Politik

Baghus in Syrien

Mehrere Zivilisten bei Angriffen auf IS-Bastion getötet

Bei einem Angriff auf das letzte IS-Rückzugsgebiet in Syrien sind mehrere Zivilisten getötet worden, darunter auch Kinder. Zwei geflüchtete Französinnen berichten, dass auch Ausländer gegen ihren Willen in Baghus festgehalten werden.

Getty Images

Aus Baghus Geflüchtete

Montag, 11.02.2019   23:59 Uhr

Bei Luftangriffen der US-geführten internationalen Koalition auf die letzte Bastion des sogenannten Islamischen Staates (IS) in Syrien sind Aktivisten zufolge mindestens 16 Zivilisten getötet worden. Unter den Opfern in der Region Dair as-Saur im Osten des Landes seien auch sieben Kinder, erklärte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana meldete vier getötete Zivilisten.

Das von den USA unterstützte kurdisch-arabische Bündnis der Demokratischen Kräfte Syriens (SDF) hatte am Samstag eine Offensive gegen das letzte IS-Rückzugsgebiet in Syrien gestartet. Die internationale Koalition unterstützt die Angreifer aus der Luft. Die Rebellen stoßen dort weiterhin auf erbitterte Gegenwehr der Dschihadisten. Am Montag starteten IS-Kämpfer eine Gegenoffensive.

Das IS-Sprachrohr Amak meldete, bei Beschuss auf den Ort Baghus seien rund hundert Menschen getötet oder verletzt worden. Die Angaben ließen sich nicht unabhängig prüfen. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in Großbritannien bezieht ihre Informationen aus einem breiten Netzwerk an Informanten in Syrien. Die Angaben lassen sich unabhängig nur schwer überprüfen, haben sich in der Vergangenheit aber oft als richtig herausgestellt. Ihren Angaben zufolge wurden bei dem Angriff auch 19 IS-Kämpfer getötet.

Der IS missbrauchte Menschen als Schutzschilde

In Baghus sollen sich unterschiedlichen Angaben zufolge noch Hunderte Zivilisten aufhalten. Der Nachrichtenagentur AFP zufolge hätten zwei aus Baghus geflüchtete Französinnen berichtet, dass mehrere Ausländer gegen ihren Willen in der IS-Bastion festgehalten würden.

Eine von ihnen sagte gegenüber r AFP, dass die IS-Kämpfer in Baghus Ausländer als menschliche Schutzschilde missbrauchten. Auch eine Menschenrechtsorganisation berichtete von menschlichen Schutzschilden. Die junge Frau sei zum Islam konvertiert und 2014 nach Syrien ausgereist, weil sie auf die Propaganda des IS hereingefallen sei.

In der Provinz Quneitra im Süden Syriens haben Medienberichten zufolge gleichzeitig israelische Panzer eine Reihe von Stellungen und Stützpunkten beschossen. Dabei seien eine Krankenhaus-Ruine und ein Beobachtungsstand in der Provinz Quneitra getroffen worden, berichtete die syrische Staatsagentur Sana. Personen seien dabei nicht verletzt worden, hieß es. Das israelische Militär wollte sich dazu nicht äußern.

mal/dpa/AFP

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