Fällen als durchaus positiv und heilsam erweisen. - Man denke an die Zustände etwa in Frankreich (Fillon) oder im Freistaat Bayern, wo Ehepartner, Kinder und andere [...]
Finanzielle Unabhängigkeit kann sich in solchen Fällen als durchaus positiv und heilsam erweisen. - Man denke an die Zustände etwa in Frankreich (Fillon) oder im Freistaat Bayern, wo Ehepartner, Kinder und andere Familienmitglieder von Amts- und Mandatsträgern eifrigst mit Steuergeldern versorgt wurden. (In Bayern sind indes nach meinem Wissen in letzter Zeit Korrekturen erfolgt.)

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