Politik

Türkei

Erdogan will Militäreinsatz in Syrien ausweiten

Seit 2016 ist die Türkei in Nordsyrien militärisch aktiv. Der Einsatz dort soll nun verstärkt werden. Präsident Erdogan will angebliche Pläne der kurdischen Arbeiterpartei PKK "vollkommen zunichtemachen".

REUTERS

Recep Tayyip Erdogan

Dienstag, 09.01.2018   12:53 Uhr

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hat einen Militäreinsatz in den kurdisch kontrollierten Regionen Afrin und Manbidsch in Syrien angekündigt. "Jetzt ist es soweit, das Projekt der separatistischen Terrororganisation, einen Syrien-Terrorkorridor zu errichten, vollkommen zunichtezumachen", sagte Erdogan.

Mit "separatistischer Terrororganisation" meint Erdogan die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK, deren syrischer Ableger YPG die Regionen Afrin und Manbidsch kontrolliert.

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Die Türkei werde den im August 2016 begonnenen Militäreinsatz in Nordsyrien "Schutzschild Euphrat" auf die Regionen Afrin und Manbidsch ausweiten "und danach Sicherheit und Ruhe entlang der gesamten Grenze bringen", sagte Erdogan.

Mit dem Militäreinsatz "Schutzschild Euphrat" war die Türkei 2016 mit von ihr unterstützten Rebellen in die nordsyrische Region um Dscharabulus einmarschiert. Ziel dieser Operation war, die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) von der türkischen Grenze zu verdrängen. Die Türkei kämpfte aber zugleich gegen die YPG und setzte sich damit zwischen die zwei kurdisch kontrollierten Gebiete um Afrin und Manbidsch. Mittlerweile wird immer klarer, dass Erdogan eine langfristige Besetzung anstrebt.

Der türkische Präsident hatte in der Vergangenheit immer wieder mit einem Einsatz in den kurdisch kontrollierten Regionen in Syrien gedroht.

aev/dpa

insgesamt 38 Beiträge
atherom 09.01.2018
1. Sollte der Bericht zutreffen (und weshalb sollte es nicht?)
wird die Türkei weiteres, fremdes Gebiet besetzen. Erstaunliche sind die Proteste dagegen sehr, sehr überschaubar. Anders wäre es, wenn zum Beispiel Israelis syrisches Territorium besetzten. Es wäre die grosse Stunde des [...]
wird die Türkei weiteres, fremdes Gebiet besetzen. Erstaunliche sind die Proteste dagegen sehr, sehr überschaubar. Anders wäre es, wenn zum Beispiel Israelis syrisches Territorium besetzten. Es wäre die grosse Stunde des Schlichters Gabriel. Aber so?
rkinfo 09.01.2018
2. NATO - Türkei erklärt also Rußland - Syrien den Krieg ?!
Dann haben wir bald den UN-Sicherheitsrat in hell aufgelöster Aktion. Der 'Olympischer Frieden' (Olympia 2018 ist ab 9.2.) scheint den Tyrannen Erdogan nicht mehr zu interessieren ?!
Dann haben wir bald den UN-Sicherheitsrat in hell aufgelöster Aktion. Der 'Olympischer Frieden' (Olympia 2018 ist ab 9.2.) scheint den Tyrannen Erdogan nicht mehr zu interessieren ?!
KingTut 09.01.2018
3. Legitimation
Erdogan scheint es nicht zu stören, dass ihm jegliche Legitimation für die Präsenz seiner Truppen im Nord-Irak fehlt. Es wird immer deutlicher, dass nicht der IS, sondern die Kurden das Hauptziel des Einmarsches waren und sind. [...]
Erdogan scheint es nicht zu stören, dass ihm jegliche Legitimation für die Präsenz seiner Truppen im Nord-Irak fehlt. Es wird immer deutlicher, dass nicht der IS, sondern die Kurden das Hauptziel des Einmarsches waren und sind. Vor diesem Hintergrund finde ich es beschämend, dass unser amtierender Außenminister letzten Samstag seinem türkischen Amtskollegen Cavusoglu, den er als seinen Freund bezeichnete, Waffenlieferungen für den Fall in Aussicht stellte, dass der in türkischer Geiselhaft sitzende Journalist Yücel freigelassen wird. Herr Erdogan wird dem sicher demnächst Folge leisten, denn die Waffen nebst Panzerfabrik von Rheinmetall dürften für ihn jetzt Priorität haben. Wie sehr wünschte ich mir jetzt einen Außenminister Özdemir.
nickleby 09.01.2018
4. Erdogans Fehler
eine ohnehin geschwächte Türkei nun mit noch weiteren Aufgaben zu belasten, ist töricht und politisch risikoreich. Jeder Krieg kostet Geld und Menschenleben, so auch der Einsatz türkischer Verbände in Nordsyrien mit dem [...]
eine ohnehin geschwächte Türkei nun mit noch weiteren Aufgaben zu belasten, ist töricht und politisch risikoreich. Jeder Krieg kostet Geld und Menschenleben, so auch der Einsatz türkischer Verbände in Nordsyrien mit dem Ziel, die Kurden kleinzuhalten, wenn nicht sogar zu vernichten. Bei den 25 Millionen Kurden in der Türkei wird er keine Freunde gewinnen. Die Kurdeproblematik ist wie ein offenes Geschwür, das nicht heilt. Die deutsche Bundesregierung sollte, entgegen dem Rat Gabriels, jegliche Lieferung von Rüstungsgütern in die Türkei einstellen. Die Türkei unter Erdogan ist ein unseriöser Verhandlungspartner. Man denke nur an die Beschimpfungen Deutschlands und seiner Politiker. Es muss Erdogann drastisch verdeutlicht werden, dass er ein politischer Hasardeur ist und somit Europa ins Unglück stürzen kann. Brauchen wir Erdogan ?
birdie 09.01.2018
5. Es ist ein Märchen, dass es ...
Herrn Erdogan um die menschliche Kurdenfrage geht. Tatsache ist, dass ausgerechnet in der kurdischen Region ausserordentlich grosse Rohstofflager liegen, in denen seltene Erden sowie höherwertige Substanzen in sehr grossen Mengen [...]
Herrn Erdogan um die menschliche Kurdenfrage geht. Tatsache ist, dass ausgerechnet in der kurdischen Region ausserordentlich grosse Rohstofflager liegen, in denen seltene Erden sowie höherwertige Substanzen in sehr grossen Mengen nachgewiesen wurden. Und auf diese hunderte Milliarden € schwere Beute ist Herr Erdogan fixiert. Das aber bedeutet: wenn die Kurden das nicht hinnehmen wollen, müssen sie eben abgeräumt werden. So die Erdogan-Logik. Also hat er den angeblichen Militärputsch selbst in Auftrga gegeben und inszeniert, um eine Basis für seine Kurdenangriffe zu gewinnen.

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