Politik

Syrische Stadt Daraa

Regierungstruppen marschieren in Rebellenviertel ein

Es ist ein symbolisch wichtiger Erfolg für Syriens Machthaber Assad: Regierungstruppen sind in das von Rebellen kontrollierte Viertel der Stadt Daraa einmarschiert. Dort hatte der Aufstand gegen den Diktator begonnen.

REUTERS

Soldaten der Regierungstruppen in Daraa

Donnerstag, 12.07.2018   17:06 Uhr

Mehr als sieben Jahre nach dem Beginn des Aufstands gegen das Regime vonBaschar al-Assad geben die syrischen Rebellen die symbolisch wichtige Stadt Daraa im Süden des Landes auf. Laut Rebellensprecher Ibrahim Dschabawi haben die Aufständischen eine Einigung mit Russland erzielt.

Demnach geben die Regierungsgegner in Daraa ihre schweren Waffen ab. Außerdem wird in dem bislang von Rebellen kontrollierten Teil der Stadt die syrische Fahne gehisst.

Für die Regierung bedeutet diese Einigung einen symbolisch wichtigen Erfolg, weil Daraa als Wiege des Aufstands gegen Machthaber Assad gilt. Rebellen kontrollierten zuletzt noch einen Teil der Stadt. Dort waren sie von den Regierungstruppen belagert worden.

Die Wiege des Aufstands

Der Geheimdienst hatte im Frühjahr 2011 eine Gruppe von Schülern in Daraa festgenommen und gefoltert, die regierungsfeindliche Graffiti an Wände gesprüht hatten. Nach den Festnahmen kam es in der Stadt zu Protesten, gegen die die Regierung mit Gewalt vorging. Mittlerweile sind in dem Bürgerkrieg mehr als 400.000 Menschen ums Leben gekommen.

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Syriens Armee kontrolliert mittlerweile mehr als 80 Prozent der Provinz Daraa, wie regierungsnahe Medien und die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldeten. Die Angaben der Beobachtungsstelle sind nicht unabhängig verifizierbar, haben sich in der Vergangenheit aber als zuverlässig erwiesen.

Regierungsgegnern bleibt in der Region ein Streifen an der Grenze zu den von Israel besetzten Golanhöhen. Ein Gebiet wird dort auch noch von einem Ableger der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) beherrscht. In der Region sind Zehntausende Menschen auf der Flucht vor Kämpfen.

Russland, die USA und das Nachbarland Jordanien hatten sich vor rund einem Jahr auf eine so genannte Deeskalationszone für Daraa geeinigt. Regierungstruppen begannen im Juni dennoch mit einer Offensive. Den größten Teil der Provinz konnten Assads Anhänger nach Abkommen mit Rebellen übernehmen, die unter russischer Vermittlung ausgehandelt wurden. Mit Daraa verlieren die Rebellen eines der letzten Gebiete unter ihrer Kontrolle.

asa/dpa

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