Politik

Putschversuch in der Türkei

Staatsanwalt fordert lebenslange Haft für US-Pfarrer

Im September wollte der türkische Präsident Erdogan einen Gefangenenaustausch: ein US-Pfarrer gegen den in den USA lebenden Prediger Gülen. Washington lehnte ab. Jetzt soll der Pastor lebenslang ins Gefängnis.

REUTERS

Putschversuch in der Türkei

Dienstag, 13.03.2018   14:46 Uhr

Ein türkischer Staatsanwalt hat lebenslange Haft für einen Pfarrer aus den USA gefordert. Andrew Brunson soll am gescheiterten Putschversuch von 2016 beteiligt gewesen sein. Die türkischen Behörden werfen ihm laut Anklageschrift vor, zur "Führung" der Gülen-Bewegung zu gehören, berichtete die Nachrichtenagentur Dogan. Brunson, der 20 Jahre lang zusammen mit seiner Frau eine Kirche in der Stadt Izmir leitete, sitzt seit Oktober 2016 in türkischer Haft.

Der islamische Prediger Fethullah Gülen wird von der Türkei für den Putschversuch im Juli 2016 gegen Präsident Recep Tayyip Erdogan verantwortlich gemacht. Gülen, der im Exil im US-Bundesstaat Pennsylvania lebt, bestreitet die Vorwürfe. Erdogan hatte im vergangenen September angedeutet, Gülen gegen den US-Pfarrer austauschen zu wollen. Washington lehnt dies ab.

US-Außenminister Rex Tillerson hatte im März 2017 Brunsons Ehefrau Norine getroffen, die ebenfalls festgenommen, dann aber wieder freigelassen worden war. Tillerson sagte, Brunson säße "zu Unrecht" im Gefängnis. Die Beziehungen zwischen beiden Ländern befinden sich unter anderem wegen der Unterstützung kurdischer Milizen in Syrien durch die USA an einem Tiefpunkt.

Die Anklage gegen Brunson eineinhalb Jahre nach seiner Inhaftierung zeigt, wie ernst der Fall ist. Allerdings gibt es auch Beispiele, in denen die Erhebung der Anklage die Lösung eines Falls vorantreiben konnte. So wurde der "Welt"-Journalist Deniz Yücel am 16. Februar nach mehr als einem Jahr im Gefängnis freigelassen - am selben Tag, an dem er wegen angeblicher Terrorpropaganda angeklagt wurde.

aev/AFP

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

TOP