Politik

Waffenbau in Nordkorea

Kims geheime Raketenschmieden

13 versteckte Raketenanlagen wollen Experten auf Satellitenbildern aus Nordkorea entdeckt haben. Bricht das Land also Absprachen? Ausgerechnet Südkorea warnt vor einem vorschnellen Urteil.

REUTERS/ CSIS/ Beyond Parallel/ DigitalGlobe

Satellitenbild von angeblicher Raketenanlage in Nordkorea

Von , Seoul
Dienstag, 13.11.2018   13:02 Uhr

Als US-Präsident Donald Trump Ende September sagte, er und der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un hätten "sich verliebt", war das selbst für Trump eine überraschende Formulierung. Später stellte er in einem Interview klar, er verstehe sich einfach gut mit Kim. Und das Verhältnis sei ja auch entspannter geworden. Man brauche sich nur anzuschauen, welche "furchtbaren Drohungen" der Nordkoreaner in der Vergangenheit ausgestoßen habe. Und jetzt? "Keine Drohungen mehr, keine Drohungen mehr", so Trump zum US-Sender CBS.

Doch geht von Pjöngjang deshalb auch keine Gefahr mehr aus?

Viele langjährige Beobachter sind sich da nicht so sicher. Ein neuer Bericht des Thinktanks Center for Strategic and International Studies bestätigt sie nun. Die Analysten haben nach eigenen Angaben mindestens 13 von geschätzten 20 geheimen Raketenanlagen in Nordkorea entdeckt. Ihr Bericht wird gestützt durch etliche Satellitenbilder. Die meisten dieser Anlagen befänden sich in Bergregionen, oft in schmalen Tälern. Sie würden geschickt versteckt.

Ein weiterer, gesonderter Report befasst sich mit der Anlage in Sakkanmol, die nur 135 Kilometer nordwestlich der südkoreanischen Hauptstadt Seoul und damit der Grenze am nächsten liegt. Seit 2013 seien in Sakkanmol einige Umbauarbeiten vorgenommen worden. Die Anlage sei "in Betrieb" und werde "relativ gut in Schuss gehalten".

Wurde Südkoreas Regierung getäuscht?

Für viele Experten liefert der Bericht wertvolle Einblicke, die Verfasser gelten als renommiert. Er bestätige, dass von Nordkorea weiterhin eine militärische Bedrohung ausgehe.

Einen entsprechenden Dreh wählen einige US-Medien. Die "New York Times" spricht von einer "großen Täuschung": Einerseits mache Nordkorea eine große Raketenstartanlage - wie Sohae - untauglich, andererseits würden weiter geheime Raketenbasen betrieben.

Geradezu verärgert reagierte am Dienstag die Regierung Südkoreas, die sich derzeit intensiv um eine Wiederannäherung an den Norden bemüht, auf diese Einschätzung. Von einer "großen Täuschung" könne keine Rede sein, ließ sie in einer Stellungnahme wissen. Auch unabhängige Beobachter wie den Experten Ankit Panda hat die Interpretation der "New York Times" überrascht. Kim Jong Un habe sich schließlich bislang nicht verpflichtet, diese Anlagen offenzulegen oder abzubauen. Also habe er keine Vereinbarung gebrochen - und damit auch niemanden täuschen können.

AFP

Kim Jong Un (am 1. November 2018)

Panda warnt davor, dass jene Teile der US-Regierung sich bestätigt sehen könnten, die eine härtere Haltung gegenüber Pjöngjang fordern - was zu erneuten Spannungen auf der koreanischen Halbinsel führen könnte.

USA fordern von Pjöngjang weitere Schritte zur Abrüstung

Denn trotz Trumps demonstrativem Optimismus stocken die Gespräche rund um das nordkoreanische Atomprogramm wieder einmal. Zwar unterzeichneten Trump und Kim bei ihrem Gipfel in Singapur im Juni eine Vereinbarung über atomare Abrüstung, jedoch ohne viele Details zu klären.

Das rächt sich nun.

Die USA fordern von Pjöngjang weitere Schritte zur Abrüstung, etwa eine Auflistung des Atomarsenals oder eine Kontrolle durch internationale Beobachter. Erst dann könne man über die Lockerung von Sanktionen sprechen.

Endlich Verständlich - Alle Fakten zu Nordkorea

Als Reaktion auf die Studie zu den geheimen Raketenanlagen twitterte Richard N. Haass, Präsident des Council on Foreign Relations in Washington, denn auch, es müsse nun endlich "ein klares Ziel, Zeitpläne und klare weitere Schritte" geben.

Doch das ist so gar nicht, was Kim Jong Un vorschwebt. Die nordkoreanische Regierung hat deutlich gemacht, dass sie nicht bereit ist, ohne Zugeständnisse der USA abzurüsten. Sie verweist auf die - medienwirksame - Zerstörung des Atomtestgeländes in Punggye-ri in diesem Jahr und den Abbau von Einrichtungen auf der Raketenstartanlage in Sohae. (Der Abbau scheint laut den Beobachtern der Website "38North" allerdings gestoppt worden zu sein.)

