Politik

Nachkriegsordnung in Syrien

Erdogan bezeichnet Assad als Terroristen

Solange Baschar al-Assad in Damaskus an der Macht ist, werde es keinen Wiederaufbau des Landes geben - sagte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan. Die beiden Politiker sind Erzfeinde.

AFP

Recep Tayyip Erdogan

Mittwoch, 27.12.2017   15:19 Uhr

Recep Tayyip Erdogan und Baschar al-Assad galten einst als ziemlich beste politische Freunde. Seit Ausbruch des syrischen Bürgerkrieges hassen sich der türkische Präsident und der Diktator von Damaskus. Erdogan hat ihn nun - wieder einmal - verbal attackiert. Assad sei ein "Terrorist", sagte er während eines Aufenthaltes in Tunesien nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu.

Man könne keine Zukunft mit einem Präsidenten planen, der "fast eine Millionen Bürger getötet" habe, sagte Erdogan weiter. Eine Nachkriegsordnung in Syrien mit Präsident Assad an der Spitze ist für den türkischen Regierungschef demnach nicht vorstellbar.

Die Türkei steht seit Beginn des Bürgerkriegs in Syrien 2011 auf der Seite der Rebellen - auch aus politischem Kalkül. Besonders in der Grenzstadt Dscharabulus baut Ankara seine Präsenz mittlerweile massiv aus und plant die Zukunft des Landes.

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Vor diesem Hintergrund wird deutlich: Es geht Erdogan nicht allein darum, Assad wortreich anzugreifen - was bei vielen geflüchteten syrischen Sunniten auf Zustimmung stoßen dürfte -, sondern auch darum, dauerhaft in Syrien Fuß zu fassen und damit den eigenen Machtbereich im Norden des Landes zu erweitern. Doch um an den Machtverhältnissen in Damaskus wirklich etwas zu ändern, fehlen auch Erdogan die Mittel.

Ein Grund: Russland und Iran sind Verbündete Assads. Die drei Länder hatten sich auf einen Termin Ende Januar für den sogenannten Kongress der Völker Syriens geeinigt, auf dem Vertreter syrischer Gruppen eine Nachkriegsordnung für das Bürgerkriegsland verhandeln sollen.

Erdogans jüngster verbaler Angriff auf Assad zeigt, dass die Vorstellungen von der zukünftigen Ordnung in Syrien zwischen der Türkei einerseits sowie Russland und Iran anderseits weiter auseinanderliegen, als es zuletzt den Anschein hatte.

Die vom Westen unterstützte syrische Opposition lehnt die von Russland initiierte Syrienkonferenz ab. Sie befürchtet unter anderem, dass Moskau die Bedingungen diktieren will.

dop/dpa/AP

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