Politik

Vergeltung für Giftanschlag

Die neun Daumenschrauben der Theresa May

Der Ex-Spion Skripal wurde in England mit einem Mittel aus Sowjetproduktion vergiftet. London sieht die Schuld bei Moskau und bestellt den russischen Botschafter ein. Diese Strafen könnten folgen.

Foto: Getty Images
Dienstag, 13.03.2018   10:02 Uhr

Am Dienstagabend läuft das Ultimatum ab: Bis dann soll Russland der Organisation für das Verbot chemischer Waffen erklären, was dem vergifteten Ex-Doppelagenten Sergej Skripal zugestoßen ist. Das fordert zumindest die britische Premierministerin Theresa May.

Sie hält es für "höchstwahrscheinlich", dass Russland hinter dem Anschlag auf den 66-Jährigen und seine Tochter steht. Auch die USA haben sich inzwischen dieser Einschätzung angeschlossen.

Der Grund für Mays Anschuldigung: Bei dem eingesetzten Nervengift soll es sich um eine Substanz handeln, die der Nervengiftgruppe "Novichok" zugerechnet wird. Diese wurde gegen Ende des Kalten Krieges von der Sowjetunion hergestellt.

AFP

Polizisten sichern den Tatort

Zwei Anschlagsszenarien

Skripal, ein Oberst des russischen Militärgeheimdiensts, war 2006 in Russland wegen des Vorwurfs der Spionage für Großbritannien zu 13 Jahren Haft verurteilt worden. Im Zuge eines Gefangenenaustauschs kam er 2010 nach Großbritannien.

Insgesamt mussten bislang 21 Menschen im Krankenhaus behandelt werden, darunter auch ein Polizist. Sein Zustand sei ernst, aber stabil, sagte May. Die Ermittler gehen gegenwärtig von zwei Anschlagsszenarien aus:

Die britische Regierung hat den Botschafter Russlands einberufen. Russland soll erklären, wie das Nervengift in die südenglische Kleinstadt Salisbury gelangen konnte.

Neun mögliche Reaktionen

Sollte sich der Vorwurf gegen Russland bestätigen, hätte London der britischen Zeitung "Guardian" zufolge aber noch mehr Möglichkeiten, um auf den Angriff zu reagieren:

Ob Großbritannien wirklich zu einer dieser Maßnahmen greifen wird, ist offen. Russland reagierte bislang betont gelassen auf Mays Anschuldigung.

"Absolutes Hirngespinst" versus "völlig inakzeptabel"

Das russische Außenministerium sprach von einer "Zirkusnummer" im britischen Parlament. Leonid Sluzki, Vorsitzender des Duma-Komitees für internationale Angelegenheiten, erklärte, die Vorwürfe seien ein "absolutes Hirngespinst".

Die Nato bezeichnete den Einsatz des Nervenkampfstoffs als "abscheulich" und "völlig inakzeptabel". Großbritannien sei ein hoch geschätzter Verbündeter und "dieser Zwischenfall" sei Anlass für "große Besorgnis", sagte Generalsekretär Jens Stoltenberg. Die Nato stehe in der Angelegenheit mit den britischen Behörden in Kontakt.

dop/AP/dpa

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