Nordkorea drängt auf Lockerung von Sanktionen

Kim Jong Un drängt als Reaktion auf sein "Entgegenkommen" nun auf die Lockerung von Sanktionen. Bleiben die internationalen Strafmaßnahmen gegen sein Land in Kraft, kann er die wirtschaftliche Entwicklung nicht so vorantreiben, wie er es seinen Bürgern in Reden verspricht. Zurzeit beschränken Sanktionen rund 90 Prozent der Exporte des Landes - darunter Kohle, Eisenerz und Textilien.

Auf Unterstützung kann Kim von der südkoreanischen Regierung hoffen. Die Sanktionen dürften auch Thema bei dem Besuch des Einheitsministers Cho Myoung Gyon in Washington sein, der am Dienstag aus Seoul aufgebrochen ist. Er wird wohl auch Außenminister Mike Pompeo treffen.

Seoul hat ehrgeizige Pläne, möchte etwa die Zug- und Straßenverbindungen über die Grenze hinweg wieder aufnehmen. Als Entspannungssignal räumten Soldaten im Oktober bereits Landminen aus der Pufferzone zwischen den beiden Staaten. Seit einigen Tagen werden immer wieder Wachposten aus der Grenzregion abgezogen.

Getty Images

Kim Jong Un (2.v.l.) und Moon Jae In samt Ehefrauen (September 2018)

Die Regierung setzt damit um, was sie bei den Treffen zwischen Südkoreas Präsident Moon Jae In und Kim Jong Un in diesem Jahr angestoßen hat. Seit ihrem Gipfel in Pjöngjang im September hängt am Rathaus von Seoul ein überdimensionales Banner, das beide Staatschefs lächelnd und Hände haltend zeigt. Das Treffen habe "den Lauf des Schicksals der koreanischen Halbinsel verändert".

Von solch großen Gesten einmal abgesehen, schickt der Süden auch ganz handfeste Symbole der Versöhnung über die Grenze. Am Montag hoben vier Frachtflugzeuge auf der südkoreanischen Insel Jeju ab. Ihr Ziel: der Norden. An Bord: insgesamt 200 Tonnen Mandarinen, in der kommunistischen Diktatur kaum zu bekommen.

Video: Mein Trip nach Nordkorea

Foto: dbate.de
insgesamt 44 Beiträge
kelcht 13.11.2018
1.
Der Süden tut gut daran wieder eine antinordkoreanische Regierung zu wählen, dem Süden geht es gut und setzt durch den roten König alles auf das Spiel.
Der Süden tut gut daran wieder eine antinordkoreanische Regierung zu wählen, dem Süden geht es gut und setzt durch den roten König alles auf das Spiel.
mustermann2 13.11.2018
2. Wer sich selber ein Bild machen möchte...
... hier findet sich die Anlage bei Google Maps https://www.google.de/maps/search/sakkanmol/@38.5867486,126.099406,2037m/data=!3m1!1e3
... hier findet sich die Anlage bei Google Maps https://www.google.de/maps/search/sakkanmol/@38.5867486,126.099406,2037m/data=!3m1!1e3
tempus fugit 13.11.2018
3. Not bad, dieser Kim, politisch und strategisch gesehen:
...führt das stabile Gehirn am Nasenring rum und der 'demokratischen' Welt vor, macht ja einen Deal - und zwar mit seinem Nachbarn Südkorea, Grenzposten werden abgeschafft - es bewegt sich was Richtung Normalität. Und China [...]
...führt das stabile Gehirn am Nasenring rum und der 'demokratischen' Welt vor, macht ja einen Deal - und zwar mit seinem Nachbarn Südkorea, Grenzposten werden abgeschafft - es bewegt sich was Richtung Normalität. Und China wird da nichts aus dem Geleise gehen lassen - besonders nach diesem Rumgeplärre eines unreifen unerzogenen Deppen, der sich mit der ganzen Welt anlegt. Aber so langsam scheinen immer mehr Amis zu merken, was für ein faules Atomei man sich da in WH verschafft hat...
king_of_world 13.11.2018
4. Vorwand zur Überwachung der Chinesen
Sicherlich ist das eine Lüge der Amerikaner. Es ist ja unabdingbar die Überwachungsmaßnahmen, die in Südkorea gegen angeblich Nordkorea verwendet werden zu schliessen. Diese werden nämlich gegen China verwendet und brauchen [...]
Sicherlich ist das eine Lüge der Amerikaner. Es ist ja unabdingbar die Überwachungsmaßnahmen, die in Südkorea gegen angeblich Nordkorea verwendet werden zu schliessen. Diese werden nämlich gegen China verwendet und brauchen deswegen einen Grund. Es wird Meiner Meinung nach weiter gegen Nordkorea grundlos eingedrescht. Was hätte den die USA sonst noch für eine Wahl?
ambulans 13.11.2018
5. quark -
POTUS und seine "freunde" haben einfach nur angst, dass sich die "beiden koreas" demnächst friedlich (wieder-)vereinigen - und die amis hilf- und tatenlos dabei zusehen müssten. nie wieder manöver dort, [...]
POTUS und seine "freunde" haben einfach nur angst, dass sich die "beiden koreas" demnächst friedlich (wieder-)vereinigen - und die amis hilf- und tatenlos dabei zusehen müssten. nie wieder manöver dort, keinerlei droh-gebärden richtung VR china, kein dominanz-gehampel mehr; mei, wie schön könnte doch diese welt sein ...
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