Politik

Trump und Kim in Singapur

Nordkorea feiert schon die Aufhebung der Sanktionen

Nach dem Treffen in Singapur behauptet Nordkorea, Donald Trump habe ein Ende der Sanktionen gegen das Regime versprochen - und der US-Präsident schreibt einen Dankestext an Kim Jong Un auf Twitter.

REUTERS

Kim Jong Un

Mittwoch, 13.06.2018   06:39 Uhr

Der historische Gipfel zwischen Donald Trump und Kim Jong Un in Singapur war eine große Show. Nun ist er vorbei - und Nordkorea hat seine eigene Interpretation der dort getroffenen Vereinbarungen veröffentlicht. Wie die staatliche Nachrichtenagentur KCNA berichtet, habe der US-Präsident dem nordkoreanischen Diktator zugesagt, gegen das Land verhängte Sanktionen aufzuheben. (Lesen Sie hier die offizielle Erklärung im Wortlaut.)

Bekannt war bislang lediglich, dass Trump Nordkorea Sicherheitsgarantien angeboten hat. Der nordkoreanischen Agentur zufolge habe der US-Präsident diese Zusicherungen gegeben, nachdem er ein Ende der gemeinsamen Militärmanöver mit Südkorea zugesagt habe.

Foto: REUTERS

US-Beamte sagten der Nachrichtenagentur AFP, sie seien von dieser Ankündigung ihres Präsidenten vollkommen überrascht worden. Pentagon-Mitarbeiter hätten den ganzen Morgen in Sitzungen verbracht, um die Folgen dieser Entscheidung auszuloten.

Videoanalyse: Friedensgipfel - oder alles nur Show?

Beide Seiten seien sich einig gewesen, dass Frieden, Stabilität und Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel nur schrittweise und durch gleichzeitiges Vorgehen erreicht werden könnten, berichtete KCNA weiter. Kim habe betont, sollten die USA aufrichtig vertrauensbildende Maßnahmen ergreifen, werde auch Nordkorea weitere Zeichen des guten Willens setzen. Beide Politiker hätten gegenseitige Einladungen nach Washington und Pjöngjang "erfreut" angenommen.

Laut der Schlagzeile in der amtlichen Zeitung "Rodong Sinmun", dem Sprachrohr der herrschenden Arbeiterpartei Nordkoreas, wurde mit dem "Treffen des Jahrhunderts eine neue Geschichte" in den Beziehungen beider Länder eingeleitet. Das Blatt zeigte auf vier seiner sechs Seiten nicht weniger als 33 Bilder des Treffens.

Foto: SPIEGEL ONLINE

Trump selbst hat Kim mittlerweile via Twitter für dessen "wagemutigen ersten Schritt zu einer neuen hellen Zukunft" für sein Volk gedankt.

"Unser beispielloses Treffen - das erste zwischen einem amerikanischen Präsidenten und einem Führer Nordkoreas - beweist, dass echte Änderungen möglich sind", schrieb er.

Chinas Staatsmedien haben die Ergebnisse des Gipfels ebenfalls positiv bewertet. Die parteinahe Zeitung "Global Times" lobte in einem Leitartikel Trumps Versprechen, gemeinsame Militärmanöver der USA mit Südkorea einstellen zu wollen. Dies sei schon immer auch eine Forderung Pekings gewesen, um eine Entspannung in der Region zu erreichen.

dop/Reuters/dpa/AFP

insgesamt 20 Beiträge
derblaueplanet 13.06.2018
1. Damit stünde fest:
Nordkorea ist und bleibt Atommacht, und Chinas Vormacht und neoimperialistischer Politik in Südost-Asien steht nichts mehr im Wege.
Nordkorea ist und bleibt Atommacht, und Chinas Vormacht und neoimperialistischer Politik in Südost-Asien steht nichts mehr im Wege.
dilido 13.06.2018
2. Korea feiert die Aufhebung der Sanktionen
Dann scheint es den Nordkoreanern ja ernst mit der Abrüstung zu sein. Denn diese sollen so lange bestehen bleiben, bis Nordkorea nachweislich abrüstet (Pompeo: complete, verifiable, irreversible).
Dann scheint es den Nordkoreanern ja ernst mit der Abrüstung zu sein. Denn diese sollen so lange bestehen bleiben, bis Nordkorea nachweislich abrüstet (Pompeo: complete, verifiable, irreversible).
heineken1 13.06.2018
3. "… bright new future for his people"
Die "…bright new future for his people" kann auch das letzte sein, was sein Volk zu sehen bekommt: Den Atomblitz. Wer glaubt diesem klassenlosen Präsidenten eigentlich noch irgendetwas? Sobald er sich vom "rocket [...]
Die "…bright new future for his people" kann auch das letzte sein, was sein Volk zu sehen bekommt: Den Atomblitz. Wer glaubt diesem klassenlosen Präsidenten eigentlich noch irgendetwas? Sobald er sich vom "rocket man" (seine eigenen Worte!) provoziert /beleidigt /nicht wertgeschätzt genug fühlt, ist das "historische Abkommen" von Singapur doch schon das Papier nicht mehr wert.
xvxxx 13.06.2018
4.
Lt. trump selbst hat China bereits diese aufgeweicht, „ und das ist Ok so“.
Zitat von dilidoDann scheint es den Nordkoreanern ja ernst mit der Abrüstung zu sein. Denn diese sollen so lange bestehen bleiben, bis Nordkorea nachweislich abrüstet (Pompeo: complete, verifiable, irreversible).
Lt. trump selbst hat China bereits diese aufgeweicht, „ und das ist Ok so“.
gs_49 13.06.2018
5. Freibrief für einen Diktator
Trump hat Kim eine „Sicherheitsgarantie“ versprochen, also einen Freibrief für die Fortsetzung einer brutalen Diktatur, mit der dieser Kim-Clan in dritter Generation foltert und mordet. Schlimmer geht es nicht. Der Tyrann Kim [...]
Trump hat Kim eine „Sicherheitsgarantie“ versprochen, also einen Freibrief für die Fortsetzung einer brutalen Diktatur, mit der dieser Kim-Clan in dritter Generation foltert und mordet. Schlimmer geht es nicht. Der Tyrann Kim wird umschmeichelt, traditionelle Verbündete werden brüskiert und beleidigt - Trump steht nicht für irgendwelche Werte, seine bauchgesteuerte „Diplomatie“ kennt nur ein Ziel: punkten bei der Wählerbasis.

Verwandte Themen

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

TOP